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Das große Wahljahr in Afrika

Ganz Afrika wählt in diesem Jahr. Ist das vielleicht die Chance für unseren Bundespräsidenten a.D.?

Seien wir doch mal ehrlich, es gibt ständig irgendwelche Wahlen in Afrika. Wir reden hier von einem verdammtem Kontinenten. Aber vertraut mir, wenn ich sage: 2012 wird ein wichtiges Jahr für afrikanische Politik. Vielleicht wollte ihr nicht auf mich hören, vielleicht gehört ihr zu diesen Skeptikern, die nicht alles aus der afrikanischen Gerüchteküche glauben, was man täglich zu hören bekommt. Aber mal ehrlich, 2012 könnte noch katastrophaler für die Wiege der Menschheit ausfallen, als die letztjährigen Wahlen, deren Nachwehen wir gerade erleben: in Nigeria kam es zum Aufstieg der mordlustigen, islamistischen Boko Haram-Miliz, während es in der Demokratischen Republik Kongo immer noch brodelt, nachdem der korrupte Joseph Kabila wiedergewählt wurde. Alle politischen Zeichen stehen in diesen Ländern also auf Hoffnungslosigkeit, aber lasst uns mal kurz unsere Aufmerksamkeit auf Orte richten, an denen es noch viel schlimmer kommen könnte.

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Senegal Abdoulaye Wade mit Akon Die Wahlen: Präsidentschaftswahlen stehen im Februar an. Vormals ein leuchtendes Beispiel für eine islamisch, afrikanische Demokratie mit freien Wahlen, ist Senegal dabei, von Tag zu Tag instabiler zu werden. Ähnlich wie deine frühere Lieblingstante, die auf der Hochzeit ihres Ex-Mannes betrunken auf deine Kumpels zusteuert. Die Rivalen: Abdoulaye Wade, Amtsinhaber, Freimaurer und Erbauer mehrerer, fast fünfzig Meter hohen Statuen seiner selbst, rechnete mit einem klaren Sieg. Dieser Traum zerplatzte als der international erfolgreiche Sänger und gechillte Sufi-Moslem Youssou N’Dour alle erstmal bat, sich sieben Sekunden zur Beruhigung zu nehmen und sich gegenseitig zu lieben. Bei N’Dour sieht es nicht so aus, als ob er gewinnen würde, aber der glaubwürdigere Oppositionskandidat Macky Sall könnte Wade dazu zwingen, seine Sachen zu packen. Gute Nachrichten für die Statuen-Industrie.

Südafrika Zuma, Sexwale und Motlanthe in friedlicheren Zeiten Die Wahlen: Die führende Partei ANC führt im Dezember interne Wahlen durch, um zu bestimmen wer Präsidentschaftskandidat für 2014 wird. Der Tatsache geschuldet, dass es keine ernsthafte Opposition gibt, wird der Gewinner wohl der nächste Präsident sein. Innere Streitigkeiten halten den ANC davon ab, bis dahin irgendetwas Sinnvolles zu unternehmen. Also bereitet euch auf elf Monate Nichtstun der Regierung vor. Die Rivalen: Der derzeitige Amtsinhaber und Polygamist Jacob Zuma ist wahrscheinlich ein Vergewaltiger und hasst die Informationsfreiheit. Wenn man sich seine Herausforderer anschaut, wird sich das wohl auch nicht ändern. Auf der einen Seite Vize-Präsident Kgalema Motlanthe, mit einem wirklich schwer auszusprechenden Namen. Auf der anderen Tokyo Sexwale — ehemaliger Gastgeber der afrikanischen Version von The Apprentice — der dafür kritisiert wird zu unentschlossen zu sein. (Entgegen dem klassischen „Du bist gefeuert!“, sagte er in der Sendung halbherzig „Du darfst nach Hause gehen.“) Wenn man Zumas Vorliebe für schmutzige Tricks bedenkt, haben sich seine Mitbewerber wahrscheinlich bereits dafür entschieden, dass es nicht den Ärger wert ist. Obwohl die wachsende Debatte über die Verstaatlichung der Industrie, den Präsidenten über die Gewerkschaftsbewegung und die Jugendorganisation stolpern lassen könnte. Das sowas zu Problemen führen kann, haben mittlerweile gestürzte Regierungsvertreter und Despoten in Griechenland, Ägypten und Libyen schon schmerzhaft erfahren müssen.

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Ägypten Alle Wahlen sollten wie in Ägypten ablaufen Die Wahlen: …könnten ausfallen. Die vor kurzem abgehaltenen Parlamentswahlen haben die Muslimbruderschaft und alle die mit ihr verbunden sind, in eine gute Position manövriert. Der Militärrat hat angekündigt, dass Präsidentschaftswahlen noch vor Juni diesen Jahres stattfinden sollen. Aber hinter vorgehaltener Hand sagen sie, dass sie es gerne noch für zwei weitere Jahre hinauszögern würden. Die Sphinx sollte also lieber noch ein bisschen warten, bis sie sich wieder auf ihr kleines Podest setzt, denn hier fühlt sich gerade einiges nach dem guten alten Mumbarak-Stil an. Die Rivalen: Eine Person, die kein Interesse angemeldet hat sich zur Wahl zu stellen, ist der Träger des Friedensnobelpreises und der Grund dafür, dass westliche Intellektuelle einen Ständer bekommen. Mohamed el-Baradei hat ganz richtig festgestellt, dass das Militär-Regime noch immer herrscht, als wäre nichts passiert. Es gibt derzeit vier Kandidaten, verteilt über das ganze politische Spektrum. Aber die Muslimbruderschaft bleibt bei ihrer Ansage, selbst keinen Mann (und es wäre mit Sicherheit ein Mann) ins Rennen zu schicken. Liberale Köpfe weltweit fürchten sich vor der militant-islamistischen Achse des Bösen. Ich kann kaum erwarten, was passiert! Gambia President Jammeh mit den Obamas Die Wahlen: Präsidentschaftswahlen im letzten Jahr brachten die Ein-Mann-Katastrophe mit Liebe für Deko-Hörner, Yahya Jammeh an die Macht. Diese Macht soll in den Parlamentswahlen im März bestätigt werden. Der Commonwealth und Amerika machten beim letzten Mal im Vorfeld Lärm, aber als es ernst wurde, haben sie die Schwänze eingezogen. Mit etwas ähnlichem könnt ihr auch diesmal rechnen. Die Rivalen: Der zuvor erwähnte Sheikh-Professor Jammeh sagte, dass, wenn Gott will, er für „eine Milliarde Jahre regieren“ wird. Nach den Wahlen im letzten Jahr sagte er zu Leuten, die ihn für Einschüchterungstaktiken kritisierten und des Betruges bezichtigten: „Fahrt zur Hölle.“ Und Gott muss auf seiner Seite sein, weil er sein Land immer noch immer vollständig kontrolliert und über die Enthauptung von Schwulen reden kann, als wäre es eine Einweihungsfeier für einen Park.

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Zimbabwe Mugabe und Tsvangirai Die Wahlen: Robert Mugabes ZANU-PF und Morgan Tsvangirais MDC Partei behaupten eine Wahl zu wollen. Wie zwei Typen, die Angst vor der Konfrontation haben, werfen sie ihre Fäuste in die Luft und beschuldigen sich gegenseitig, dem Kampf aus dem Weg zu gehen. Das könnte echt das ganze Jahr so weiter gehen, wenn man bedenkt, dass es derzeit keine Verfassung gibt, die Rahmenbedingungen für die Wahlen vorschreibt. Keiner hält sich für fähig, sich darum zu kümmern, ohne von einem Mob gelyncht zu werden. Ohne diese Rahmenbedingungen würden sich die schrecklichen Gewalttaten von 2008 wahrscheinlich wiederholen. Dennoch kehrte Mugabe, das alte Krokodil, von seinem jährlichen Urlaub in Südostasien zurück und spricht darüber, die Wahlen in den nächsten Monaten zu erzwingen. Die Rivalen: Mugabe und Tsvangirai, wie das sprichwörtliche alte Ehepaar! Einer ist ein verrückter alter Diktator, der sich für regionale Massaker interessiert und der es hasst, wenn ihm widersprochen wird. Der andere ist verwitwet, entkommt gerne Attentatsversuchen und hasst es an Wahlen teilzunehmen, die vollkommen manipuliert sind. Der Zeitpunkt ist kritisch für Mugabe, der bald 88 wird und dringend wiedergewählt werden muss, um einen Nachfolger zu etablieren. Seine PR-Leute haben Angst, dass Mugabe immer unbeliebter wird („Wie ist sowas bitte möglich?“, fragst du dich wahrscheinlich). Egal wie es läuft, er ist am Ende seiner Karriere.

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Kenia Kingwa Kamencu Die Wahlen: Präsidentschaftswahlen finden entweder im August oder Dezember statt. Die Anklage von zwei potentiellen Kandidaten durch die ICC, William Ruto und Uhuru Kenyatta und zwei weiteren Mitgliedern der kenianischen Politik-Elite hat die Karten neu gemischt. Überrascht durch die Entscheidung der ICC werden Fronten neu gezogen und es könnte sein, dass liberale Aktivisten und alte Reformer mitmischen wollen. Die Rivalen: Premierminister Raila Odinga und Vize-Präsident Stephen Musyoka sind die bekanntesten Kandidaten. Beide sprechen davon, die Stämme zu einer Nation zu einen, während sie gleichzeitig erschreckend blauäugig für die echten Probleme der Wählerschaft sind. Die Quereinsteigerin Kingwa Kamencu, oft als „Absolventin der Nairobi Universität“ beschrieben, ist die bevorzugte Kandidatin westlicher Liberaler, weil sie was im Guardian veröffentlicht hat. Mit dieser ganzen Scheiße ist ein Wiederaufflammen der Gewalt von vor ein paar Jahren nicht auszuschließen. So, das ist es also. Wahlen finden außerdem noch in Burkina Faso, Kamerun und Sierra Leone statt, aber das kannst du selbst nachlesen. Wahlen in Libyen sind zu erwarten, aber das ist schon wieder eine ganz andere Geschichte, auf die ich heute keine Lust mehr habe.

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