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Sex

Wie würden Sexroboter für Frauen aussehen?

In Filmen und Serien werden Sexbots quasi ausschließlich als begierige Frauen dargestellt, die ihrem männlichen Besitzer unterstellt sind—was passiert jedoch, wenn wir diese Situation mal umdrehen?
13.1.16

Foto: Christina Xu | Flickr | CC BY-SA 2.0

„Wenn du erst mal einen Liebesroboter hattest, willst du nie mehr einen echten Mann." Dieser Satz stammt von Gigolo Joe, also dem Sexroboter, den Jude Law in Steven Spielbergs Film A.I. – Künstliche Intelligenz verkörpert. Was Gigolo Joe neben seiner glänzenden Haut, seinen vollen Lippen und seinem Auftreten noch so außergewöhnlich macht, ist die Tatsache, dass er ein männlicher Sexroboter ist—und so etwas findet man in Filmen nur selten.

Denk doch mal drüber nach. Bei den Sexrobotern, die man so kennt, handelt es sich fast immer um weibliche Bots, die für Männer gedacht sind. Da haben wir zum Beispiel die FemBots aus Austin Powers oder Pris aus Blade Runner. Aber auch in Fernsehserien gibt es weibliche Sexroboter. In Buffy – Im Bann der Dämonen taucht zum Beispiel in einer Folge eine Frau namens April auf, die nur für den Zweck der Fleischeslust erbaut wurde. Bei Wendy aus Dark Matter handelt es sich um einen „Entertainment-Androiden", zu dessen Fähigkeiten auch Sex gehört. Während Data aus Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert zwar als „voll funktionsfähig" beschrieben wird, ist seine Funktionsfähigkeit mehr ein Feature als sein Sinn und Zweck—die Fähigkeit, Sex zu haben, macht noch keinen Sexroboter. Die Absicht ist hier das Zünglein an der Waage.

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Solche Darstellungen haben unsere Erwartungen in Bezug auf sowohl das Aussehen von Sexbots (heiß, menschlich und weiblich) als auch unsere Reaktion auf die Androiden (eine erotische Mischung aus Angst und Neugier) stark geprägt. Man rufe sich nur mal Pris' manipulatives Schüchternes-Mädchen-Schauspiel in Blade Runner, Kyokos gelassenes Aufknöpfen ihrer Bluse in Ex Machina oder das knallrote Kleid sowie den feuchten, weltenzerstörenden Kuss von Six ins Gedächtnis. In Filmen und Fernsehserien werden Sexroboter als Frauen dargestellt, die man gleichzeitig objektiviert und als nicht vertrauenswürdig daherkommen lässt—Sexbots sind die personifizierte Metapher für ein laufendes, sprechendes und verführerisches Monster. In Anbetracht dieses Schemas ist es besonders wichtig, dass die gezeigten Roboter weiblich und ihre Nutzer männlich sind.

Fiktionale Sexbots sind wichtig, denn mit jedem weiteren Monat wird diese Fiktion immer mehr zur Realität. Vergangenen September rief Kathleen Richardson, eine Robotik-Ethikerin an Englands Montfort University, zusammen mit Erik Billing von Schwedens Hochschule Skövde eine Kampagne gegen Sexroboter ins Leben. Beruhend auf Anti-Sexarbeits-Rhetorik heißt es in dem Manifest der Kampagne: „Wir haben ein Problem mit den Argumenten, die besagen, dass Sexroboter dabei helfen könnten, sexuelle Ausbeutung und Gewalt gegenüber Sexarbeitern zu verringern. Wir berufen uns dabei auf die Beweise, die zeigen, wie Technologie und der Sexhandel nebeneinander existieren und sich gegenseitig sogar noch helfen, indem die Nachfrage nach menschlichen Körpern steigt." Das Ganze mutet wie eine dystopische Zukunftsvision an.

Campaign Against Sex Robots ist als eine vorbeugende Organisation anzusehen, da noch keine wirklichen Sexroboter existieren. Ein Unternehmen namens TrueCompanion behauptet zwar, die „weltweit erste qualitativ hochwertige Sexroboter-Puppe" herzustellen, aber bei dem 7000 Dollar teuren, weiblichen Modell namens Roxxxy handelt es sich im Grunde nur um einen stationären Computer, der mit Gummi umhüllt und mit Berührungssensoren sowie einer vibrierenden Vagina ausgestattet wurde. Richardson hat jedoch in dem Punkt recht, als dass es viele Möchtegern-Sexroboter-Entwickler gibt, die den Science-Fiction-Albtraum eher als eine Art prächtige Zukunft mit unbegrenzten Möglichkeiten ansehen.

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Zu diesen Entwicklern gehört auch Matt McMullen, der Schöpfer der RealDoll. Derzeit ist er dabei, eine animatronische Sexpuppe mit künstlicher Intelligenz zu erschaffen. „Wir hoffen, etwas zu kreieren, das einen sowohl auf einer emotionalen als auch auf einer intellektuellen Ebene erregt", behauptet McMullen in einem schnittigen Videosegment auf der Website der New York Times, das vor Instagram-mäßiger Romantik nur so strotzt. In besagtem Video wird McMullens Aufgabe, den „weltweit ersten Sexroboter" zu erbauen, in Form der Computeranimation Denise dargestellt. Zwar werden die RealDolls als der Rolls Royce der Sexpuppen angesehen, aber selbst ein Rolls Royce Wraith kommt ziemlich schwerfällig daher, wenn man eher Lust auf einen MacLaren P1 hat. Deshalb gibt es auch einen Bedarf nach einem Produkt, das laufen und reden (oder sich zumindest räkeln und flüstern) kann. Und zwar wie eine echte Frau.

Obwohl sich McMullen und Richardson in vielen Punkten widersprechen, so gehen sie in Bezug auf Sexroboter doch beide von drei wichtigen Aspekten aus—und keiner entspricht dabei zwangsläufig der Realität: Die vorwiegenden Nutzer von Sexbots werden heterosexuelle Männer sein, die Nutzer verlangen, dass Sexbots menschlich aussehen, und die Nutzer wollen eine emotionale Bindung zu ihrem Sexbot aufbauen.

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Hier nun ein radikaler Gedanke: Was, wenn wir diese Annahmen einfach über Bord werfen? Scheißen wir doch mal auf Männer und deren Bedürfnis nach Sexrobotern, die Menschen verblüffend ähnlich sehen. Was, wenn wir Sexbots stattdessen an Frauen vermarkten? Wie würde diese simple Veränderung das komplette Sexbot-Skript umschreiben?

Es bräuchte nicht mal so fortschrittliche Technologie wie Gigolo Joe, um das weibliche Interesse an Sexrobotern zu wecken. Immerhin benutzen Frauen bereits Sexspielzeug. Und während in einigen (eingeschränkten) Studien gesagt wird, dass genauso viele Männer wie Frauen Sexspielzeug kaufen, ist es doch kaum zu verneinen, dass das Sexspielzeug für die weibliche Welt geläufiger ist, besser funktioniert und interessanter anmutet. Dazu kommt noch, dass es Frauen ziemlich egal ist, ob das Gerät, mit dem sie sich zum Orgasmus bringen, der Anatomie eines Mannes ähnelt. Der engste Verwandte des Magic Wands von Hitachi ist ein Pürierstab, aber niemanden interessiert es wirklich, dass der berühmte Vibrator so gar nichts mit einem Penis gemeinsam hat. Während Sexspielzeug für Männer (also Fleshlights oder RealDolls) dem weiblichen Körperbau nachempfunden sind, ist das bei den Gerätschaften für Frauen nicht der Fall—sie können auch schon mal in Waldkreaturen-, Alien-Genital-, Lippenstift- oder Sattelform daherkommen. Frauen können (und werden) es sich mit allen möglichen Dingen besorgen, so lange es für sie funktioniert.

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Und auch beim Thema Pornos sind Frauen flexibel. Ihre Konsumgewohnheiten reichen dabei von Kim Kardashian über Gangbangs bis hin zu Schwulenpornos und sind damit facettenreicher als die von Männern. Wenn man all diese Faktoren zusammennimmt, dann kann man doch mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass wir Frauen im Vergleich zu Männern polymorph sexualisiert sind und von einer Vielzahl an unterschiedlichen Körperformen erregt werden. Dabei handelt es sich um eine wandelbare Sexualität, die zum grenzenlosen anatomischen Potenzial eines männlichen Sexroboters passt.

Sehen wir es einfach mal als gegeben an, dass Frauen Sexspielzeug bereits kaufen sowie benutzen und wir auch eine flexiblere Sexualität besitzen. Jetzt fügen wir dem Ganzen noch die Tatsachen hinzu, dass unsere männlichen Partner früher sterben, wir für Gelegenheitssex viel schärfer kritisiert werden, wir schwanger werden können, wir häufiger unter Vergewaltigungen und häuslicher Gewalt zu leiden haben und es vielen von uns schwer fällt, durch normalen Penetrations-Sex zum Orgasmus zu kommen. Wenn man all diese Faktoren im Hinterkopf behält, erschließt es sich schon irgendwie von selbst, warum sich Frauen einen Sexroboter zulegen würden.

Stellen wir uns jetzt doch mal vor, was ein männlicher Sexbot alles können würde. Ein solches Gerät müsste nicht wie Denise, der „weltweit erste Sexroboter", aussehen oder klingen. Und solche Exemplare wie McMullens

So stellt sich ein progressiv denkender Mensch einen Sexroboter vor.

männliche Version der RealDolls können wir direkt vergessen, denn alle drei Versionen zeigen eigentlich nur, wie tragisch wenig Fantasie bei den Herstellern vorhanden ist.

Wenn man bedenkt, dass Frauen an Sexspielzeug gewöhnt sind, das einem von einem Teletubby entwickelten Schallschraubenzieher ähnelt, dann könnte ein Sexbot für Frauen in etwa die Form eines Torsos haben, mit vibrierenden Polstern und Knöpfen ausgestattet sein und Flächen zum Anbringen von Erweiterungen besitzen. Man müsste den Roboter außerdem an die jeweilige Stimmung und Fantasie anpassen können—normaler Sex am einen Tag, ein sicherer und einvernehmlicher Gangbang am anderen. Vielleicht baut man auch noch eine Sprachsteuerung ein, damit man zum Wechseln zwischen den Modi keine nervigen Knöpfe drücken braucht. Wenn man dem Ganzen jetzt noch Akkus, bunte Silikonhaut, eine einfache Reinigungsmöglichkeit sowie eine ständige Einsatzbereitschaft hinzufügt, ist alles perfekt.

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Unter Umständen könnte dieser einem männlichen Torso ähnelnde Sexroboter das darstellen, was ein Roomba im Vergleich zu einem normalen Staubsauger ist, nämlich eine Verbesserung bereits existierender Technologie, die man schon heute vollständig herstellen kann. Durch die außergewöhnliche Farbe und Form könnte auch die große Kontroverse der emotionalen Verbindung zwischen Mensch und Maschine umgangen werden. Richardson betrachtet diese Verbindung als ein ethisches Problem und bezeichnet die Beziehung zwischen einem Menschen und einem Sexbot als „asymmetrisch". McCullen baut hingegen genau auf dieses Element, um sein Produkt erfolgreich zu verkaufen. Unser Roboter wäre von dem ganzen Drama gar nicht betroffen.

Tatsache ist jedoch auch, dass wir noch nicht wissen, welche Art der Beziehung zwischen Menschen und Robotern (egal ob nun für sexuelle Zwecke gedacht oder nicht) bestehen wird. Die Robotik-Ethikerin Dr. Kate Darling beschäftigt sich bei ihrer Arbeit mit der Art und Weise, wie sich Roboter auf das menschliche Einfühlungsvermögen auswirken. Sie meinte zu mir, dass menschliche Gefühle für Roboter von ganz anderer Art sein würden: „Ich glaube nicht, dass das Ganze jemals zu einer echten Konkurrenz für menschliche Beziehungen werden wird, denn wir sind zum einen so komplex und zum anderen noch so weit entfernt davon, eine künstliche Intelligenz dieses Ausmaßes zu erschaffen."

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Es gibt noch nicht viel Forschung, bei der sich damit beschäftigt wird, was Menschen für Roboter empfinden, aber Darling wirft in den Raum, dass Menschen vielleicht genauso über Sexbots denken werden wie über Katzen. „Du bist deinen Katzen vielleicht vollkommen egal", erklärte sie mir, „aber du kannst sie trotzdem lieb haben und dich um sie kümmern. Und genau das gefällt dir." Kurz gesagt: Wir werden unserer Technologie immer menschliche Züge verpassen und das Ganze zu guten oder zu schlechten Zwecken nutzen. Letztendlich sagt es jedoch mehr über uns aus, wie wir unsere Technologie betrachten, als dass es die Technologie selbst tut.

„Ein Sexroboter erscheint mir wie eine Weiterentwicklung von Sexspielzeug", sagte Darling. Dann fügte sie hinzu: „Vielleicht würden Sexbots für Frauen gar nicht wie Männer aussehen. Ich glaube allerdings, dass der Aspekt der Intimität doch dazu führen würde, dass das der Fall wäre." Dem Design wäre durch die verfügbare Technologie, unsere Vorstellungskraft und das Verlangen der Kundinnen bestimmt—und es gibt Anzeichen dafür, dass Frauen dazu gebracht werden könnten, sich besseres, größeres, smarteres und teureres Sexspielzeug zu kaufen.

Egal wie logisch die Vorstellung eines Sexbots für Frauen jedoch auch erscheinen mag, so sind es trotzdem noch die Sexroboter-Darstellungen aus den am Anfang genannten Filmen und Serien, die heutzutage vorherrschend sind. Ich habe mich umgesehen und falls diverse Unternehmen wirklich an einem Sexbot für Frauen arbeiten sollten, dann halten sie sich diesbezüglich sehr bedeckt. Trotzdem bin ich immer noch der festen Überzeugung, dass Frauen die ideale Zielgruppe für Sexroboter sind und dass sowohl Robotik-Ethiker als auch Sexbot-Entwickler genau diesen Gedanken berücksichtigen sollten. Besagte Entwickler können sich aber auch ruhig von den Filmen inspirieren lassen. So sagt Gigolo Joe nämlich: „Wir sind das unbelastete Vergnügen für einsame Menschen. Wir arbeiten unter euch, auf euch und für euch. Wir machen es besser, als es ein Mensch je könnte."

Lehn dich doch einfach mal zurück und denke über die ganzen Möglichkeiten nach.

Chelsea G. Summers schreibt für das Adult Magazine sowie für viele weitere Publikationen. Hier findest du sie bei Twitter.