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Drogen

Der britische Willy Wonka des medizinischen Cannabis

Penn Chans Schokoladenkreationen sind nicht nur köstlich, sonder machen dich auch noch high.
16.3.15

Schokolade mit Jack Herer für Penns Mutter, die an Ischiassyndrom leidet

Penn Chan ist der britische Willy Wonka des Weed. Er arbeitet in und um London und kreiert eine Auswahl an leckeren Süßigkeiten, die er mit Cannabis versetzt—perfekt für alle medizinischen Konsumenten, die ihre Schmerzen nicht durch das Einatmen brennender Pflanzen lindern möchten.

Seine medizinischen Esswaren—„medibles" genannt, von „medicinal edibles"—können mit dem mithalten, was in US-Bundesstaaten mit legalem Gras hergestellt wird, wie seine 1.600 Facebook-Fans sicher bestätigen würden. Nur kann man eben nicht mal eben in die Marihuana-Apotheke und sich seine Kreationen dort holen, denn in Großbritannien wird immer noch Zeit und Geld darauf verwendet, das primitive Cannabisverbot durchzusetzen; Penn muss also darauf achten, dass er nur Leuten hilft, die er kennt und denen er vertraut.

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Offensichtlich kann er auch nicht seinen echten Namen verwenden. „Penn Chan" ist eine Figur aus der japanischen Mythologie, die immer high zu sein schien, was irgendwie passend ist.

Ich traf mich vor Kurzem mit Penn, um mehr über ihn und seine Süßwaren zu erfahren.

Schokodrops mit zehn Milligramm Indica OG Kush, gegen Schlaflosigkeit und Ischiassyndrom

VICE: Hi, Penn. Kannst du mir einen Überblick über deine Arbeit geben?
Penn Chan: Ich stelle medizinische Cannabis-Süßwaren für Menschen mit Gesundheitsproblemen her; sie helfen den Menschen, einzuschlafen oder zu entspannen, oder sie werden als Genussmittel verwendet. Ich bin in keinster Weise Chocolatier oder Koch, aber es macht mir großen Spaß, Medibles herzustellen. Es fing vor etwa sechs Jahren an, als ich meiner Mutter mit ihren Ischias-Schmerzen half; ich machte Schokolade für sie und der Rest ist Geschichte.

Du hast deine Mutter also medizinisch versorgt?
Ja. Ich weiß noch, als ich 17 war und mein Kumpel ein bisschen Purple Bud mitbrachte. Ich fand zwei Samen und pflanzte sie ein, und meine Mutter fand diesen kleinen Trieb, der in einem Filmdöschen auf meiner Fensterbank wuchs. Sie flippte aus und warf mich aus dem Haus. Fünfzehn Jahre später war sie wegen ihren Gesundheitsprobleme auf einem Haufen Schmerzmittel—dieses schreckliche Zeug hat sie fertiggemacht. Es hat sie in Gemüse verwandelt. Sie war immer total gegen Cannabis, aber im Laufe der letzten zehn Jahre hat sie es immer mehr akzeptiert, weil ich es schon so lange nutze. Sie hat gesehen, dass ich meinen Job nicht verloren habe. Ich habe Arbeit, Frau und Familie—ich bin ein vollständig funktionierendes Mitglied der Gesellschaft.

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Jedenfalls machte ich ihr etwas Schokolade mit Cannabis-Infusion, bevor sie schlafen ging. Jetzt nimmt sie nur noch eine Medizin, vorher waren es 12 verschiedene Mittel, und sie nimmt nur etwa ein Achtel der Schmerzmitteldosis, die sie anfangs nahm.

Salzwasser-Toffee mit Jack Herer Sativa. Die Dosierung ist eine niedrige für tagsüber, als Medizin für eine MS-Patientin

Hattest du Kontakte zur britischen Aktivisten-Szene für medizinisches Cannabis, als du anfingst, deine Süßigkeiten zu machen?
Nicht wirklich—ich bin schon immer eher der einsame Wolf. Aufgrund meiner Aktivitäten bleibe ich lieber für mich. Und wegen der aktuellen Gesetze in Großbritannien kann ich hier nicht arbeiten, obwohl ich keine von meinen Süßigkeiten verkaufe.

Weil die Süßigkeiten THC enthalten?
Ja. Cannabis und alle Derivate sind illegal, und THC ist da mit eingeschlossen.

Was für Kunden hast du? Und wie kommt man an deine Medizin ran?
Erstens würde ich sie nicht als Kunden bezeichnen, denn ich mache die Medibles nicht für Geld. Ich würde aber auch nicht wirklich Patienten dazu sagen. Ich würde sagen, sie sind Freunde, die ich schon direkt kannte oder die mir vorgestellt wurden, oder Bekannte. Es muss immer persönlich sein, einfach zu meiner eigenen Sicherheit.

Kirsch-Zitronen-Rollen mit „J1 shatter", Jack Herer gekreuzt mit Skunk Number 1, woraus eine perfekte 50/50-Mischung aus Indica und Sativa ensteht

Ja, du kannst ja nicht einfach deinen Namen publik machen.
Das wäre Selbstmord, vor allem in der Gegend, in der ich lebe—ich würde von allen, die es mal ausprobieren wollen, bombardiert werden und ich habe nicht die Ressourcen oder das Rohmaterial dafür.

Wie genau sieht die Hilfe aus, die du anbietest?
Ich habe schon Leuten aus allen Gesellschaftsschichten und mit allen möglichen Leiden geholfen. Viele meiner Patienten sind mit meiner Mum befreundet, dann gibt es da meine älteren Verwandten und Bekannten, denn die haben viele altersbedingte Schmerzen und Krankheiten. Ich habe auch Menschen geholfen, die an ALS und MS leiden; es gibt drei Leute mit MS, denen ich regelmäßig helfe. Es gibt eine Menge verschiedener Dinge, für die meine Süßigkeiten und Cannabis nützlich sind.

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Helfen verschiedene Süßigkeiten bei verschiedenen Problemen? Sagen wir mal, jemand hat Schmerzen—würdest du der Person dasselbe geben wie jemandem, der an Schlaflosigkeit leidet?
Definitiv gibt es Unterschiede. Jeder hat seine persönlichen Vorlieben. Bei manchen Leuten probiere ich drei oder vier verschiedene Sorten oder Kombinationen aus, und es bringt einfach gar nichts, doch dann treffen wir plötzlich ins Schwarze. Bei vielen muss man einfach systematisch ausprobieren. Ich kann zu einem gewissen Grad versuchen, sie zu führen, wenn ich weiß, woran sie leiden, aber man muss einfach ausprobieren und anpassen.

Es gibt einen Kerl mit einem Nervenleiden, dem ich schon seit anderthalb Jahren versuche zu helfen. Er hasst das Gefühl, stoned zu sein; es macht ihn paranoid. Ich probiere es momentan mit einem hohen CBD-Anteil (Cannabidiol, eine Substanz in Cannabis mit besonders starken medizinischen Eigenschaften), aber es haut nicht hin—die Wirkung ist für ihn zu sehr eine psychologische.

Ich schätze, du musst mit der Dosierung vorsichtig sein.
Ja, man muss mit der Dosierung wirklich sehr vorsichtig sein; viele der Leute, die es ausprobieren, machen beim ersten Mal negative Erfahrungen. Sie essen zu viel, oder sie sind gierig. Sie essen ein Stück Kuchen oder Karamell und sagen: „Oh, das schmeckt fantastisch!" und dann stopfen sie sich noch vier Stücke rein und dann heißt's Game Over.

Ich halte die Dosierungen ziemlich niedrig, damit die Leute sich medizinisch versorgen können, ohne eine große psychedelische Erfahrung zu haben.

Eins von Penns Anleitungsvideos

Wie hältst du deine „Apotheke" über Wasser, wenn du kein Geld dafür bekommst?
Ich habe Leute, die Cannabis anbauen und mir ihre Schnittreste, Öl oder Hasch abgeben. Das nutze ich für meine Rezepte und sie bekommen dann dafür etwas Leckeres zum Naschen.

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Was für Süßigkeiten kannst du herstellen?
Mein erster Ausflug in die Welt der Konditorei war medizinische Schokolade, weil das so einfach geht. Dann ging ich von Schokolade zu verschiedenen Fudge-Karamellen, Toffees und Bonbons über—stell dir vor: Birnen-Gummibärchen, Rhabarber- und Puddinggeschmack, Colawürfel, Ananasstücke. Es gibt das Toffee, das ist ein bisschen wie Werther's Echte. Dann gibt es noch den medizinischen Honeycomb umhüllt von medizinischer Schokolade, das ist dann wie ein Crunchie–Riegel.

Du hast eine ganz schöne Auswahl.
Ja, es gibt ein großes Sortiment und ich bin noch dabei, es auszubauen. Im Moment spiele ich einfach nur mit allem und versuche herauszufinden, wie verschiedene Sachen gemacht werden; für vieles benötigt man industrielles Gerät.

Dunkle Schokolade und Meersalz-Ganache. Schweres Indica OG Kush gegen Schmerzen, Schlaf- und Appetitlosigkeit

Unterscheiden sich die Dosierungen je nach Art der Süßigkeit?
Das ist es, was ich versuche herauszufinden. Ich sehe mir an, was in Colorado gemacht wird, die Leute dort sind gewissermaßen Pioniere einer neuen Denkweise. Sie sagen, man soll 10 bis 20 Milligramm für eine ganze Tafel Schokolade nehmen, und bei anderen Edibles auch. Wenn jemand also viele verschiedene Dinge probieren will, dann sollte die Dosierung überall zwischen 10 und 20 Milligramm liegen, denn dann kann man ein Stück Schokolade, ein Gummibärchen oder ein Toffee essen und immer noch die Dosis einschätzen.

Diese 10 Milligramm, wie ist das im Vergleich mit dem Rauchen eines Joints?
Es ist immer unterschiedlich. Das High und das Runterkommen sind beim Rauchen ziemlich schnell, aber wenn man etwas isst, dann ist man erst mal vier bis acht Stunden glücklich. Wenn ich raten müsste, würde ich sagen, dass zehn Milligramm etwa so sind wie drei Züge an einem großen Joint. So high wirst du davon, nur hält es etwa fünf Stunden an.

Himbeergummis mit einem Indica-Sativa-Hybrid. Ein sehr belebendes, energiespendendes High mit sehr guter Schmerzlinderung

Hattest du schon mal Ärger mit der Polizei?
Nein. Die einzigen Probleme, die ich bisher hatte, waren mit Leuten, die ich medizinisch versorgt habe und die nicht auf meinen Rat gehört haben und dann 14 Stunden am Stück geschlafen und nach dem Aufwachen den gesamten Kühlschrankinhalt vernichtet haben. Ich nutze Cannabis seit 25 Jahren und bin noch nie mit der Polizei in Berührung gekommen. Ich habe nie etwas verkauft; Ich habe meine Süßigkeiten immer verschenkt.

Welche sind deine drei Lieblingsprodukte?
Für mich persönlich, Meersalz und Schokoladen-Ganache. Alle, die das probieren, sind sofort begeistert. Ich habe sogar schon mal einen Hochzeitsempfang damit versorgt. 50 medizinisch, 50 ohne Zusatz—die gingen weg wie geschnitten Brot. Ich denke, die sind wohl die Nummer Eins, außerdem sehen sie ziemlich edel aus, wie diese kleinen Petit Fours die man nach einem feinen Dinner bekommt.