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Gründe, warum Linz das Letzte ist

Linz ist ein bisschen wie der Schilling: Eigentlich längst tot, aber für viele (vor allem nach Wien ausgewanderte) Oberösterreicher immer noch der Maßstab für alles Neue. Völlig zu unrecht.
17 März 2015, 3:30pm

Lest hier den zweiten Teil: Mehr Gründe, warum Linz das Letzte ist.

Anfang der 90er-Jahre machte sich ein männlicher Balkanluchs auf die Wanderschaft. Er startete in Serbien, zog über die Pannonische Tiefebene, durch die ungarische Pusta und das Wiener Becken, vorbei an Belgrad, Budapest und Wien—bis er 176 Kilometer weiter auf eine kleine Landstraße kam und bei Linz von einem Auto überfahren wurde.

Der Luchs hatte 1.300 Kilometer quer durch Osteuropa überlebt, aber alles, was es brauchte, um ihn umzubringen, war ein Abstecher nach Linz. Diese Geschichte habe ich von unserem alten Biologielehrer und ich glaube, sie ist ein Code, mit dem er uns zwischen den Zeilen etwas sagen wollte (zum Beispiel „Laaaaauft!").

Linz ist meine alte Heimat und wird deshalb auch immer mein Maßstab für alles Neue sein. Wenn ich heute, nach fast 15 Jahren in Wien (über das ich in dieser Reihe übrigens auch schon einmal geschrieben habe), in einen Heurigen gehe, messe ich ihn immer noch am Linzer Klosterhof und wenn ich einen neuen Club entdecke, frage ich mich immer noch, wo auf der Skala zwischen Empire und Stadtwerkstatt ich ihn ansiedeln würde.

Linz ist für mich das, was für alte Menschen der Schilling ist: ein Relikt, an das man aus völlig unvernünftigen Gründen seine nostalgische Idealvorstellung von Vergangenheit und Jugend knüpft und das in Wahrheit schon damals nicht gut war (erinnert sich eigentlich irgendwer an die Umrechnungskurse??). Alleine, weil es meine Geburtsstadt ist, werde ich Linz für immer lieben. Aber Linz hat auch seine Schattenseiten und ist nicht nur für Balkanluchse manchmal der Todesstoß. Ich habe für euch tief in meinen Erinnerungen abseits vom Biounterricht gekramt und die furchtbarsten Dinge über die oberösterreichische Landeshauptstadt zusammengetragen.

Die Landstraße

Foto von Christian Wirth | LinzWiki | cc by sa

Eine der schlimmsten Eigenschaften von Linz ist, dass es den Aufbau einer Western-Kulisse hat. Die staubige Straße in der Mitte, wo die Saloon-Türen quietschen und die Steppenläufer durchs Bild wehen, heißt bei uns Landstraße und wirkt auf den ersten Blick so, als wäre Linz zurecht Kulturhauptstadt Europas 2009 gewesen. Entlang dieser Route gibt es die Bobo-Bäckerei Brandl, eine Dachspazierroute namens „Höhenrausch", eine Kulinarik-Gaststätte namens (das neue) Josef und seit kurzem sogar einen Liebeskind-Shop. Aber wenn man ein zweites Mal hinsieht, fällt einem auf, dass im Brandl immer die 5 gleichen Hipster ein einzelnes Weckerl kaufen, der „Höhenrausch" ein Disneyland ohne Attraktionen ist, das Josef einen Komasauf-Hafen für Schulabschlussfeiern bietet und im Liebeskind-Shop vor allem die Leute aus und ein gehen, die so wirken wollen, als hätten sie etwas zu tun (was auch der Grund ist, weshalb sie kein Geld haben, um irgendwas von der letztjährigen Kollektion zu kaufen).

Die Landstraße ist der Times Square für Leute aus dem Mühlviertel, aber darüber hinaus einfach nur eine Fassade, die zu kaschieren versucht, dass hinter den Saloon-Türen und dem aufgemalten Sheriff-Office doch nichts anderes liegt als eine Prolo-Meile mit mehreren McDonald's-Filialen und komischen Einzelhandelsrelikten, wo Menschen über 40 ungeniert Glitzerunterwäsche kaufen.

Alles abseits der Landstraße

Wie bei jeder Western-Kulisse ist auch bei Linz das am Traurigsten, was abseits vom Film-Set liegt. Sobald man sich mehr als eine Querstraße von der Hauptschlagader der Landstraße entfernt, verwandelt sich Linz in die Spielwelt von GTA 2, wo alle Straßen gleich aussehen und man keine einzige Türe öffnen kann.

Die einzigen Passanten, die man hier trifft, sind obdachlos und/oder gerade Zigaretten kaufen und wenn man tatsächlich mal ein Lokal findet, das nicht seit 20 Jahren leer steht und mit Plakaten für Reggae-Clubbings oder Studentenfestl zugeklebt ist, ist die Besitzerin ziemlich sicher auch die einzige Kellnerin und gleichzeitig ihr bester Gast (und ich würde wetten, dass alles, was euch dort passiert, schon in einer Folge von Twilight Zone vorgekommen ist). Anders als Graz oder Wien, wo es lebendige Grätzl und Viertel mit einer eigenen Infrastruktur gibt, ist Linz eine einzige Tourismusmeile ohne echte Attraktionen, wo rundherum die Hackler wohnen—und damit städtebautechnisch nicht ganz im 21. Jahrhundert angekommen.

Der Minderwertigkeitskomplex

Foto von Philippe Gerlach

Auch nicht ganz angekommen ist man in Linz bei der Erkenntnis, dass eine Stadt mit 198.181 Einwohnern keine Metropole ist und jeder Versuch, sie krampfhaft wie eine wirken zu lassen, sie nur noch provinzieller macht. Das galt schon für Hitler, der Linz am Reißbrett zur neuen „Hauptstadt" der Ostmark machen wollte, und es gilt immer noch bei solchen Dingen der heutigen Mini-U-Bahn, die nichts anderes ist als der krampfhafte Versuch, mit einem 2,7 Kilometer langen Straßenbahn-Tunnel ein bisschen Weltstadt zu spielen.

Nein Linz, ein Tunnel macht noch keine U-Bahn—genauso, wie rauchende Männer mit Schals noch keine Madison Avenue-Werbeagentur machen und Linz nicht automatisch zur Jetset-Destination wird, nur weil irgendwelche Camp-David-tragenden Bauingenieure am Samstagnachmittag ihre Prosecco-Flöten am Hauptplatz schwingen. Was eine echte Großstadt ausmacht, sind Menschen, die am Sonntag im Pyjama frisches Sashimi um die Ecke holen gehen, ohne von allen blöd angegafft zu werden.

Echte Metropolen geben einen Fick darauf, was irgendwer über sie denkt, sie sind ranzig und abgefuckt und auf dieselbe Art liebenswert wie eine 75-jährige Bloggerin, die seit 10 Jahren mit dem Lippenstift abrutscht, eine Federboa am Kopf trägt und Zwiegespräche mit eingetretenen Kaugummis führt. Wie weit Linz davon entfernt ist, könnt ihr daran messen, wie viele 75-jährige Bloggerinnen oder Sashimi-Esser im Pyjama ihr in der Stadt zählt (oder wie viele Shops überhaupt am Sonntag geöffnet haben). Solche Konzepte sind hier noch genauso weit entfernt wie das 2015 aus Zurück in die Zukunft.

Die Altstadt

Foto von Philippe Gerlach

Apropos Konzepte—hier noch ein lustiges. Das Konzept der Altstadt ist zirka dasselbe wie bei den Hunger Games, nur mit mehr Alkohol und ein bisschen weniger Todesfällen. Ich glaube, es basiert auf der Annahme, dass es für die Persönlichkeitsentwicklung von Jugendlichen förderlich ist, wenn man all die unsicheren, hormonell gestörten Halbmenschen aus den unterschiedlichsten Subkulturen einfach im historischen Stadtkern von Linz zusammenpfercht und beim Partymachen gegeneinander antreten lässt.

Die Folge waren schon in meiner Teenager-Zeit fast wöchentliche Messerstechereien und Massenschlägereien. Einmal saß ich mit Freunden in einem kleinen Lokal in der Hofberg-Gasse, als draußen eine Schlacht der Stahlstadtkinder ausbrach, das wie etwas in Herr der Ringe aussah. Vor dem Fenster türmten sich die Menschen. Plötzlich sperrte der Kellner die Türe zu und meinte: „Hier kommt keiner mehr rein oder raus." Auch die Polizei ging in dem Gewusel völlig unter und wurde mitverprügelt. Als ich ein anderes Mal eine Massenschlägerei bei der Polizei meldete (die ihre Station laut Google Maps 80 Meter entfernt hat), dauerte es 20 Minuten, bis ein schüchterner Streifenwagen an uns vorbeifuhr, ohne stehenzubleiben. Mein Bruder, der 5 Jahre später mit dem Partymachen begann, hat von der Linzer Partykultur einen abgestorbenen Schneidezahn davongetragen.

Natürlich ist das alles nicht die böse Absicht der Stadtregierung und ja, vielleicht sind diese Strukturen auch einfach „natürlich" so gewachsen. Aber ganz ehrlich: bei einem so künstlichen Gebilde wie einer Stadt ist das keine Ausrede dafür, warum man einen solchen Brennpunkt einfach sich selbst überlassen sollte, bis sich sämtliche Lokale gegenseitig ausräuchern. Ich weiß, dass die Gastronomie die Abstände zwischen den Lokalen und den Getränken gerne gering hat, aber noch wichtiger finde ich den Abstand zwischen den Schlägereien. Und da rede ich noch gar nicht davon, dass die Lokale selbst wie eine tschechische Vorstadtversion von Las Vegas aussehen.

Die Altstadtlokale

Foto von Philippe Gerlach

Okay, ich rede doch davon. Denn hinter jedem schlechten Altstadt-Konzept stehen auch mindestens 5 noch schlechtere Lokale, die ihrerseits auch ein bisschen Aufmerksamkeit verdient haben. Auf der schmalen Hofgasse, die vom Hauptplatz direkt ins Verderben führt, liegt die Sega Bar, wo zu meiner Zeit mal ein Mädchen in die Tausend Flaschen Alkohol hinter der Bar gefallen ist und das Vanilli, wo Menschen in Glanzanzügen oder mit Feder am Hut einkehren, die gerne mit 100er-Scheinen zahlen.

Wenn man einfach nur geradeaus weitergeht (was bei einem Besuch in der Altstadt meistens schwieriger ist, als man glaubt), landet man im „Kulturcafé" Smaragd, wo sich jemand, der sich als Besitzer bezeichnet und einen Schlüssel zum Lokal hat, sehr gerne sehr weltoffen gibt und bei der letzten Bierrunde dann nicht nur über das fehlende Jazz-Verständnis der Linzer redet, sondern nicht ganz unironischerweise auch darüber, was er über den Einfluss von Juden in Hollywood und an der Wall Street denkt.

Die zweite große Bar neben dem Smaragd ist das frühere Café Absolut, das heute offiziell Aps heißt (wann auch immer aus dem B ein P geworden ist). Hier habe ich einmal mit zwei netten Neonazimädels über ihre Pillen unterhalten, die ihnen ausgegangen waren, und ein anderes Mal ein Jim Morrison-Portrait von der Wand mitgehen lassen (sorry). Das Beste am Aps ist, dass das Bier so schmeckt, als würde es durch 10 Meter lange Schläuche gepumpt werden, die eigentlich über Umwege ins Klo führen—was einiges über den Rest des Lokals aussagt.

Im Aps wünschte sich jemand beim DJ „Seven Nation Army von den Beastie Boys". Keine weiteren Fragen.

Außerdem ist es im Aps so dunkel, dass man leicht auf einen Metaler treten und aus reiner Blindheit eine Schlägerei auslösen kann. Im Billardraum am hinteren Ende habe ich übrigens auch meine ersten Gehversuche mit meiner ersten Freundin unternommen, indem wir uns nebeneinander auf den Boden gelegt und an die speckige Decke gestarrt haben, nachdem ich ziemlich starke Genickschmerzen vom Headbangen bei meinem ebenfalls ersten Metal-Konzert im StuWe hatte (auf das ich in rosa Plastikjacke, blauer Sonnenbrille und türkisfarbenem Kuhflecken-Shirt gegangen bin und überraschenderweise nur drei Mal ein bisschen geschlagen wurde). Eine Freundin erzählte mir vor kurzem, dass sich jemand beim Aps-DJ „Seven Nation Army von den Beastie Boys" gewünscht hat. Keine weiteren Fragen.

Dann gibt es da noch das El Mariachi, oder El, an das ich mich vor allem deshalb erinnere, weil es früher eine Erlebnistoilette hatte, auf der man als Mann ziemlich authentisch den Barock nacherleben konnte (und damit meine ich 5 Zentimeter hohe Pisslacken). Heute hat das El bessere WCs (auch für Frauen) und das beste Preisleistungsverhältnis für Long Island Iceteas, die ganz gut dabei helfen, das „Puchenauer Saufmenü" zu verdauen.

Zu meiner Zeit gab es außerdem noch den Ostbahn Club, einen bösen Metal-Treffpunkt, der sich, wenn zur Sperrspunde das Licht anging, in ein Oma-Café verwandelte, und das Moskito, das den steilsten und gefährlichsten Stufenaufgang der Altstadt und eine Art überdachten Wintergarten hatte, was bei uns 17-jährigen Säufern natürlich Perlen vor die Säue war. Ebenfalls tot ist inzwischen das sensationelle Elysium, das zur Eröffnung Türsteher mit Schwertern und ein Rollenspieler-Hinterzimmer wie in Zero Charisma hatte. Der Rothe Krebs, so etwas wie das Hipster- und Kunstuni-Lokal der Stadt, hat inzwischen die Reißleine gezogen und ist aus seiner Hochwasser-Bude am Altstadt-Eck inzwischen in ein altes Schiff am anderen Donauufer übersiedelt—oder anders gesagt: raus aus der Altstadt.

Das raue Klima

Foto von Yalda Walter

Nicht nur für junge Menschen, die in ihrem eigenen Hormonsud vor sich hin köcheln, ist Linz ein darwinistischer Alptraumpark. Anscheinend macht das raue Stahlstadt-Klima auch aus älteren Frauen wilde Bestien, die mit Sesseln um sich werfen und Männer mit Messern attackieren. Ich will damit gar nicht sagen, dass sie nicht im Recht sind. Aber alleine die hässliche Möglichkeit, dass in Linz Männer leben, die eine solche Behandlung verdient haben, verstört mich zutiefst.

Vielleicht hängt am Ende auch alles damit zusammen, dass in Linz jeder mit jungen, hormongebeutelten Menschen zu tun hat oder selbst einer ist/war/einen in der Familie hat. So oder so, der Wahnsinn in dieser Stadt liegt auf einem Level mit Monty Python, aber völlig ohne humoristische Cartoon-Einlagen von Terry Gilliam.

Die Hitler-Bauten

Foto von Christian Wirth | LinzWiki | cc by sa

Dass der Nationalsozialismus passiert ist, kann man nicht mehr ändern. Genauso wenig wie den Umstand, dass Linz Adolf Hitlers Lieblingsstadt war (vermutlich aus all den Gründen, die ich hier als hassenswert aufzähle) und dass die Nazis hier einige Gebäude errichten ließen, die glücklicher- oder traurigerweise nicht zerbombt wurden. Als Linzer kennt man diese Gebäude immer noch unter der historisch unbeschwerten Bezeichnung „Hitler-Bauten". Ich habe mit meiner ersten Freundin auch in einer ehemaligen Nazi-Wohnung in der Freistädter Straße gewohnt. Die Wohnungen waren praktisch schalldicht, aber vom Innenhof sehr gut einsehbar—praktisch gegen Kriegslärm, gut für den Blockwart—und sind aus diesem Grund heute noch die perfekte Party-Location, solange man kein introvertierter Nudist ist.

Aber schon als 18-jähriger Party-Host fand ich es immer leicht befremdlich, wenn die älteren Nachbarn die Vorzüge ihrer Immobilie mit Sätzen wie „Der Hitler hat halt noch ordentlich gebaut!" unterstreichen wollten. Wenn man bedenkt, wie fernab vom Schuss die Freistädter Straße liegt und wie lange die älteren Herrschaften hier vermutlich noch zu leben haben, könnte man das alles auch als absterbendes Randphänomen abtun. Aber die Hitler-Bauten haben nicht nur am Rand der Stadt überlebt.

Auch die Brückenkopfgebäude am Linzer Hauptplatz sind Überbleibsel von Hitlers Design-Vision für die Stadt. Und vermutlich wäre auch das nicht weiter schlimm, wenn man sich nicht im Jahr 2003 entschieden hätte, diese Gebäude auf der Brückenseite jede Nacht im Albert-Speer-Fackelzug-Look zu beleuchten. Die Idee hatte vermutlich mehr mit Aufarbeitung als Naziverehrung zu tun—aber weil das Thema im Dezember aufkam und man in Linz während der Adventszeit lieber nicht über Nazisachen nachdenken will, wird man es wohl nie ganz genau wissen. Hier gibt es eine ganze Doktorarbeit, die sich mit dem baulichen Erbe der NS-Zeit in Linz beschäftigt. Das Thema ist also nicht ganz einfach.

Die Hitler-Bauten sind für viele immer noch so etwas wie die Linzer Variante der Autobahn. Irgendwann muss aber auch Schluss mit der Glorifizierung sein. Die Maya haben auch ziemlich tolle Pyramiden gebaut—aber sie haben eben auch Alkohol mit dem Arschloch getrunken (ja, rektal über Einläufe konsumiert). Es gibt wahrscheinlich einen Grund, warum nur ihre Pyramiden und nicht sie selbst überlebt haben.

Die Freundlichkeit

Foto von Philippe Gerlach

Zum Abschluss muss ich euch noch ein Geständnis machen. Ich habe für diesen Artikel viel Zeit in meinen alten Erinnerungen verbracht—und damit meine ich nicht die schönen Sightseeing-Punkte in meinem Gedächtnis, sondern die dunklesten Ecken, wo einem böse Traumata mit dem Klappmesser auflauern und verdrängte Erinnerungen nach Kleingeld fragen.

Während ich alles von meiner ersten Beziehung über meinen schlimmsten Ferienjob bis zu meinen schönsten PlusCity-Momenten durchgegangen bin, habe ich lange nach einem Weg gesucht, diesen Punkt wegzulassen. Aber egal, wie oft ich mir selbst die schlimmsten Eigenschaften von Linz aufgezählt habe, irgendwie bin ich trotzdem immer wieder über die Sache mit der Freundlichkeit gestolpert. Und ganz ehrlich—sie ist wahrscheinlich das Furchtbarste, das Linz hervorgebracht hat.

Denn auch, wenn einen die Betrunkenen hier verprügeln, die Frauen mit Sesseln bewerfen und das Servicepersonal einen nicht ohne aufgestellten Polo-Kragen bedient, sind Linzer in sonst jeder Lebenslage und sogar an der Supermarktkassa (!) so verdammt freundlich, dass man die Stadt am Ende nie wirklich aus vollem Herzen hassen kann. Menschen gehen hier einfach wie Menschen miteinander um, statt sich geistig an den Genitalien zu ziehen. Das Schöne an der Provinz, im Vergleich zu Wien, ist eben, dass hier alle irgendwie immer noch Bauern sind—inklusive einem selbst. Wer sich darauf einlassen und mit der Wursterkäuferin über Weltpolitik reden kann, der wird Linz so entwaffnend freundlich erleben, dass ihr nie wieder weg wollt.

Erklärt Markus auf Twitter, dass es in Kabul und Bagdad viel schlimmer als in Linz zugeht: @wurstzombie

Vielen Dank an Philippe Gerlach für die Fotos.