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Nachtclub-Massaker von Orlando – So erlebt die LGBT-Community das Attentat

Mitarbeiter des Pulse, Menschenrechtler, Prominente und auch der Vater des Attentäters wenden sich an die Öffentlichkeit.
13.6.16
Mahnwache für die Opfer von Orlando vor dem Stonewall Inn, New York City, 13. Juni 2016 | Foto: Imago | ZUMA Press

Die LGBT-Community in Florida und den gesamten USA steht unter Schock, seit ein Mann am Sonntag mindestens 50 Menschen erschossen hat.

Der Anschlag begann gegen 2 Uhr am Sonntagmorgen, als Omar Siddique Mateen im Pulse, einem beliebten Tanzclub in der Innenstadt von Orlando, das Feuer eröffnete. Mateen nahm Clubbesucher als Geiseln. Die Polizei umstellte den Club stundenlang, bevor Spezialeinheiten kurz vor 6 Uhr morgens das Gebäude stürmten und Mateen in einem Schusswechsel töteten.

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Mateens Vater, Mir Siddique, sagte NBC News gegenüber, die Tat habe "nichts mit Religion zu tun", und erinnerte sich daran, dass sein Sohn vor mehreren Monaten in Miami gesehen habe, wie zwei Männer sich küssten.

"Wir waren in Downtown Miami, Bayside. Er sah, wie zwei Männer sich vor den Augen seiner Frau und seines Kindes küssten, und er wurde sehr wütend", sagte Siddique. "Sie haben einander geküsst und berührt und er sagte: 'Seht euch das an. Direkt vor meinem Sohn machen die sowas.' Und dann waren wir auf der Männertoilette und dort haben sich auch Männer geküsst."

Die Besitzer des Clubs Pulse sind Ron Legler und Barbara Poma, die das Geschäft ihrem Bruder zu Ehren eröffnete, nachdem dieser an HIV/AIDS gestorben war—der Name Pulse steht laut Poma für den Herzschlag ihres Bruders, den sie so am Laufen halten wollte. Die Website beschreibt den Club als "einen Ort für Spaß und Fantasie".

Beau Adams, 28, arbeitete früher als Host an der Tür, und sein Freund war Bar-Runner im Pulse. Adams ist zwar Stammgast, doch er war in der Nacht des Anschlags nicht vor Ort. Als er am Sonntagmorgen aufwachte, fand er auf seinem Handy zahlreiche SMS und verpasste Anrufe von besorgten Freunden. Adams sagte, in Orlando gebe es eine enge Community zwischen Homo- und Heterosexuellen; er und sein Freund würden angespannt darauf warten, dass die Behörden die Namen der Opfer veröffentlichen.

In einer durchschnittlichen Nacht im Pulse gebe es "Diversität, mit Heteros, Homos, allen Hautfarben und allen möglichen Stilrichtungen", sagte Adams. "Du kommst rein und siehst glückliche Gesichter. Es ist einfach so schwer zu fassen."

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"Seit ich heute morgen aufgewacht bin, höre ich nur noch Hubschrauber", sagte Adams. "Es ist unfassbar. Das hier ist Orlando. Man denkt nie, dass es einen selbst trifft, aber heute hat es das."

Bereits am Sonntag fanden in Orlando Mahnwachen statt. Adams sagte im Vorfeld, er hoffe, die Community könne "zusammenkommen und einander stärken".

— Vladimir V (@Vladimirblue)June 12, 2016

Auch im Rest der USA und in vielen anderen Städten weltweit finden Mahnwachen für die 50 Opfer statt, darunter im Stonewall Inn, der legendären Homosexuellenbar in New York City. Auch vor der US-Botschaft in Berlin wird heute Mittag der Opfer gedacht.

Präsident Barack Obama hat den Massenmord als "terroristische Tat" und "Akt des Hasses" bezeichnet.

"Heute ist ein besonders tragischer Tag für die LGBT-Gemeinde", sagte Obama, und fügte hinzu, ein Angriff basierend auf der sexuellen Orientierung oder dem Geschlecht sei "ein Angriff auf uns alle".

Aktuell wird in den USA der jährliche LGBT-Pride-Monat gefeiert, den es seit den 1970ern gibt.

Vor Sonntag war der tödlichste Angriff auf homosexuelle Menschen in den USA ein Vorfall von 1973 in einer Bar in New Orleans, in der auch Gottesdienste stattfanden. Dabei schlug ein Feuerball aus dem Treppenhaus durch die Eingangstür, als man sie von innen öffnete. 32 Menschen kamen um, doch niemand wurde jemals dafür belangt.

Die Harvey Milk Foundation, eine Stiftung, die sich für LGBT-Menschen einsetzt, hat eine Mitteilung veröffentlicht, in der es heißt, die Opfer von Orlando seien "ihrer Zukunft und ihrer Träume beraubt" worden, und ihre potentiellen Beiträge zur Gesellschaft seien "uns allen" genommen worden.

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"Hass und Spaltung bringen weiterhin in aller Welt zu viel Trauer hervor und kosten zu viele Leben", heißt es in der Mitteilung. "Mögen wir die Kraft haben, mit den Ursachen des Hasses und der Gewalt fertig zu werden, denen sich Minderheiten in aller Welt gegenübersehen."

My heart aches to release such a sad statement. Orlando LGBT community and leaders being held in our prayers! — Stuart Milk (@StuartMilk)June 12, 2016

Viele LGBT-Promis haben online ihre Solidarität und ihr Beileid bekundet.

I am gay and I am not afraid. Love conquers all. — Ricky Martin (@ricky_martin)June 12, 2016

Sobbing.

— Ellen DeGeneres (@TheEllenShow)June 12, 2016

Orlando: Homophobie tötet. Wir trauern um die Opfer des Terroranschlags

Read: — Volker Beck (@Volker_Beck)June 13, 2016