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Gesundheit

Roher Keksteig kann tödlich sein

Nach nach dem Tod einer Frau aus Las Vegas, die sich von rohem Keksteig mit E. coli infizierte, wäre es vielleicht Zeit zuzugeben, dass es einfach keine gute Idee ist.

von Hilary Pollack
20 November 2014, 8:15am

Eine Person in deinem Bekanntenkreis zu finden, die noch nicht das Risiko einer bakteriellen Infektion in Kauf genommen hat, um ein oder zwei Löffel vom leckeren Keksteig zu naschen, ist definitiv eine Herausforderung. Klar, wir wissen, dass rohe Eier drin sind. Aber das Risiko, wirklich davon krank zu werden, scheint so gering und so abwegig, dass es oft nicht ganz ernst genommen wird. Die meisten sehen es eher als Hausfrauenlegende, so wie, dass du dir eine Lungenentzündung einfängst, wenn du mit nassen Haaren rausgehst.

Der Tod von Linda Rivera, einer Frau aus Las Vegas, könnte vielleicht dafür sorgen, dass wir eine Lebensmittelvergiftung durch rohen Teig nicht mehr nur als Hausfrauenlegende abtun.

Das mag zwar mittlerweile schon wie vor einer Ewigkeit klingen, aber im Frühling 2009 rief Nestlé 2,6 Millionen Packungen seines beliebten Keksteigs zurück, nachdem 69 Personen in 25 US-Staaten sich als Folge des Verzehrs mit E. coli infiziert hatten. Der Krankheitsausbruch wurde schnell unter den Teppich gekehrt und als eine von vielen Lebensmittelvergiftungen, die jedes Jahr in den Medien stehen, vergessen. Für Linda Rivera veränderte es aber ihr komplettes Leben.

Im Mai 2009, am Tag des Abschlussballs ihres Sohns, nahm Rivera "ein paar Bissen", wie ihr Sohn es beschrieb, vom rohen Keksteig. Zu diesem Zeitpunkt wusste sie noch nichts vom bevorstehenden Rückruf oder über die Risiken von so einem harmlosen Produkt wie fertiger Keksteig aus dem Supermarkt. Zwei Tage später wurde sie sehr krank und eilte mit grippeähnlichen Symptomen ins Krankenhaus. Die Ärzte stellten einen verwüsteten Darm, einen septischen Schock, später Organversagen und einen Herzstillstand fest. 10 Tage lang lag sie im künstlichen Koma.


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Die Form der E.-coli-Bakterien, mit der sie sich infiziert hatte – E. coli O157:H7 – war außerordentlich bösartig. Für die meisten bedeutet das "nur" Blut im Stuhl, Bauchkrämpfe und Erbrechen. Bei Rivera aber waren die Auswirkungen um einiges schlimmer als nur ein unangenehmer Abend auf dem Klo.

Obwohl die Ärzte die Bakterien zuerst bekämpfen konnten, hatte sie noch weitere vier Jahre gesundheitliche Probleme. Einen großen Teil ihres Lebens nach der Infektion mit den E.-coli-Bakterien verbrachte sie in Krankenhäusern und in bettlägerigem Zustand, bis sie schließlich Mitte 2013 den Folgen der Infektion erlag. Vor ihrem Tod einigte sich Rivera mit Nestlé auf eine unbekannte Summe.

Die meisten Opfer des E.-coli-Ausbruchs im Jahr 2009 waren "junge Mädchen und Kinder", was Riveras Fall zu einer Abweichung von der Regel macht. Interessant ist aber, dass die Bakterien scheinbar durch verunreinigtes Mehl übertragen wurde. Oft wird nämlich das Risiko, sich durch rohe Eier an Salmonellen anzustecken, als Grund angegeben, warum man sich von rohem Keksteig fernhalten sollte. Die Eier in Nestlés backfertigem Keksteig sind aber pasteurisiert, was das Risiko der Salmonellenübertragung noch geringer macht. Mehl, das hat keiner kommen sehen.

Ich fragte eine Vertreterin von Nestlé ("Rachael"), ob es gefährlich ist, rohen Keksteig zu essen. Die Antwort überrascht nicht besonders. "Wir verfolgen einen sehr konservativen Ansatz, wenn es um die Handhabung von Essen geht und wir empfehlen auf keinen Fall, ein rohes Produkt zu konsumieren, das gekocht werden soll", sagte Rachael zu mir. "Genau wie dein selbst gemachter Teig Krankheitserreger enthalten könnte, kann das auch bei unserem tiefgekühlten Teig der Fall sein. Obwohl das Ei in unserem Keksteig pasteurisiert wird und er deshalb keine Krankheitserreger enthalten sollte, können theoretisch andere Zutaten kontaminiert sein." Dann fragte ich sie, ob es irgendwelche aktuellen Kundenbeschwerden im Zusammenhang mit dem Konsum von rohem Keksteig gibt. "Diese Information ist geheim. Wir empfehlen aber den Konsum von rohem Teig nicht", wiederholte sie.

Während Riveras Fall ohne Frage das Worst-Case-Szenario darstellt, war ich neugierig, ob eine Lebensmittelvergiftung von rohem Teig immer noch etwas Alltägliches ist. Laut den CDC erleidet jedes Jahr einer von sechs Amerikanern eine Lebensmittelvergiftung. Für 3.000 endet die Infektion mit dem Tod. Im Jahr 2011 wurden mehr als 19.000 Menschen mit Salmonellen ins Krankenhaus eingeliefert, während es nur 2.000 mit einer E.-coli-Infektion waren. Salmonellen führten die Liste der Lebensmittelinfektionen mit den meisten Todesfällen an. E. coli war nicht einmal unter den ersten fünf.

Ich konsultierte Dr. Adrienne Kassis, eine Gesundheitsdienstleisterin bei der One Medical Group, um nachzufragen, wie besorgt man über gelegentliche Teignaschereien sein sollte. Sie bestätigte, trotz der zehntausenden Salmonellen-Fälle jedes Jahr (die am häufigsten bei Kindern unter 15 Jahren vorkommen), sei nur 1 aus 20.000 Eiern kontaminiert. "Im Großen und Ganzen ist das Risiko gering und Salmonellen sind meist relativ harmlos." Sie wies außerdem darauf hin, dass es eine Lebensmittelvergiftung durch rohes oder zu wenig gekochtes Fleisch oder unpasteurisierte Milchprodukte sehr viel wahrscheinlicher ist. "Ich habe noch nie eine eine Lebensmittelvergiftung von rohem Teig bekommen – und diese Angewohnheit habe ich schon mein ganzes Leben", fügte sie hinzu. "Ich hatte auch noch nie einen Patienten mit einer Salmonellen-Infektion, die von rohem Teig hervorgerufen wurde."

Aber, wie gesagt, waren in Riveras Fall nicht die Eier die Übertäter, sondern das Mehl. Vielleicht betrachten wir in einer Welt der Post-Pasteurisation die dunkle Seite von Keksteig aus der falschen Perspektive. Vielleicht hatte Rivera aber auch einfach nur Pech – mit tödlichen Folgen.

Nach den E.-coli-Fällen 2009 änderte Nestlé seine Rezeptur und ergänzte die Verpackung mit einer schriftlichen Warnung, dass der Keksteig nicht roh konsumiert werden sollte. Das Unternehmen verstärkte auch Tests und die Kontrolle der Zutaten und fing an, das Mehl hitzezubehandeln. Aber das Risiko, wenn auch minimal, kann immer noch folgenschwere Konsequenzen haben.

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