Wie vier Partyveranstalter Döner Kebab nach Toronto brachten
Fotos von Becca Lemire.

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Döner

Wie vier Partyveranstalter Döner Kebab nach Toronto brachten

Über die Eröffnung von Otto’s Berlin Döner in Toronto waren die Technofans der Stadt mindestens so begeistert, wie über die besten DJ-Bookings des Sommers. Das winzige Restaurant ist Kanadas erster Dönerladen, der den Berlinfans beinahe das Gefühl gibt...
30.7.15

Nachtleben und Fast Food gehen auf der ganzen Welt Hand in Hand: Täglich schwirren hungrige Clubgänger durch die Straßen auf der Suche nach einem fettigen, befriedigenden Imbiss. In Berlin ist der Döner Kebab, der ursprünglich von einem türkischen Immigranten erfunden wurde, der beliebteste Snack, dicht gefolgt von der Currywurst. Döner hat jedoch höhere Verkaufszahlen als alles andere Fast Food zusammen und ein großer Teil davon wird nach Mitternacht konsumiert.

Deshalb war für manche kanadische Technofans die Aufregung um die Eröffnung von Otto's Berlin Döner in Toronto größer als um die besten Club-Line-ups des Sommers: Das winzige Restaurant ist Kanadas erstes Dönerlokal mit genug Fleisch am Spieß, Currywurst und Club Mate, dass Berlinfans glauben, in Kreuzberg aufgewacht zu sein.

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Otto's offizielle Eröffnung fand Ende Juli statt, aber Nancy Chen, Konrad Droeske, Thomas Masmejean und Matt Eckensweiler—das Team hinter Otto's—versprühten das Berlin-Feeling schon seit 2011 als Techno- und House-Promoter in Toronto. Sie ließen sich vom europäischen, und speziell vom Berliner, Partygeist inspirieren und buchten anfangs DJs in unkonventionellen Locations wie Kirchen oder Dim Sum-Restaurants, bevor sie Foundry, eine innovative Musik- und Kunstserie gründeten, für die Four Tet, DJ Harvey, Juan Atkins, Carl Craig und viele mehr innerhalb von nur zwei Jahren hinter dem DJ-Pult standen.

Wieso wird man vom erfolgreichen Partyveranstalter zum Gastronomen? „Es war eine natürliche Entwicklung", sagt Droeske über die Überlappung der Food- und Musikszene Torontos. Die gleichen städtischen Gesetze, die dem Nachtleben Grenzen setzen, machen es viel einfacher, ein Restaurant zu eröffnen als einen Club.

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„Wir bringen unser Netzwerk von Freunden mit, die wir bei den Partys kennengelernt haben", fügt Masmejean hinzu. „Viele in unseren Netzwerk kennen Döner aus Berlin."

Die Idee für das Konzept, den Berliner Döner nach Kanada zu bringen, hatten sie schon seit einer Weile, erzählt Chen: „Zwischen den Nächten in den Berliner Clubs aßen wir leckeren Döner und fragten uns, wieso es so etwas nicht in Toronto gibt." Als die perfekte Location im geschäftigen Kensington Market verfügbar wurde, konnten sie sich die Chance nicht entgehen lassen.

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„Anfangs wollten wir einen Dönerladen, wo man auch tanzen kann, eröffnen—das war unser Traum", verrät Masmejean. „Aber nachdem wir schon jahrelang nach so einer Location in Toronto gesucht hatten, gaben wir es auf. Wir hatten Probleme mit der Stadt und wir wollten nicht in den Entertainment District ausweichen. Das wäre die einzige Gegend gewesen, wo sie uns einen Club eröffnen lassen hätten. Wir fanden, die Döneridee war solide und wir wollten nicht mehr länger warten."

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„Anstatt darauf zu warten, bis sich die Gesetze der Stadt zu unseren Gunsten verändern, beschlossen wir, die Konzepte voneinander zu trennen", fügt Chen hinzu. „Das heiß nicht, dass es absolut kein Thema mehr ist, aber das hier ist momentan unser Fokus."

In Toronto gibt es zwar schon einige andere Variationen von Döner Kebab, aber was macht den perfekten Berliner Döner aus? „Im Grunde ist es das Brot", sagt Chen. Das Fladenbrot eines echten Berliner Döners wird wie ein Panini getoastet, damit es außen knusprig und innen fluffig ist.

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Masmejean und der Koch des Otto's, Steve Nguyen, reisten nach Berlin und Istanbul auf der Suche nach dem Know-How und den Rezepten, die man nur am Ursprung dieser Fast Food-Tradition findet.

Droeske erzählt, dass die Crew sich in allen Aspekten des Otto's um Authentizität bemühte—das Fladenbrot, die speziell für Otto's hergestellten Würste vom Olliffe Butcher Shop in Toronto sowie die Kräuterjoghurtsauce, hausgemachte Knoblauch-Aioli und das dünne, knusprige karamellisierte Fleisch vom Spieß. Otto's bietet außerdem eine Auswahl an in Kanada raren deutschen Bieren und kleine Details wie Döner-Papier und Currywurst-Bötchen an, die aus Deutschland importiert werden.

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Chen erzählt, dass sie bisher sehr positives Feedback von Deutschen bekommen haben. „Ich finde es super, wenn Deutsche hereinkommen und uns sagen, dass es ziemlich authentisch ist … obwohl wir uns auf jeden Fall unsere Freiheiten genommen haben, wie unsere eigene Sauce für die Currywurst herzustellen."

„Die Deutschen mögen unsere Currywurst-Sauce", kichert Droeske.

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Die Bierauswahl wurde ebenso sorgfältig getroffen, obwohl Prime Mate, ein Club Mate-ähnliches Getränk und eines der wenigen kanadischen Produkte auf der Karte, auch sehr beliebt ist.

Obwohl Berlin im Vordergrund steht, holt sich die Crew von Otto's ihre Inspiration von Lokalen auf der ganzen Welt: das Shake Shack in den USA, die Bao Bar in London, Bestie in Vancouver und Holybelly in Paris—Lokale, die etwas gemeinsam haben: das Gemeinschaftsgefühl. „Jeder hat Spaß, die Atmosphäre ist super und das Essen ist nicht überteuert."

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Unerwarteterweise ist es die Installation in den Toiletten, die ein großer Teil der Begeisterung rund um das Otto's ausmacht. In jeder Kabine verleiten ein roter und ein blauer Knopf zum Drücken. (Keine Sorge, wir verraten euch nicht, was passiert.)

Chen erzählt, dass die Kunstinstallationen an erster Stelle standen, und das hat sich ausgezahlt: „Ich finde es toll, wenn ich die Reaktionen der verschiedensten Leute online lese", lacht Chen. „Toiletten des Jahres—das gefällt mir."