Baladi in Kairo

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Baladi in Kairo

Einst waren sie glamouröse Cabaret-Clubs, jetzt sind sie abgeranzt, runtergekommen und nichts ist mehr los, aber immerhin ist das Bier dort billig und die Frauen halbnackt.
3.6.14

Willkommen in den baladi, den düsteren Spelunken von Kairo. Einst waren sie glamouröse Cabaret-Clubs, jetzt sind sie abgeranzt, runtergekommen und nichts ist mehr los. Allerdings sind sie die einzige Möglichkeit, außerhalb einer überteuerten Hotelbar an ein Bier zu kommen. Auf Arabisch bedeutet baladi Volk oder einheimisch. Und die Einwohner von Kairo, die nicht zur reichen Oberschicht gehören, wissen die baladi dafür zu schätzen, dass sie hier für ihr Geld etwas Befriedigenderes bekommen als nur einen Kaffee und eine Shisha.

In den 40er und 50er Jahren war Kairo eine echte Partystadt und die baladis voll mit Bohémiens aus aller Welt. Das änderte sich, nachdem König Faruq im Zuge der Revolution von 1952 davongejagt wurde und der neue Präsident Gamal Abdel Nasser viele Unternehmen verstaatlichte. Seitdem ist das Zentrum von Kairo, das im späten 19. Jahrhundert nach dem Vorbild von Paris gebaut wurde, immer mehr zerfallen.

Die Bars hatten seit den 70er Jahren außerdem unter dem Anstieg des konservativen Islam zu leiden. Für die Besitzer ist es sehr schwer geworden, ihre Schanklizenz zu erneuern oder sie an neue Besitzer weiterzugeben. Für die meisten Bewohner von Kairo sind die Bars sowieso nichts Anderes als Zentren der Sünde, der Prostitution und der Drogen. Sie sind gesellschaftlich extrem schlecht angesehen und wer dort hingeht, tut es heimlich—was einem deutlich wird, sobald man eine Kamera rausholt, um ein paar Fotos zu machen.

Trotzdem kannst du in den baladi eine Menge Spaß haben—vorausgesetzt es macht dir nichts aus, dass du ununterbrochen angequatscht wirst. Du gehst durch Straßen voller verschleierter Frauen und entdeckst in irgendeinem versteckten Hauseingang eine Tür, die dich zu einem Ort führt, an dem Männer herumsitzen, rauchen und selbstgebrautes Bier trinken, während sie eine leicht bekleidete Tänzerin mit ägyptischen Pfundnoten bewerfen. Andere ebenso leicht bekleidete Frauen stehen hinter der Bar, wo sie Erdnüsse knacken und die Männer in Erwartung eines höheren Trinkgelds zum Trinken animieren. Da ausländische Touristen in Kairo zur Zeit ziemlich dünn gesät sind, reißen sie sich um dich, sobald du den Laden betrittst. Ein nützlicher Tipp: Zahle immer gleich nach dem Bestellen, so vermeidest du unschöne Szenen, wenn dir am Ende des Abends die Rechnung präsentiert wird.