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Sex

Ich bin ein Wrong Boner

Meistens geht es im Wrong Boner um jemanden, der einen HAT. Diesmal geht es aber um eine Frau, die selbst einer IST.
18.3.14

Grafik von VICE Media

Als Single-Mädchen hat man es schwer. Man wird ständig angemacht, aber leider nie von gutaussehenden Menschen oder gar potentiellen Lebensabschnittspartnern. Stattdessen trifft man auf religiöse Fanatiker, notgeile Bauarbeiter und vom Sexualtrieb beherrschte Feinkostverkäufer. Diesen und anderen merkwürdigen Vertretern unserer Spezies begegnet man immer, egal ob man sich gerade sexy fühlt oder in Jogginghosen am Weg zum nächsten Zigarettenautomaten ist. Gerade zweiteres Szenario scheint diese Gruppe Mensch anzuziehen, wie braun gefleckte Bananen Fruchtfliegen.

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Wenn ich schlecht drauf bin, gehe ich einfach schnell weiter oder tue so, als würde ich gerade ein wichtiges Telefonat mit meinem Zuhälter führen. Wenn ich gut drauf bin, lächle ich freundlich, rede vielleicht sogar kurz mit dem Auserwählten und überlege mir im Hinterkopf schon passende Hashtags für meinen Tweet über ihn. Manchmal denke ich auch Wochen später noch an die Begegnung, frage mich, ob er manchmal beim Wichsen an mich denkt und freue mich irgendwie auf eine ekelhafte Weise.

In Momenten, in denen ich mich furchtbar alleine fühle und mit einer Familienpizza den Opernball im Fernsehen verfolge, denke ich einfach an all meine wundervollen Begegnungen zurück, die mich davon ausgehen lassen, dass ich hauptberuflich als Idioten-Magnet arbeiten könnte. Damit ihr euch das besser vorstellen könnt, möchte ich nun gerne ein paar meiner vergangenen Begegnungen Revue passieren lassen.

Grafik von VICE Media

Ein fideler Bauarbeiter ist mir mit seinem tonnenschweren Verdichtungsgerät zwei Minuten hinterhergewalzt, um mir zu erklären, wie schön ich sei und was er nicht alles mit meiner Muschi machen wolle. Wie charmant! Auf Diskussionen ließ ich mich hierbei nicht ein, denn sein Gerät war verdammt groß.

Beim Treffen mit meinem Falafel-Dealer saß ein junger Geschäftsmann neben mir und bot mir eine bisher einmalige Show: anhand seines Dürüms demonstrierte er erst einen zärtlichen Handjob, während er mir tief in die Augen blickte. Als ich ging und mich nochmals zu ihm umdrehte, zeigte er mir noch eindrucksvoll seine Fellatio-Fähigkeiten. Ich muss zugeben, das Schauspiel hat meinem nicht existenten Penis gefallen. Wäre ich ein Typ, hätte ich mich ganz sicher von diesem Kerl verwöhnen lassen, mit oder ohne Scharf.

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Natürlich verläuft so ein Date selten ohne ab- und anspritzen. Ich will ja nicht prüde erscheinen, aber ein Mitarbeiter der Stadt Wien ist das für meine Verhältnisse irgendwie zu schnell angegangen. Wir kannten uns nicht, hatten noch nicht miteinander gesprochen, da fuhr er seinen langen Schlauch aus und spritzte er mich von oben bis unten voll. Eine wahrlich enorme Ladung Wasser, die eigentlich für die Blumen der Parkanlage, durch die ich gerade spazierte, gedacht war, landete auf mir. Es war heiß, es war erfrischend, aber trotzdem etwas merkwürdig. Ich starrte ihn an, er lachte und brauste mit seinem lustigen kleinen Rüssel-Fahrzeug davon, 10 km/h Höchstgeschwindigkeit. Kurz überlegte ich, bei der zuständigen Magistratsabteilung Beschwerde über ihren frivolen Mitarbeiter einzureichen, allerdings bin ich selbst ein Fan von nassen Shirts und würde es wohl nicht anders machen.

Dönermuschi von Andrea Anderson

Die Goldmedaille für den wohl falschesten erigierten Schwanz aller Zeiten gebührt jedoch dem galanten Herren im Anzug, der eines schönen Tages am Schaufenster eines Supermarktes seinen Beidl auspackte, um ihn mir sichtlich stolz zu präsentieren, als ich alleine an der Kasse stand und auf die unfreundliche Kassiererin wartete. Ich war zwar geschmeichelt und auch erfreut, trotzdem drehte ich anschließend noch einige ziellose Runden durch die Tiefkühlabteilung, um sicher zu gehen, dass er meine Hood verlassen hatte, bevor ich den Laden verließ. Wiedergetroffen habe ich ihn leider nicht.

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Ich könnte noch viele Geschichten dieser Art erzählen, aber ich denke, es genügt für einen groben Einblick in meinen vielfach belästigten Alltag. Versteht mich nicht falsch, auch wenn meine Freundinnen ab und zu auf Verrückte treffen, habe ich das Gefühl, dass mich nichts mehr schockieren kann. Über das klassische „Ey, prințesă!“, welches ich jeden Tag mehrfach zu hören bekomme, rege ich mich gar nicht mehr auf. Auch nicht über zugeworfene Küsse, Anspielungen auf meine langen Beine oder ein sanft geschnurrtes „Miaooow“.

Vielleicht spüren die oben Beschriebenen das und lassen ihr ganzes perverses Potential geballt an mir aus, da sie sich bei mir sicher und von mir irgendwie verstanden fühlen. Ich habe dazu schon viele verschiedene Theorien aufgestellt, aber jede einzelne aufgrund einer neuen Begegnung wieder verworfen. Natürlich könnte ich auch einfach anfangen, die Kerle zu fragen, was in ihnen vorgeht und warum sie gerade mich als Zielscheibe für ihre sexualisierten Worte und Gesten auserwählen, allerdings würde das die ganze undurchschaubare Spannung nehmen und eventuell würde ich mich damit auch in sehr unangenehme oder gar gefährliche Situationen bringen. Manchmal fühle ich mich ein bisschen besonders, weil ich so viel negative Aufmerksamkeit auf mich ziehe.

Beach Cock von Andrea Anderson

Vielleicht sollte ich im Schaufenster eines Bordells stehen und Kunden anlocken, ich glaube, das könnte ich gut. Allerdings will ich diese Typen keiner Nutte der Welt antun. Nicht, dass deren Job nicht immer irgendwie ekelhaft wäre, auch wenn es uns verschiedenste literarische Werke anderes weismachen wollen, aber viel schlimmer geht es dann wirklich nicht. Doch jedes Mal, wenn ich mich ob meiner Anziehungskraft speziell und irgendwie auf eine bizarre Art begehrt fühle, verfolgt mich der Gedanke, dass diese widerwärtigen Typen so ziemlich alles geil finden.

Die meisten haben ihren Pimmel vermutlich schon in Esel, Ziegen oder Hühner gesteckt—je nach Herkunft und der dort heimischen Fauna. Das ist falsch und verwerflich, keine Frage, aber wir müssen der Wahrheit ins Auge bzw. in die Vagina (oder auch Kloake) blicken. Ich bin nicht besonderes, nicht besser als die arme Ziege, nur ein weiterer Grund für einen Wrong Boner.

Diese Erkenntnis bringt mich manchmal zum Weinen, aber manchmal macht es mich auch glücklich. Besser ein Wrong Boner als gar kein Schwanz. Dieser Gedanke und die damit verbundenen Glücksgefühle machen mich wiederum zu einem Glied der endlosen Wrong Boner-Kettenreaktion. Ich selbst bekomme durch die vielen grotesken Begegnungen und die Gedanken an selbige einen exorbitanten Wrong Ladyboner und vermutlich ist es gerade dieser, der all diese geistig Minderbemittelten und Notgeilen da draußen so an mir fasziniert. Dann kommen sie wieder auf mich zu und das Spiel geht von vorne los – Infinity-Boner sozusagen.

Natürlich werden sich einige fragen, was ich anstelle, damit mir so viel Aufmerksamkeit zuteil wird. Nichts, absolut nichts. Es passiert mir ständig, zu jeder Zeit, in jedem Viertel, egal in welchen Klamotten, egal in welcher Situation, allerdings passiert es mir kaum, wenn ich in Begleitung bin. Scheinbar fantasieren diese Typen zwar von mir, während sie sich Oreos oder Schildkröten unter ihre mit Smegma besudelte Vorhaut schieben, allerdings scheinen sie nicht auf Gruppensex zu stehen.

Wenn ich genauer darüber nachdenke, bin ich mir jedoch sicher, dass jeder einzelne von euch auch der Grund für einen Wrong Boner ist. Vielleicht seltener, vielleicht nicht so offensichtlich, aber irgendwer denkt bestimmt an euch, wenn er sich gerade Küchenrolle um den Schwanz wickelt oder wenn sie gerade ihre Muschi an der abgerundeten Kante der Küchentheke reibt. Es wäre auch verdammt traurig, wenn das nicht so wäre, oder?