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The World Hates You Issue

Jetzt kommt die White-Power-Studentenpatrouille

Weil Matthew ein relativ unbeholfener und uncooler Typ ist, der nach Aufmerksamkeit lechzt, schießt er sich auf Rassenfeindlichkeit ein und patrouilliert nachts auf den Straßen, um sich und seine Freunde gegen „schwarze Räuber“ zu schützen. Der Rassist...
7.6.13

Mitglieder der White Student Union (sie beteiligten sich unter der Bedingung, dass wir nur ihre Vornamen nennen), von links nach rechts: Sean, Ken, Paddy, Matthew Heimbach, Addie und Shayne.

Matthew Heimbach besteht darauf, kein Rassist zu sein. Das überrascht seine Kommilitonen an der Towson University, am Stadtrand von Baltimore, wo Matthew eine Gruppe namens White Student Union gegründet hat. Sie soll „Menschen europäischer Herkunft“ vertreten—die meisten von uns würden einfach „Weiße“ sagen. Überrascht sind auch die afroamerikanischen Studenten. Sie fühlen sich als Zielscheibe der nächtlichen Patrouillen, mit denen der Geschichtsstudent im März begonnen hat. Die Patrouillen richten sich gegen vermeintliche „schwarze Räuber“, wie Matthew sie auf der WSU-Website bezeichnet. Unter anderem bezieht er sich auf einen Fall, in dem ein Afroamerikaner sowohl ein blankes Messer als auch seinen blanken Penis auf ein Pärchen richtete, das in einem Parkhaus kopulierte. „Weiße Südstaaten-Männer“, schreibt er, „sind seit Langem dazu aufgerufen, ihre Mitbürger zu verteidigen, wenn Staat und Ordnungskräfte nicht bereit sind, das Volk zu schützen.“ Matthews Behauptung, er sei kein Rassist, kommt auch für Duane Davis überraschend. „Du bist ein fettes, kleines, rassistisches Aas“, sagt der rauflustige Mann mit den Dreadlocks an einem sonnigen Dienstag im April zu Matthew. Die Student Government Association und die Black Student Union haben eine Kundgebung organisiert. Auf der Wiese hinter Duane und Matthew stehen ungefähr 100 Studenten und protestierten mit einem Unity Poetry Slam per Mikrofon gegen die White Student Union. Als Matthew sich am Rande der Menschenmenge blicken lässt, tritt ihm ein Dutzend Demonstranten entgegen. An der Fassade eines Parkhauses wird ein Transparent entrollt: „WSU GTFO“—„White Student Union Get the Fuck Out“. Matthew sieht aus wie einer, der sein Leben lang gemobbt wurde: Er streckt die Brust raus, um seinen mächtigen Bauch zu kaschieren, trägt eine unmoderne Brille aus dem Drugstore und hat etwas an, das vage an ein Morrissey-T-Shirt erinnert. „Wer ist das da auf deinem Shirt?“, fragt Duane und bohrt Matthew einen Finger in die Brust. „Ian Smith“, sagt Matthew und rattert den Lebenslauf des ehemaligen Premierministers von Rhodesien (heute Simbabwe) herunter. Ein Rassist, der sich in den 60ern gegen das Ende der weißen Vorherrschaft stemmte. „Das ist einer meiner Helden.“ Eine grazile Frau im afrikanischen Kaftan unterbricht ihn. „Wenn du eine Herztransplantation bräuchtest“, fragt sie, „würdest du dann das Herz eines Schwarzen akzeptieren?“ Matthew schweigt und lächelt unbeholfen. Über das Mikrofon hört man den Text von John Lennons „Give Peace a Chance”. „Der braucht kein schwarzes Herz mehr“, sagt Duane. „Das hat er schon längst.“

Bei einer „Kundgebung der Einigkeit“ auf dem Campus von Towsden richten die Demonstranten klare Worte an Matthew & Co: „White Student Union, Get The Fuck Out.“ Foto: Iram Nayati

Seit Einführung der nächtlichen Patrouillen ist Matthew auf dem Campus offiziell das käsige Gesicht des Hasses. Er weiß, wie man die Medien umgarnt—die Fülle der Beiträge über ihn auf CNN und CBS, bei Thom Hartmann und in beinahe allen Newsblogs beweist das. Wenn mal also nach Maryland fährt, um mit ihm und seinen zwielichtigen „Kameraden“ abzuhängen, wie wir das kürzlich getan haben, dann geht man das Risiko ein, ihm genau das zu geben, was er noch dringender will als sein eigenes Rhodesien: Aufmerksamkeit. Doch die bisherigen Berichte haben den Studenten eher als ekliges Kuriosum behandelt und nicht als das, was er möglicherweise ist—die Zukunft des organisierten Rassismus in Amerika. Und so dachten wir: Scheiß drauf, jetzt interviewen wir ihn. „Ich hasse Hitler“, erzählt Matthew mir in seiner Wohnung, in einem afroamerikanischen Viertel von Baltimore, ungefähr 25 Kilometer vom Towson-Campus entfernt. Er sagt, es ärgere ihn, dass er als „Rassist“ und „Rechtsextremer“ eingestuft werde, und er verachtet den Ku-Klux-Klan genauso wie Neonazi-Organisationen. „Das sind bloß minderbemittelte Schlägertypen, die ihr Selbstwertgefühl steigern wollen. Die sind peinlich.“ Matthew trinkt Kaffee aus einem Becher, auf dem die Südstaaten-Flagge prangt, und erklärt mir, dass er Teil einer Bewegung von „Rassenrealisten“ sei, die ihre brennenden Kreuze gegen Doktortitel und Tweedjacken eingetauscht haben. Sie setzen verschiedene Ideologien in Umlauf; die populärsten davon sind „Identitarismus“ und „Rassenrealismus“—austauschbare Etiketten für die Ansicht, dass die weiße Hautfarbe ein Grund zum Feiern sei, genau wie die schwarze oder jede andere Identität. „Wir stehen für die echte Liebe zu unserem Volk“, sagt Matthew zu mir, „aber auch für den Respekt gegenüber allen anderen … Das ist der große Unterschied [zwischen ihnen und Gruppen wie dem Ku-Klux-Klan]. Mit Liebe kommt man viel weiter als mit rassistischen Beschimpfungen via Megafon.“ Matthew zufolge lehnen Identitarismus und Rassenrealismus die White-Power-Bewegung ab, unterstützen jedoch White Pride, bedingt durch die Annahme, dass jede Bevölkerungsgruppe das Recht habe, stolz zu sein. Matthew gründete seine erste White Student Union auf der Highschool, in der Kleinstadt Poolesville in Maryland, als die Schule begann, sich um Integration zu bemühen. „Vorher gab es da ungefähr drei schwarze Kinder“, sagt er. Aber erst Jahre später trat die Gruppe ernsthaft in Erscheinung, als Matthew im August 2012 Sympathisanten in Towson zusammentrommelte und einen konservativen Professor als Berater anwarb. Zunächst blieb alles weitgehend unbeachtet, bis eines der Mitglieder, Scott Terry (der nicht in Towson studiert), im März bei der Conservative Political Action Conference teilnahm und landesweit im Fernsehen zu sehen war. Im Gespräch mit K. Carl Smith, dem farbigen Gründer der Frederick Douglass Republicans, sagte Scott, der Sklave Frederick Douglass hätte seinem Herrn „für Kost und Logis danken sollen“. Jon Stewart zeigte den Ausschnitt in der Daily Show und zog über Scott her. Der Berater zog seine Unterstützung zurück, und die Universität lehnte die offizielle Anerkennung der Gruppe ab, was allerdings dazu führte, dass sie mehr Zulauf bekam; Matthew zufolge hat sie inzwischen 50 Mitglieder. Er hat auch die Gründung ähnlicher Gruppen an anderen Hochschulen vorangetrieben, zuletzt an der Indiana University in Bloomington. (Antirassistische Aktivisten haben dieses Kapitel jedoch inzwischen wieder beendet.) Als ich Matthew frage, was er von Obamas Präsidentschaft hält, antwortet er: „Ich bin kein Fan von ihm, aber nicht etwa, weil er Afroamerikaner ist.“ Er erklärt mir, dass beide Wahlsiege Obamas die schwindende Macht der weißen, männlichen Wähler in Amerika verdeutlichen würden. Matthew weist auf die Prognose des US Census Bureau hin, laut der die Weißen im Jahr 2040 nicht mehr die absolute Mehrheit stellen werden (auch wenn sie weiterhin die größte Bevölkerungsgruppe bleiben). Mitt Romneys Niederlage bei der Präsidentschaftswahl 2012 aufgrund des demografischen Wandels im ganzen Land habe gezeigt, „dass wir schon jetzt nicht mehr in der Lage sind, einen Präsidenten zu wählen. Mitt Romney bekam 60 Prozent der weißen Stimmen. Vor zehn Jahren wäre man mit 60 Prozent der weißen Stimmen Präsident geworden. Jetzt reicht das nicht mehr aus. Der demografische Wandel macht uns also klar, dass wir auf nationaler Ebene nicht mal mehr in der Lage sind, für unsere Interessen einzutreten.“ Es versteht sich von selbst, dass die nichtweißen Amerikaner in seiner Definition von „wir“ und „uns“ keinen Platz haben. Laut Mark Potok, dem Direktor des Southern Poverty Law Center, führt diese Stimmung in letzter Zeit zu einem Anstieg der rechtsextremen Aktivitäten: Seit 2008 hat die Anzahl der „patriotischen Gruppen“, wie er sie bezeichnet, um 800 Prozent zugenommen, und viele dieser Gruppen haben sich gegen die Staatsgewalt bewaffnet. Die Zahl der hate groups hat sich verdoppelt. Mark nennt Obamas Präsidentschaft und den Konjunkturrückgang als Gründe. „Es geht darum, aus der Unzufriedenheit Kapital zu schlagen“, erklärte er mir. „Heimbach verpackt seine Politik in einer schwammigen, christlich angehauchten Sprache, mit der die rassistische Botschaft jungen, benachteiligten, ahnungslosen Weißen schmackhaft gemacht werden soll.“ Das Southern Poverty Law Center hat Matthew vor Kurzem in seine jährliche „Hatewatch“-Liste aufgenommen.

Matthew Heimbach und Duane Davis diskutieren während der Kundgebung. Foto: Iram Nayati

A m Wochenende nach meinem ersten Besuch in Towson findet am Stadtrand von Nashville, Tennessee, eine Konferenz der American Renaissance statt, bei der die weiße Opferrolle im Fokus steht und die immer jüngere Anhängerschaft der Bewegung deutlich zu sehen ist. Die American Renaissance wurde 1990 von Jared Taylor gegründet, einem Yale-Absolventen, der in Harvard Japanisch gelehrt hat und der auch die weiße separatistische Organisation New Century Foundation leitet. Jared liefert mit seinen Büchern, die vor dubiosen Statistiken nur so strotzen, einen Großteil des intellektuellen Überbaus für die Identitarismus- und Rassenrealismus-Bewegung. Er behauptet, Schwarze seien weniger intelligent als Weiße und würden eher zu Straftaten neigen. Allerdings verweigert er Neonazis und Holocaustleugnern den Eintritt in seine Gruppe. Er ist pro Israel und feiert Japan (wo er geboren wurde) als Erfolgsbeispiel einer ethnisch homogenen Nation, denn er hält die Japaner für „höher entwickelt“ als die Weißen—sowohl genetisch als auch sozial. Doch Jared, der ein wenig Ähnlichkeit mit Ted Danson hat und ein Fan von geckenhaften Sakkos und Kragenhemden ist, legt auf der Konferenz seinen geschliffenen Tonfall ab und verbreitet eine ziemlich aufrührerische Botschaft: „Wir wollen eine Heimat, in der wir in der Überzahl sind“, sagt er. „Unsere Regierung besteht aus Verrätern … Weiße Menschen, die nach einer Heimat verlangen, werden als Hassprediger bezeichnet.“ Matthew ist mit dem Flugzeug aus Baltimore angereist, um an der Konferenz teilzunehmen. Er steht auf und stellt eine Frage: „Die Regierung in Washington wird den Genozid an unserem Volk weiter vorantreiben“, sagt er. „Wohin sollen wir gehen? Wie gründen wir am besten unser Heimatland?“ „Das regelt sich auf natürlichem Wege von selbst“, erwidert Jared. „Die weiße Wut kann sich an Orten Bahn brechen, von denen wir noch nie gehört haben.“ Eine Woche später gehe ich mit der White Student Union auf nächtliche Patrouille. „Heute ist der Jahrestag des Attentats auf Lincoln“, sagt Matthew vergnügt zu den fünf WSU-Mitgliedern, die sich eingefunden haben. Bisher hatte kein Journalist die anderen Angehörigen der Gruppe zu sehen bekommen, und nach der wiederholten Absage unserer gemeinsamen Patrouille hatte ich mich schon gefragt, ob sie überhaupt existieren. Doch hier sind sie nun. „Eine Runde Applaus für den Mord an Lincoln“, sagt Matthew zur Einstimmung seiner Bürgerwehr, bevor sich die Gruppe auf den Weg über den mit Efeu bewachsenen Campus macht. Zu dem Trupp gehören ein junger Skinhead namens Paddy und seine Verlobte Addie, die der Bewegung nach eigener Auskunft gerne „ein weibliches Gesicht gibt“. Und dann ist da noch Ken, ein Mittvierziger, der extra aus Delaware angereist ist, um Towson nach renitenten „schwarzen Kriminellen“ zu durchkämmen. Die Patrouille wird komplettiert durch Sean, der die ganze Nacht kaum ein Wort mit mir spricht, und Shayne, der sich als „Cowboy“ bezeichnet. (Als ich später bei einer Uni-Mitarbeiterin nach der Immatrikulation der WSU-Mitglieder frage, behauptet sie seltsamerweise, dass außer Matthew kein einziger von ihnen in Towson eingeschrieben sei. Allerdings lässt sich das nicht überprüfen, und es könnte sein, dass die Universität sich einfach nur von der Gruppe distanzieren will.) Die Streifengänger sind mit Pfefferspray und Taschenlampen bewaffnet. Ich stelle die naheliegendste Frage: Welche Art von Verbrechen haben sie auf ihren Patrouillengängen schon verhindert? „Das Schlimmste“, erzählt Matthew, „waren bisher ein paar Partygirls, die in Ohnmacht fielen, weil sie zu viel getrunken hatten. Wir haben sie ins Taxi gesetzt und in ihre Wohnheime eskortiert.“ Es ist Montag, 21 Uhr, und es sind massenhaft Kids unterwegs, die Softball spielen oder in die Cafeteria wollen. Der Campus ist gut beleuchtet. Wir drehen eine Runde, aber dass wir Verbrecher auf frischer Tat erwischen, ist eher unwahrscheinlich. Nach ungefähr einer Stunde hat Matthew deshalb eine Idee: „Lasst uns doch unsere Brüder von der Black Student Union besuchen.“ In einem großen Backsteingebäude mitten auf dem Campus treffen wir drei afroamerikanische Studenten an, die im BSU-Büro auf ihre Laptops einhacken. Als Matthew eintritt, runzeln sie die Stirn. „Ich bin Matt Heimbach von der White Student Union“, sagt er mit einem Politikerlächeln. „Wir wollten euch bloß einladen, mit uns auf dem Campus zu patrouillieren.“ „Nein, danke“, sagen sie zögernd. „Wir haben noch Hausaufgaben.“

Die nächtliche Patrouille beginnt mit Bibellesung und Ansprache: „Vereint erwachen wir im Lichte neuen Rechtes und neuer Gerechtigkeit.“

Ein paar Tage zuvor interviewe ich den ehemaligen Vizepräsidenten der Black Student Union: Ignacio Evans aus Baltimore, inzwischen im letzten Studienjahr. „Mit Matt in einem Seminarraum zu sitzen, das ist so, als würde man Hitler neben ein paar Juden setzen“, erzählt Ignacio. „Du hast das Gefühl zu ersticken, wenn du im selben Raum mit jemandem sitzt, dem deine Existenz zuwider ist.“ Als ich ihn nach den nächtlichen Patrouillen frage, sagt er: „Rechtsextreme müssen gar nicht laut werden. Die tauchen im Kapuzenshirt auf, und ich als Schwarzer kriege Angst. Die White Student Union spiegelt … Sogar ich als ziemlich maskuliner Typ kriege Angst, wenn diese Typen auftauchen.“ Als Matthew die Patrouillen im Februar auf der WSU-Website ankündigte, rechtfertigte er sie als Reaktion auf eine „schwarze Verbrechenswelle“. Doch die örtliche Kriminalstatistik zeigt, dass diese Behauptung erfunden ist. Mit nur sechs Verbrechen pro 1.000 Studenten ist die Kriminalitätsrate der Towson University auf dem tiefsten Stand seit 17 Jahren. In sieben der letzten zehn Jahre war Towson der sicherste öffentliche Campus in ganz Maryland. Aber solche Statistiken sind natürlich irrelevant; die Patrouillen sind keine ernsthafte Sicherheitsmaßnahme, sondern eine Mischung aus PR-Gag und dem Versuch, den Vorurteilen ein nettes, gemeinnütziges Antlitz zu verleihen: Der White-Pride-Sicherheitsdienst räumt euren Campus auf. Auch das ist die Strategie des Identitarismus und Rassenrealismus—hier wird versucht, den Rechtsextremismus mit aufgepeppter Rassenhygiene und aalglatter Rhetorik für das 21. Jahrhundert neu zu erfinden. Auch wenn sich wohl die Mehrheit der Studenten und Dozenten (oder Journalisten) damit nicht überzeugen lässt—das ist nicht das Problem. Die Bewegung zielt auf wirtschaftlich benachteiligte Weiße ab, die sich von Minderheiten bedroht fühlen oder ihnen feindlich gesinnt sein könnten, ohne sich als echte Rassisten zu sehen. „Der einzige Unterschied zwischen Matt und dem Ku-Klux-Klan“, so hatte Ignacio mir erklärt, „besteht darin, dass Matt politisch korrekt ist. Er glaubt wirklich an die Opferrolle der Weißen. Ansonsten ist es dasselbe.“ Den Höhepunkt des Abends erleben wir eine halbe Stunde später, als wir draußen einem labyrinthartigen Pfad, dem International Walkway, folgen. Entlang des Weges wehen die Flaggen aller Länder, aus denen die Studenten von Towson kommen. Als wir an der Fahne der Volksrepublik China vorbeigehen, bekommt Paddy einen Wink von Matthew und lässt die Patrouille anhalten. Er will eine Rede halten. „Wir gehen der Auflösung der Vereinigten Staaten entgegen“, erklärt Paddy seinen Kameraden. „Aber in gewisser Weise ist das vielleicht besser so, weil es zu einem ethnisch reinen, weißen Staat führen könnte. Und genau das wollen wir ja letztlich. Wir wollen einen ethnisch reinen Staat für unser Volk, der gut verteidigt wird und mit der Welt im Frieden lebt. „Und was wären die Kriterien für die Staatsangehörigkeit dieser ethnisch reinen Nation?“, frage ich dazwischen. „Das will ich jetzt ganz offen sagen“, erwidert Paddy. „Die Staatsangehörigkeit hängt von rassischen Kriterien ab. Man muss weiß sein. Absolut weiß. Zu 100 Prozent.“ Ich schaue zu Matthew rüber. Durch die Energie des Augenblicks scheint die Gruppe ihren zurückhaltenden Tonfall abzulegen. Und auch Matthew ist jetzt in Fahrt gekommen. „Wenn es Weiße gibt, die in dieser multikulturellen Kloake leben wollen, dann sollen sie ruhig. Wir können sie nicht gebrauchen. Wir müssen uns auf uns konzentrieren. Lasst uns für unser Volk einstehen, eine neue Nation gründen und eine neue Heimat für die Europäer auf der ganzen Welt schaffen.“ Dann, als wir im Parkhaus unsere Autos abholen und Feierabend machen wollen, werden wir doch noch Zeugen eines Verbrechens. Auf einem dunklen Pfad stoßen wir auf drei weiße Studenten, die offensichtlich mit Drogen handeln. „Seht euch das an“, sagt Paddy und beobachtet die Transaktion. „Und alle erzählen, es gäbe hier keine Kriminalität“, ergänzt Matthew kopfschüttelnd. „Dieser Campus ist nicht sicher.“ „Was wollt ihr jetzt machen?“, frage ich. Niemand tut etwas. Mehr über die Rechtsextremisten des 21. Jahrhunderts seht ihr diesen Monat in unserer Dokumentation über die White Student Union auf VICE.com.

Fotos von Jackson Fager