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Popkultur

Trashformers 4: Eine neue Ära des Hochglanzmülls

"I thought I was working with human intelligence ... or does such a thing exist?" Der neue Transformers schafft ganz neue Trash-Perspektiven.

von Josef Zorn
14 Juli 2014, 10:00am
Man wird jetzt wahrscheinlich erwarten, dass ich sofort in einen entgeisterten und kulturell erbosten Rant verfalle und mich über diese Sell-Out-Franchise auskotze wie ein übermotiviertes Model in der Achterbahn. Aber tatsächlich hat sich mir ein interessanter Blick in die Zukunft eröffnet.

Versteht mich nicht falsch, Transformers – Age of Extinction ist wahrscheinlich der schwachsinnigste Film des Jahres und in dieser hohen Preisklasse—300 US-Millionen Dollar Einnahmen in der ersten Woche. Viele Kritiker und Besucher gehen bei Michael Bay scheinbar nur noch ins Kino, um zu haten.

Das Übermaß an Plotholes und Ungereimtheiten ist auch tatsächlich so furchtbar, dass es mittlerweile sogar langsam den Hardcore-Fans der Transformers zu dumm werden muss, was mir wiederum richtig viel Spaß bereitet. Ich weiß, dass ist eine sehr zynische Reaktion, wenn man bedenkt, dass ich Transformers 4 auf eine gewisse Weise sogar ein bisschen verteidigen möchte.

Tatsächlich läutet nämlicheine neue Ära des Trashs ein—wenn auch mit einem „kleinen" budgetären Unterschied zu oder . Da müssen wir jetzt auf die augenscheinlichsten, haarsträubend stupiden Fragen gar nicht eingehen: Wie und warum sich außerirdische anthropomorphe Maschinen namens Auto-Bots in PKWs verwandeln können, irdische Stereotype bedienen und ständig „Let's rock" sagen. Oder warum zum Teufel Optimus Prime immer als kaputter Truck herumfährt, wenn er doch kann, wie er ganz am Ende erst beweist und was für gesamte Handlungsbögen essenziell gewesen wäre.Transformers 4  Kung FuryTroll 2fliegen

Nein, ich spreche von diesen kleinen Feinheiten, die einen Film in den Olymp beschissener Exzellenz erheben. Zitate aus Transformers 4 wie „Mein Gesicht ist mein Durchsuchungsbefehl" oder „Es handelt sich um ein neues Element, ich nenne es Transformium", ließen mich im Kino einige Male laut auflachen.

„Weißt du wie schwierig es ist eine Versicherung zu bekommen—für ein Raumschiff?!", schreit Mark Wahlberg nachdem er in Detroit abgestürzt ist, und öffnet sich direkt ein schleichwerbendes Bier, um es ex zu trinken. Aber keine Angst, irgendwann steht auch mal „Don't Drink and Drive" über einem Freeway, der dann kurz darauf explodiert.

„I thought I was working with human intelligence ... or does such a thing exist?" So fasst Lockdowns Zitat den gesamten Film perfekt zusammen und schießt mit seiner Gesichtskanone, wofür er definitiv Respekt verdient.

Ich finde diesen selbstironischen und stolz idiotischen Zugang in der Manier von 80erActionfilmen ziemlich geil. Fast so geil wie Shias LaBeoufs Verhaftung letzte Woche, da er im Publikum eines Musicals den Schauspielern auf den Arsch griff, kiffte und dann die Polizisten anspuckte und bedrohte—nachdem er davor ohnmächtig aufs Gesicht gefallen war. Er zerstört seine Karriere—wie ein wilder Stier—dieser ehemalig spannende Schauspieler, den die Roboter kaputt gemacht haben.

Transformers, zumindest dieser letzte Teil, wird in 10 bis 20 Jahren als der größte überproduzierte Trash-Kulthit gelten, so wie True Lies oder Battleship—die auch damals mein Kritikerhirn lahmlegten und Spaß am Stupiden nährten, da nur niedere Regionen meines Hirns stimuliert wurden. Solche Filme laufen in Zukunft auf Trash zelebrierenden Festen oder als Hintergrundunterhaltung bei exzessiven Drogenpartys. Perfekt für ironische High-End-Stoner wird einem schließlich weder Aufmerksamkeit noch Nüchternheit abverlangt.

Denkt doch einfach an Phantom Commando, Miami Connection, Hard Ticket to Hawaii, Evil Dead – Army of Darkness, Blade und wie sie alle heißen. Da mockiert sich auch keiner mehr über die Skriptfehler oder den ständigen sinnfreien Handlungsortwechsel. Man genießt die Fehler und will sogar noch mehr finden.

Was genau Trash eigentlich ausmacht, ist im Allgemeinen schwer zu sagen—vor allem, wenn das Budget und die Produktionsbedingungen nicht mehr wie früher das ausschlaggebende Erkennungsmerkmal sind und man damit etwas positiv Konnotiertes meint. Klar ist aber, dass die Authentizität von Trash verloren geht, sobald „Trash Kult" am Cover steht und aufgesetzt schlechte Qualität kommuniziert wird, wie bei Black Dynamite oder Casa de mi Padre. Da machen sich Leute auf einer Meta-Ebene über etwas lustig, das eigentlich nur lustig ist, wenn es ohne Meta-Schläue daherkommt.

Michael Bay hingegen ist tatsächlich eine wahnsinnige Comic-Figur, die mit einem Monstertruck-Golfkart von Set zu Set fährt und wie ein Sklaventreiber schreiend in kürzester Zeit unglaublich teuren Müll produziert. Das muss man doch auch irgendwie respektieren. Während der Dreharbeiten zu Transformers 3 damals fand ja gerade der Autorenstreik statt und Bay hat schnell gelernt, auch ohne Skript und trotzdem um hunderte Millionen Dollar Filme abzuliefern.

Ich glaube, den wahren Trash erkennt man daran, dass er mindestens auf einer—und bestenfalls auf jeder—Ebene am Boden schleift, aber dann, wenn man beginnt, darüber zu lästern, mindestens ein Typ aufspringt und schreit: „Was?! Der ist voll super! Waterworld hatte Smokers." Trash macht Spaß, hat aber immer auch glühende Verehrer, die es mit dem Film genauso ernst meinen, wie der Film mit sich selber.

Foto vom Autor

Der Vorwurf, dass Bay unsere Kindheit missbraucht, ist auch so eine Sache. Ich denke schon gar nicht mehr daran, dass der neue Ninja Turtles gemacht wird. Dieser Reboot wird schließlich herzlich wenig mit den geliebten Action-Figuren meiner Kindheit zu tun haben—so wie bei Transformers wird hier einfach ein völlig neuer Markt erschlossen und das Original entspannt über Bord geworfen, weil ehrlich gesagt auch nur 5 Idioten übrig sind, die damals Turtles geschaut haben und sich heute immer noch für Comic-Schildkröten interessieren. Die Spielzeuge der ehemaligen Kids, die heute um die 30 sind, werden medial sowieso herumgereicht wie Dorfmopeds und mit jeder Inkarnation geht automatisch ein Stück mehr von der kindlich intensivierten Überzeugung verloren, wie das Universum von Batman, Turtles oder den Autobots gefälligst auszusehen habe.

Ich fand ja diese Roboter und vor allem den Decepticon, der sich in ein Flugzeug verwandeln konnte, ziemlich cool. Ich habe auch selber aus Elektromüll meine eigenen Transformers gebaut. Die Vorstellung, dass sich eine Maschine in andere Dinge verwandeln kann, heizt ja eigentlich die Fantasie extrem an, aber verkümmert in den Transformers-Filmen zur visuell nicht entschlüsselbaren Effekthascherei—auch, wenn der Kinositz vibriert, es plötzlich nach Benzin riecht, mit Wasser herumgespritzt wird und es dich in den Rücken sticht wie bei dem neuen, alle Sinne herausfordernden 4DX-Format aus den USA.

Transformers 4 ist wie ein Proletenkumpel, der auf billiges Speed und Red Bull-Extremsport steht—aber halt nur im Fernsehen—, minderjährigen Mädchen nachsteigt und danach besoffen in einem laut dröhnenden Kinosaal einschläft. Mark Wahlberg als Erfinder mit einer 17-jährigen Tochter in Hotpants muss sich einem männlichen Generationenkampf stellen und lernt mit einem Schwert zu schießen. Diese Charakterentwicklung ist recht einfach zusammengefasst und zeigt wie rostig das alles geschrieben ist—besonders hart für Mark, der auch schon Oscar-Filme gedreht hat.

Die erwähnten Plotholes sind eigentlich auch gar keine Löcher mehr, sondern selbstständige Dimensionstunnel in eine Twilight-Zone aus unzusammenhängenden und widersprüchlichen Handlungselementen, die nur gelegentlich durch sinnvolle Actionszenen unterbrochen werden. Wenn überhaupt, sind die guten Augenblicke die Löcher. In den restlichen 2 Stunden ist die Motivation der einzelnen Figuren für die Dinge, die sie tun, zirka so logisch wie eine Kurzgeschichte von Burroughs.

Kelsey Grammer AKA Frasier AKA die Stimme von Sideshow Bob spielt sehr professionell seinen Evil Part, auch wenn dieser, um die Alien-Transformer-Rasse auf der Erde zu vertreiben, eine noch viel mächtigere und bösere Alien-Rasse staatlich anstellt. That's why they are call it Black Ops! Beim Showdown wirft er dann Marky Mark vor, sich für die Außerirdischen entschieden und unschuldige amerikanische Leben in Gefahr gebracht zu haben. Eine Stunde davor meint der gleiche Typ, während Autofahrer aus der Überholspur weggesprengt werden, dass für Fortschritt und Home Security klarerweise immer ein paar Unschuldige daran glauben müssten.

Auch eine Figur, die eine Hommage an Steve Jobs zu sein scheint, wird als Bösewicht eingeführt und ist am Ende des Films plötzlich voll okay, wobei man nicht wirklich mitbekommt, warum. Ein Auto voller Gitarre spielender Chinesen wird kurz vorgestellt, aber dann dem sicheren Tod übergeben, worauf nie wieder eingegangen wird. Fuck China, obwohl die den Film mitfinanziert und bei der chinesischen Premiere die US-Zuschauerzahlen übertroffen haben.

„Sex Toy, where have you been?" „He he, where haven't I been." (Screenshot von The Simpsons und ihren Transmorphers, S20E04)

Sobald aber dann die Dino-Bots auftauchen, setzt komplette zerebrale Entspannung ein. Schau dir einfach die schönen Bilder an und hör auf, dumme Fragen zu stellen: Das scheint die unterschwellige hypnotische Message der Actionszenen zu sein. Eigentlich kann ich nicht guten Gewissens eine Empfehlung für Transformers 4 abgeben, obwohl ich teilweise schon so etwas wie unterhalten war und bei manchen Slomo-Bildern sabbernd „Boah" brabbelte.

Dazwischen fühlen sich die Dialoge und Explosionen plötzlich wie ein weißes Rauschen an, in Zen-gleichen Momenten driftet man ab—wie in einer wummernden Mediationskammer mit Stroboeffekt—und denkt darüber nach, was man denn zu Mittag essen sollte. Kein Zeichen für einen guten, immersiven Film, gerade wenn er über 2 Stunden lang ist. Wenn ihr dem Neo-Trash aber heute schon eine Chance geben möchtet—und nicht erst in 10 Jahren auf einem selbstironischen Trash-Filmfest auf Schwammerl—und viele Teuros für 3D- oder IMAX-Karten ausgeben wollt, ich wasche meine Hände in Unschuld.

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