Kindesmissbrauch: Großteil der Männer einer kleinen Pazifikinsel schuldig gesprochen

Schon 2004 wurden sieben der zwölf auf Pitcairn lebenden Männer für den sexuellen Missbrauch von Kindern verurteilt. Jetzt reiht sich auch noch der ehemalige Bürgermeister ein.
8.3.16

Eine Postkarte von Pitcairn aus den 60er Jahren | Foto: Archmage 01 | Flickr | CC BY 2.0

Die winzige Pazifikinsel Pitcairn ist nicht nur die Heimat der wohl abgelegensten Gemeinde der Welt, sondern auch der Schauplatz mehrerer Kontroversen um sexuelle Verbrechen gegen Minderjährige. So wurde der ehemalige Bürgermeister nun für den Besitz von mehr als 1.000 Bildern und Videos von Kindesmissbrauch schuldig gesprochen—er ist damit der achte von zwölf auf der Insel lebenden Männern, dem sexuelle Verbrechen gegen Kinder vorgeworfen wurden.

Michael Warren fungierte zwischen 2008 und 2013 als Bürgermeister von Pitcairn und könnte nun der einzige Insasse des Inselgefängnisses werden, nachdem er von einem neuseeländischen Gericht zu einer Haftstrafe von 20 Monaten verurteilt wurde. Einige Anklagepunkte gehen dabei sogar bis ins Jahr 2004 zurück.

Damals machte die kleine Insel—auf der insgesamt knapp 50 Menschen leben—auf der ganzen Welt Schlagzeilen, nachdem man sieben der zwölf auf Pitcairn wohnenden Männern 55 Sexualverbrechen gegen minderjährige Mädchen vorgeworfen hatte (einige der Opfer waren dabei erst sieben Jahre alt). Sechs Angeklagte wurden für diese Verbrechen, von denen einige mehr als 40 Jahre zurücklagen, schließlich verurteilt.

In dem Zeitraum, in dem er die Bilder und Videos herunterlud, war Warren auf der Insel auch für den Kinderschutz zuständig. Außerdem reiste er im offiziellen Auftrag sowohl nach Neuseeland als auch nach Großbritannien, um an Lehrgängen zu diesem Thema teilzunehmen. Das berichtet der Guardian.

Berichten zufolge fand man die besagten Aufnahmen im Mai 2010, nachdem Warren aus Versehen unter einer anderen E-Mail-Adresse eine Nachricht an einen diplomatischen Vertreter geschickt hatte. Diese E-Mail-Adresse konnte anschließend mit einer Online-Chatseite in Verbindung gebracht werden, auf der auch explizite Bilder zu sehen waren.

Aufgrund der Abgeschiedenheit der Insel, die sich fast genau zwischen Neuseeland und Chile befindet, sowie einer Reihe von rechtlichen Hürden, durch die sich Warren einer Anklage in Neuseeland entziehen konnte, wurde er erst letzten Monat offiziell angeklagt.

Laut Radio New Zealand hat Warren den Besitz der Bilder und Videos zuerst damit gerechtfertigt, dass er sich nach den Schuldsprüchen von 2004 verstärkt mit dem Thema Kinderpornografie beschäftigen wollte, um das Ganze besser zu verstehen. Sein Anwalt Tony Ellis argumentierte später auch noch damit, dass die Bilder, die bei Warren gefunden wurden, im Vergleich zu anderen Fällen „moderat" seien. Außerdem müsse man noch den Kontext der Inselgemeinschaft bedenken, in der es nur wenige Erwachsene gibt und sich die meisten Frauen in Beziehungen befinden.

Die Ermittlungen der neuseeländischen Polizeibehörden haben jedoch auch ergeben, dass Warren mit einer jungen Chatpartnerin, die er damals für 15 hielt, eindeutig sexuell konnotierte Unterhaltungen führte.

Zusammen mit drei anderen Vulkaninseln bildet Pitcairn die letzte britische Kolonie im Pazifik. Durch einen Vertrag zwischen Neuseeland, Großbritannien und Pitcairn hat man festgelegt, dass eventuelle Gerichtsverfahren in Neuseeland durchgeführt werden und von dort auch polizeiliche Hilfe kommt.

Es ist noch nicht bekannt, ob Warren seine Haftstrafe als einziger Insasse im Gefängnis der Insel absitzen wird. Die Einrichtung wurde 2004 von den Männern erbaut, die auch für die Sexualverbrechen gegen minderjährige Mädchen verurteilt worden waren.

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Die damaligen Urteile reichten von Sozialstunden bis hin zu sechsjährigen Haftstrafen und unter den Verurteilten befanden sich auch der zu dieser Zeit aktive Bürgermeister Steve Christian sowie dessen Sohn Randy. Während des Prozesses erklärte der vorsitzende Richter das relativ milde Strafmaß damit, dass auf der Insel außergewöhnliche Umstände herrschen würden. Seitdem versucht man auf Pitcairn, den guten Ruf wiederherzustellen, weil man neue Einwohner braucht, um die Bevölkerung der Insel nicht aussterben zu lassen.

Während der Verhandlung bestanden die Angeklagten darauf, dass sexuelle Aktivitäten zwischen erwachsenen Männern und jungen Mädchen ein von Anfang an bestehender Teil des Lebens auf der Insel seien und auf den kulturellen Traditionen der Polynesier, die Pitcairn als Erstes besiedelt hatten, beruhen würden. Bei einer Analyse der Inselgeschichte und anderen Anhaltspunkten fand man heraus, dass die meisten Bewohnerinnen der Insel zwischen 12 und 15 Jahre alt waren, als sie ihr erstes Kind bekamen.

2005 wurden in Neuseeland sechs weitere Männer, die von Pitcairn weggezogen waren, für Sexualverbrechen gegen Kinder verurteilt.

Pitcairn wurde im Jahr 1790 von neun Meuterern des berühmten Segelschiffs Bounty besiedelt. Im Schlepptau hatten sie dabei noch 18 Tahitianer—sechs Männer, elf Frauen und ein Baby. Zu den Pitcairninseln gehören noch die drei unbewohnten Inseln Oeno, Henderson und Ducie. 1838 wurde das Archipel schließlich zur britischen Kolonie erklärt.