
Daan Roosegaarde: [Die Leute in meinem Atelier] haben ständig über die technologische zweite Haut gesprochen. Eines Tages unter der Dusche kam mir der Gedanke, die Metapher einfach wegzulassen und das wörtlich zu nehmen. Ich suchte also ein paar Elektronikhersteller auf. Bei einem stieß ich in einer Ecke auf etwas vollkommen Verstaubtes und fragte, was das sei. Seine Antwort: „Das ist ziemlich uninteressant, dieses Gewebe kann nur zwischen weiß und durchsichtig wechseln.“Welche Leute tragen diese Kleidung?
Wir stellten ein Modell für eine reiche Dame in Los Angeles her. Sie ist verheiratet, hat aber einen Liebhaber. Eigentlich haben wir ein ganz normales Kleid entworfen. Es erkennt allerdings die Stimme ihres Liebhabers. Wenn er bestimmte Worte in einer festgelegten Reihenfolge spricht—die ich aus Vertragsgründen nicht nennen darf—wird das Kleidungsstück durchsichtig. Wir entwerfen gerade eine Version dieses Kleides für die niederländische Königin Máxima. Sie ist total modeverrückt. Sie meinte: „Ich werde es tragen, aber ihr solltet auch ein Modell für Männer entwerfen.“Welche anderen technischen Neuerungen würden sich für die Mode eignen?
Wenn du ein Buch online kaufst, sagt Amazon: „Danke für deine Bestellung, und übrigens, 28 deiner Freunde haben diese Bücher gekauft.“ Was passiert, wenn man diese Denkweise in die Mode einführt? Ich bin immer wieder erstaunt, dass die Modewelt neuen Technologien gegenüber ziemlich immun zu sein scheint.
