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Natürlich könnte der Schalter auch jederzeit in Bergkarabach selber umgelegt werden. Aserbaidschan und Armenien verfügen beide über beachtliche Armeen und auch die selbsternannte Republik Bergkarabach hat eigene Truppen zu Verteidigung. Seit der Annexion der Krim hat die Führungsriege der Republik besonderen Wert darauf gelegt, dass ihre eigene Stimme gehört wird und nicht nur Armenien das Reden für sie übernimmt. Anfang diesen Monats sagte mir der Vertreter der Republik in den USA, Robert Avetisyan: „Für uns ist es mehr als selbstverständlich, dass die Republik Bergkarabach das Hauptanliegen bei Verhandlungen mit Aserbaidschan sein sollte.“ Einige glauben, dass die einzige mögliche Lösung des Konflikts in einem international anerkannten Referendum über die Unabhängigkeit der Republik Bergkarabach liegt. Wer bei diesem Referendum überhaupt wählen sollte, bleibt allerdings weiterhin ein Streitpunkt. Sollten etwa Aserbaidschaner, die aus dem Territorium vertrieben wurden, ein Mitspracherecht haben? Paradoxerweise muss Aserbaidschan wegen den Vorgängen auf der Krim vorsichtig sein. Die Krise in der Ukraine hat Europas Energieabhängigkeit von Russland deutlich gemacht und die Jagd nach nicht-russischen Alternativen angespornt. Aserbaidschan könnte hierbei vielleicht genau das sein, wonach alle suchen. „Die kaspische Region, deren Herzstück Aserbaidschan bildet, ist die einzige große Energiealternative zu Russland“, sagte vor kurzem George Friedman, Gründer und Präsident des Beratungsunternehmens für Sicherheitsfragen, Stratfor. Europa ist auch schon dabei, die Gaspipelines von Aserbaidschan bis tief in den Kontinent zu verlängern. Im Dezember schloss ein von BP geführtes Unternehmen einen 33-Milliarden-Euro Gasvertrag mit Baku ab und machte damit Großbritannien zum größten ausländischen Investor des Landes. Diese aufkeimende Öl- und Gasbeziehung könnte auch erklären, warum einige europäische Staaten anlässlich der jüngeren Menschenrechtsverletzungen Bakus, von denen einige mit der Republik Bergkarabach zu tun hatten, eher zwei Augen zugedrückt haben. Vor kurzem wurden ein Journalist und eine bekannte Menschenrechtsaktivistin als vermeintliche armenische Spione verhaftet. „In Aserbaidschan hat der Konflikt um Bergkarabach zu einer Besessenheit mit armenischen Spionen geführt“, erklärt Rachel Denber, eine Human Rights Watch-Expertin für die Region. Es kam zu einigen Vorfällen im Zuge der Regierungsbemühungen „den aserbaidschanischen Nationalismus gegen jeden Anflug von Verständnis in Richtung der armenischen Position zu mobilisieren.“ Natürlich ist es nur zu wahrscheinlich, dass keine der beiden Seiten einen Krieg möchte. Wie wir aber 2008 anlässlich des bewaffneten Konflikts von Georgien und Russland um die umstrittenen Gebiete von Südossetien und Abchasien sehen konnten, können unvorhersehbare Dinge geschehen, wenn brodelnde ethnische Spannungen, rivalisierende Gebietsansprüche, russische Interessen und eine Menge Waffen aufeinandertreffen. Bis jetzt hofft Botschafterin Leach einfach nur, dass „im Kontext der Ukraine und den ungeklärten Fragen um die ehemaligen Grenzen innerhalb der Sowjetunion … mehr Menschen sich mit der Situation befassen“ und mit dem oft vergessenen Bergkarabach.