
Lee Cronin: OK, ich versuch’s. Stell dir folgendes vor: 1.) du suchst eine Online-Apotheke auf; 2.) du suchst dir aus, was du brauchst (mit einem Rezept); 3.) du kaufst dir den chemischen Bauplan und die Tinte; 4.) die „Tinte“ wird in einer versiegelten Sicherheitsbox geliefert; 5.) du druckst die Pille mit der Spezialtinte und der Software; 6.) du nimmst sie ein. Was bringt das Ganze?
Na ja, es ist gut, weil die Medizin damit ein weiteres Anwendungsfeld findet und nun ist die Software das Wertvolle und nicht die Chemikalie. Es kann nicht länger gefälschte Medizin geben und personalisierte Medikamente werden auch möglich.
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Das kann ich dir nicht sagen, aber du wirst bestimmt bald was hören. *trauriges Gesicht*
OK, ich kann dir einen winzigen Hinweise geben. Stell dir vor, ich hätte eine neue Medikamenten-Entdeckungsplattform, die alle gerade genannte Eigenschaften kombiniert. Stell dir vor, ich hätte dein Genom usw. Die 3D-Drucker und der Chemiebaukasten müssten zunächst weitläufig verfügbar sein, ähnlich wie Smartphones heute, aber das wird passieren. Es wird eine Revolution geben … Das glaube ich auch. Wir werden alle bald 3D-Drucker zu Hause haben.
Und der Schlüssel ist persönliche Chemie … Die Leute hätten also tatsächlich maßgeschneiderte, an ihre DNA angepasste Medizin?
Nein, nicht nur das! Ich kombiniere Natur und Ernährung.

Na ja, ich entwickle eine biologische Zeitmaschine, die herausfinden kann, welche Krankheiten du wegen den Faktoren Natur und Ernährung bekommen wirst – und dann erstelle ich die Medizin, um das zu heilen. Du wirst dir also das biologische Make-up und das Leben, in das Menschen geboren werden ansehen und die Wahrscheinlichkeit beurteilen, dass sie eine bestimmte Krankheit entwickeln werden?
In gewisser Weise ja. Glaubst du, dass Menschen mit diesen Fortschritten ewig leben können?
Nein. Es gibt ein Limit. Aber das ist auch nicht mein Ziel. Ich will Menschen gesund halten, solange wie möglich. Ich schätze, das wird positive Auswirkungen auf ärmere Länder haben, wenn Medizin billiger und zugänglicher ist.
Ja klar.
Kannst du dir vorstellen, dass es auch im Bereich der Pharmazie eine „Maker Industry“ geben wird, wie bereits in anderen Bereichen des 3D-Drucks? Amateurchemiker, die mit Designerdrogen oder verschreibungspflichtigen Medikamenten experimentieren? Ja, es ist wie bei ARM-Technologien. In der Zukunft werden wir keine Medizin verkaufen, sondern chemische Baupläne und Apps. Diese Apps können vorher im Labor getestet und überprüft werden, bevor sie verkauft werden.
Aber wie kann Missbrauch vorgebeugt werden? Z.B. Drogendealer, die ihre Drogen dann einfach selbst herstellen? Oder einfach nur neugierige Chemiker, die Freizeitdrogen für ihre Freunde herstellen?
Na ja, das wäre wohl nicht so verbreitet. Aber die Debatte wird man später führen müssen. Eine Möglichkeit wäre, die Drucker von nicht-autorisierten Apps zu schützen wie Apple das beim iPhone macht.

Ja, aber sie können auch in Chemielabore einbrechen und ihre eigenen Sachen herstellen. Sicherlich, Leute können illegale Drogen jetzt auch schon herstellen, aber würde die 3D-Technologie das nicht einfacher und zugänglicher machen, weil du eben nicht länger ein Labor brauchst?
Nein, das stimmt nicht, weil wir einfach nur „Tinte“ und verschlüsselte Software verkaufen würden. Du aber sprichst von ethisch hochkomplexen Problemen, die auch mit Regulierung und persönlicher Freiheit zusammenhängen. Aber wir könnten sicherstellen, dass die Tinte so simpel ist, dass jeder Versuch sie zu splitten und neu zu verbinden nicht funktionieren würden. Außerdem würden wir so geringe Mengen herstellen und verkaufen, dass es für nichts anderes benutzbar wäre. Wie lange glaubst du wird es dauern, bis wir diese Technologie zu Hause haben? Ein paar Jahre? Jahrzehnte?
Vielleicht zehn oder fünfzehn Jahre. Vielleicht auch nur fünf bis zehn. Geil. Danke, Lee.