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Haifischflossensuppe ist vom Aussterben bedroht

Gute Neuigkeiten, Haie: Laut einem aktuellen Bericht von WildAid ist der Verkauf von Haifischflossen in China um 50-70% zurückgegangen. Ihr könntet euch bei Umweltschützern bedanken, aber auch dem Vorgehen gegen Korruption, das dekadentes Essen...

von Matthew Zuras
14 August 2014, 11:00am

Photo via Flickr user Alpha

Die Haie dieser Welt sollten Xi Jinping eine Dankeskarte schicken.

Der chinesische Präsident fährt schon seit Jahren eine Antikorruptionspolitik, aber seit Kurzem geht er damit in die Vollen und ordnet Verhaftungen von prominenten Parteifunktionären an, während er sein Haus von politischen Gegnern befreit.

Jinpings Bemühungen gegen Korruption lösten außerdem einen Drang zur Genügsamkeit aus. Wie die Washington Post im April berichtete, werden die Zeichen für Chinas Dekadenz immer geringer. Fünf-Sterne-Hotels haben sich freiwillig niedriger eingestuft, nachdem chinesische Beamte verprügelt worden waren, weil sie Banketts in den edelsten Etablissements abhielten. Die Verkaufszahlen der Luxuswaren von Prada, Louis Vuitton und Gucci sind rückläufig, genauso wie teure Spirituosen und Schweizer Uhren.

Und auch Haifischflossensuppe, die pro Schüssel schon mal über 75 Euro kosten kann, verkauft sich nicht mehr so gut.

Laut eines aktuellen Berichts von WildAid sind die Verkaufszahlen von Haifischflossen in China um 50 bis 70% zurückgegangen—drastisch, wie man es dreht und wendet. Viele der befragten Leute gaben an, dass Aufklärungskampagnen, die Angst vor gefälschten Flossen und der hohe Quecksilbergehalt ihre Entscheidung, kein Haifischfleisch mehr zu konsumieren, maßgeblich beeinflussten. Mehr als ein Viertel nannte jedoch das Haifischflossenverbot bei Staatsbanketts, das 2013 durchgesetzt wurde, als einer der Hauptmotivationsgründe. (China hat aber nicht das Finning verboten, die furchtbar grausame Methode, bei der die Flossen von lebenden Haien abgeschnitten und die Haie dann zurück ins Wasser geworfen werden, wo sie entweder verbluten oder ertrinken.)

Haifischflossensuppe ist—oder war zumindest—bei Hochzeiten und anderen großen Feierlichkeiten extrem beliebt, weil das Gericht schon seit Ewigkeiten ein Zeichen von Wohlstand ist. WildAid schätzt, dass jährlich ungefähr 100 Millionen Haie auf diese Weise getötet werden, von denen bis zu 73 Millionen für die Suppe verwendet werden. Das führte beinahe zum Untergang mancher Arten.

In Hong Kong, jahrzehntelang das Hauptquartier der Haifischflossen, sind die Exporte drastisch gesunken. WWF Hong Kong berichtete im April, dass der Verkauf an Festland-China um fast 90% im Vergleich zum Vorjahr zurückging, von 1,2 Millionen Kilo auf 113.973. (Vietnam, wo der Haifischflossenkonsum keine Tradition hat, ist jetzt Hong-Kongs größter Exportmarkt.) Ein Mitglied von WWF Hong Kong sagte der South China Morning Post, dass „die Antikorruptionsmaßnahmen der Regierung eine Rolle bei den hohen Exportverlusten spielen könnten."

Und das tun sie definitiv. Ein Großhändler in Guangzhao teilte WildAid mit, dass „die Preise gefallen sind, weil die Regierungssteuern nicht mehr dafür verwendet werden, Haifischflossen zu kaufen." Ein anderer sagte, er würde nur noch seinen Bestand verkaufen, statt neue Haie zu fangen, „weil Haifischflossen ein aussterbendes Gewerbe sind."

Das sollte jedoch die Rolle von Organisationen wie WildAid nicht schmälern, die die chinesische Öffentlichkeit und die Allgemeinheit auf die Überfischung und die grausamen Methoden aufmerksam gemacht haben. Die WildAid-Kampagne mit dem ehemaligen NBA-Basketballspieler Yao Ming war maßgeblich daran beteiligt, dass den Anti-Haifischflossen-Bestrebungen größere Aufmerksamkeit zuteil wurde und das Konsumenten für die Thematik sensibilisiert wurden.

Aber die Rolle der Regierung darf auch nicht unterschätzt werden. Im September behauptete Angelo Villagomez von Pew Charitable Trusts: „Das hat nichts mit Naturschutz zu tun. Es hängt mit dem harten Vorgehen der Regierung gegen Korruption zusammen, wodurch die Zahl der Abendessen, bei denen Haifischflossensuppe serviert wurde, zurückgegangen ist."

Vielleicht spielen die Gründe für den Rückgang des Haifischflossenkonsums keine so große Rolle, solange dadurch weniger Leute weniger Haie töten. In einer anderen Welt wäre die Regierung jedoch vielleicht soweit gegangen, dass sie das Fischen von gefährdeten Arten verboten oder zumindest den Schwachsinn des Finnings ein Ende gesetzt hätte.