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Tech

In der Zukunft ist dein Dealer ein Drucker

Professor Lee Cronin arbeitet daran, dass man sich seine Drogen bald herunterladen kann.
4.7.12

Drogen aufzutreiben ist eine der anstrengendsten Dinge im Leben. Entweder kennt irgendein Freund irgendjemand, der in einem heruntergekommenen Haus voll mit Leuten haust, die die Zähne ihrer Hunde an Schaukeln schärfen. Oder du holst dir deinen Stoff von irgendeinem dahergelaufenen Kerl im Club, dessen ganzer Körper nur Ereignishorizont für seine gigantischen Pupillen ist. Aber mach dir keine Sorgen, es wird nicht immer so sein. Wissenschaftler arbeiten schon an einer Lösung. Die Lösung heißt 3D-Drucker. Anstatt also in die böse Welt da draußen gehen zu müssen, um dir Drogen zu besorgen, wirst du dir maßgeschneiderte Drogen ganz nach deinen Wünschen gleich zu Hause in deinem Schlafzimmer drucken können. Umgeben von leeren Pizzakartons und einer Katze, die für immer stoned sein wird; denn wir alle wissen, Katzen können THC nicht abbauen. Du wirst keine Drogen mehr kaufen müssen, sondern einfach Apps runterladen. Diese Apps werden dir Zugang zu den chemischen Verbindungen geben, die du brauchst. Und du wirst dir nicht mal Sorgen über die Legalität der Drogen machen müssen, denn es wird keine Betäubungsmittelgesetze mehr geben. Drogen werden nämlich so maßgeschneidert sein, dass der Staat gar nicht hinterherkommt, sie zu verbieten und einfach anfangen wird, sie selbst zu verkaufen. Der heutige Drogenmarkt, wegen dem Kriege geführt und Milliarden illegal verschoben werden, wird der Vergangenheit angehören. Mit 3D-gedruckten Drogen betreten wir eine schöne neue Welt, wo Drogen nehmen so legal ist wie Kaffee trinken. Das ist in Ordnung, so lange wir nicht von etwas abhängig werden, was uns dazu treibt, gegenseitig unsere Gesichter zu essen, weil der Tandem-Effekt uns glauben macht, wir seien die Sonne. Das Beste an 3D-Drogen aber wird sein, dass Leute sich die Medizin holen können, die sie brauchen und die genau auf sie zugeschnitten ist, um Krankheiten zu heilen, die heute noch unheilbar sind. Stammst du aus einer Familie, in der viele empfänglich für eine zerstörerische Krankheit sind? Dann nimmst du dagegen Medizin von Geburt an. Heuschnupfen? Warum nimmst du dann nicht eine maßgeschneiderte Pille, die aus heimischen Honig synthetisiert wird, du Versager? Außerdem werden wir die korrupten Pharmakonzerne auseinandernehmen und gute neuen Pillen direkt vertreiben können. Ich habe mit Professor Lee Cronin geskypt, einem der Wissenschaftlern hinter der neuen Technologie an der Glasgow University, um rauszufinden, was es mit diesem krank klingenden 3D-Drucker auf sich hat. VICE: Hi Lee. Könntest du zuerst beschreiben, wie das 3D-Drucken einer Pille funktioniert. Die kannst du nicht einfach ausdrucken, oder?
Lee Cronin: OK, ich versuch’s. Stell dir folgendes vor: 1.) du suchst eine Online-Apotheke auf; 2.) du suchst dir aus, was du brauchst (mit einem Rezept); 3.) du kaufst dir den chemischen Bauplan und die Tinte; 4.) die „Tinte“ wird in einer versiegelten Sicherheitsbox geliefert; 5.) du druckst die Pille mit der Spezialtinte und der Software; 6.) du nimmst sie ein. Was bringt das Ganze?
Na ja, es ist gut, weil die Medizin damit ein weiteres Anwendungsfeld findet und nun ist die Software das Wertvolle und nicht die Chemikalie. Es kann nicht länger gefälschte Medizin geben und personalisierte Medikamente werden auch möglich.

Lee Cronin in seinem Labor. Wie würden personenbezogene Medikamente funktionieren?
Das kann ich dir nicht sagen, aber du wirst bestimmt bald was hören. *trauriges Gesicht*
OK, ich kann dir einen winzigen Hinweise geben. Stell dir vor, ich hätte eine neue Medikamenten-Entdeckungsplattform, die alle gerade genannte Eigenschaften kombiniert. Stell dir vor, ich hätte dein Genom usw. Die 3D-Drucker und der Chemiebaukasten müssten zunächst weitläufig verfügbar sein, ähnlich wie Smartphones heute, aber das wird passieren. Es wird eine Revolution geben … Das glaube ich auch. Wir werden alle bald 3D-Drucker zu Hause haben.
Und der Schlüssel ist persönliche Chemie … Die Leute hätten also tatsächlich maßgeschneiderte, an ihre DNA angepasste Medizin?
Nein, nicht nur das! Ich kombiniere Natur und Ernährung.

Kannst du das ein bisschen weiter ausführen?
Na ja, ich entwickle eine biologische Zeitmaschine, die herausfinden kann, welche Krankheiten du wegen den Faktoren Natur und Ernährung bekommen wirst – und dann erstelle ich die Medizin, um das zu heilen. Du wirst dir also das biologische Make-up und das Leben, in das Menschen geboren werden ansehen und die Wahrscheinlichkeit beurteilen, dass sie eine bestimmte Krankheit entwickeln werden?
In gewisser Weise ja. Glaubst du, dass Menschen mit diesen Fortschritten ewig leben können?
Nein. Es gibt ein Limit. Aber das ist auch nicht mein Ziel. Ich will Menschen gesund halten, solange wie möglich. Ich schätze, das wird positive Auswirkungen auf ärmere Länder haben, wenn Medizin billiger und zugänglicher ist.
Ja klar.
Kannst du dir vorstellen, dass es auch im Bereich der Pharmazie eine „Maker Industry“ geben wird, wie bereits in anderen Bereichen des 3D-Drucks? Amateurchemiker, die mit Designerdrogen oder verschreibungspflichtigen Medikamenten experimentieren? Ja, es ist wie bei ARM-Technologien. In der Zukunft werden wir keine Medizin verkaufen, sondern chemische Baupläne und Apps. Diese Apps können vorher im Labor getestet und überprüft werden, bevor sie verkauft werden.
Aber wie kann Missbrauch vorgebeugt werden? Z.B. Drogendealer, die ihre Drogen dann einfach selbst herstellen? Oder einfach nur neugierige Chemiker, die Freizeitdrogen für ihre Freunde herstellen?
Na ja, das wäre wohl nicht so verbreitet. Aber die Debatte wird man später führen müssen. Eine Möglichkeit wäre, die Drucker von nicht-autorisierten Apps zu schützen wie Apple das beim iPhone macht.

Das iPhone kannst du aber jailbreaken und es wird immer Leute geben, die hacken.
Ja, aber sie können auch in Chemielabore einbrechen und ihre eigenen Sachen herstellen. Sicherlich, Leute können illegale Drogen jetzt auch schon herstellen, aber würde die 3D-Technologie das nicht einfacher und zugänglicher machen, weil du eben nicht länger ein Labor brauchst?
Nein, das stimmt nicht, weil wir einfach nur „Tinte“ und verschlüsselte Software verkaufen würden. Du aber sprichst von ethisch hochkomplexen Problemen, die auch mit Regulierung und persönlicher Freiheit zusammenhängen. Aber wir könnten sicherstellen, dass die Tinte so simpel ist, dass jeder Versuch sie zu splitten und neu zu verbinden nicht funktionieren würden. Außerdem würden wir so geringe Mengen herstellen und verkaufen, dass es für nichts anderes benutzbar wäre. Wie lange glaubst du wird es dauern, bis wir diese Technologie zu Hause haben? Ein paar Jahre? Jahrzehnte?
Vielleicht zehn oder fünfzehn Jahre. Vielleicht auch nur fünf bis zehn. Geil. Danke, Lee.