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Eine Tour durch Salzburgs schlimmste Restaurants

„Avoid or risk emotional disability" sind genau die Bewertungen, die einen veranlassen, eine Tour durch die Restaurants zu machen, von denen man sich eigentlich fernhalten sollte.
14.4.15
„Huhn“ im Restaurant zum Mohren. Alle Fotos von Jonas Herbst.

Man soll ja bekanntlich aufhören, wenn's am Schönsten ist. Irgendwie bedeutet das im Umkehrschluss wahrscheinlich auch, dass man weitermachen muss, wenn's am Schlimmsten ist. Also habe ich nach meiner letzten Tour durch die schlechtesten Restaurants von Wien beschlossen, das Ganze noch mal in Salzburg zu wiederholen.

Immerhin hat mir mein Magen die letzte Verkostung bereits verziehen und genug Feinde habe ich mir in Salzburg auch immer noch nicht gemacht. Und weil ich eigentlich nur noch heimfahre, um meine Familie zu sehen, musste die natürlich mitkommen. Also haben mich mein Bruder, der wie ich, fast alles isst und meine Mama begleitet, die nicht so wirklich alles isst.

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Meine Mama ist, was Essen angeht, der heikelste Mensch der Welt, woran aber eigentlich nur ihre Eltern Schuld sind, weil sie sie Heike genannt haben. Nomen est bekanntlich Omen. Sie hat generell bei diesem Unternehmen eher meinem Bruder und mir beim Essen zugesehen, als wirklich am Experiment teilgenommen, aber Hunger hat sie danach auch keinen mehr gehabt. Mit Hund (irgendwer muss sich ja über die Reste freuen) sind wir also durch die Stadt getingelt und haben folgende Lokalitäten besucht:

Zum Mohren

Bewertungen:
„Unverschämtheit!!!!!",
„The worst Restaurant I've been so far!"

Das Ambiente in dem Restaurant erinnert ein wenig an ein sehr, sehr billiges, von einem Messie betriebenes Bordell. Die Musik ist perfekt auf die abgestimmt, die sich in diesem Keller am ehesten verirren: 80 Prozent italienischer Pop, 10 Prozent amerikanische Lieder aus den 50ern (es läuft „I'm on my Way to a Star", wie mir mein Handy verrät) und 10 Prozent Kitsch aus anderen Ländern und Epochen. Die Romantik wird durch Preise zerstört, die jeden Touristen und Nicht-Touristen auf seinem Weg zu den Sternen ein paar Fausthiebe ins Gesicht versetzen. Kleiner Apfelsaft 3,40 Euro, natürlich kostet auch Leitungswasser etwas.

Das Restaurant, das mit seinem Logo wohl, wenn auch extrem ungeschickt, seine Internationalität beweisen will, bietet österreichisches, italenisches und indisches Essen an und weil wir irgendwie Lust auf Indisch haben, bestellen wir „Murch Moghlai" (sic!)—Hühnerfilets mit Tomatensoße. Auf der gesamten Karte, die gedruckt ist, befinden sich durchgestrichene Wörter, die wahrscheinlich von Touristen ausgebessert wurden. Ein durchgestrichenes „S" bei Pastas, ein durchgestrichenes „E" bei Pesce, dafür ein „I" drübergeschrieben. Das Murch lassen wir so stehen. Es kostet 14 Euro und schmeckt—abgesehen von der Tatsache, dass das Huhn ganz bestimmt kein Huhn ist—nicht schlecht. Mein Bruder bestellt noch einen Kaffee, der Kaffee ist verbrannt (!). Auch das will gelernt sein.

Genau. „Huhn".

Sabroson

Bewertungen:
„Noch nie in meinem Leben so schlecht gegessen",
„Ein kulinarischer Griff ins Klo".

Im Sabroson begrüßen uns Liquidos „Narcotic" und ein übereifriger Kellner. Mein Bruder hat den verbrannten Kaffee im vorigen Restaurant nicht völlig ausgetrunken, also bestellt er hier noch einen—es gäbe nur Kaffee mit Sahne, sagt der Kellner. Ich bestelle Mangosaft mit Leitungswasser. Der Saft besteht fast ausschließlich aus Wasser, der Kaffee ist Löskaffee und die Sahne oben drauf ist sauer. Kurz diskutieren wir darüber, dass der arme Kellner bestimmt einen ganz schlimmen Chef haben muss, der seine Angestellten dazu zwingt, Kunden abzuzocken und fühlen uns daher sehr schlecht für den Kellner, der zwar sagt, dass die Sahne sicher nicht sauer ist, dann aber anstandslos einen neuen Kaffee bringt.

Weil wir ein bisschen leiden möchten, bestellen wir Risotto mit Meeresfrüchten. Mein Bruder sagt erst, dass es gemein ist, so etwas zu bestellen, weil das eigentlich gar nicht gut sein kann, aber meine Mama, die beim Essen nur zusieht, sagt völlig richtig: „Wenn sie es nicht können, sollen sie es nicht auf die Karte schreiben." Das Risotto schmeckt nach absolut nichts außer Salz, die Meeresfrüchte scheinen aus der Dose zu sein und der Reis ist nicht einmal Risottoreis, sondern einfach nur zu lange gekochter, ganz normaler Rundkornreis. Produktionskosten zirka 1 bis 2 Euro, auf der Karte dann 10 Euro. Beim Abservieren reden wir ein bisschen mit dem Kellner, weil er so höflich ist, dass wir uns kaum vorstellen können, dass er mit den Abzocker-Machenschaften seines Chefs einverstanden ist und wir uns ein wenig so fühlen, als müssten wir ihn aus einem Sweatshop in der Salzburger Touristenzone befreien. Es stellt sich heraus, der Kellner ist der Besitzer.

Tokyo

Bewertungen:
„I would rather eat Mozart's left shoe",
„Suppe wie Spülwasser",
„Avoid or risk emotional disability".

Noch völlig fertig von der Tatsache, dass wir alle offensichtlich absolut keine Menschenkenntnis haben, überqueren wir einfach nur die Straße zum nächsten Restaurant. Im Tokyo kommt man erst an einer Abstellkammer und am Klo vorbei. Wenn man es überhaupt hineinschafft und nicht beim Eingang schon an einem epileptischen Anfall gescheitert ist. Drinnen sind wir alleine, der Kellner ist gleichzeitig auch der Koch und meine Mutter, mein Bruder und ich kommen schnell drauf, dass wir den Koch-Kellner kennen. Er hat vor Jahren in einem anderen Restaurant gearbeitet, das genau gegenüber unserer Wohnung gelegen hat, war immer der Erste der kam und der Letzte der ging. Bitte, liebe Salzburger Gastronome: Rettet diesen Mann und gebt ihm einen richtige Job.

Das Essen ist wirklich schlecht und woher die Preise kommen, weiß nur der Teufel. Unten wird alles unglaublich billig angepriesen, oben kostet alles das doppelte. Jeder von uns isst ein bisschen und weil wir den Kellner kennen, isst jeder von uns noch ein bisschen mehr, weil wir uns so schlecht fühlen. Den Kaffee, den ich bestellt habe, kann ich nicht trinken, weil er schmeckt, als wäre eine Katze darin ertrunken. Weil mein Bruder ein guter Mensch ist und nicht möchte, dass der Kellner merkt, wie schlimm wir das alles finden, trinkt er meinen Kaffee aus. Das ist jetzt, nach einem verbrannten und einem mit verdorbener Sahne, sein dritter Kaffee und dementsprechend geht es ihm auch.

Links die Rechnung ohne Mehrwertsteuer, rechts die Rechnung ohne Mehrwertsteuer.

Wir sind mittlerweile an dem Punkt angelangt, an dem wir über Dinge reden, für die wir dankbar sind. Das Licht flackert ab und zu (wahrscheinlich ist das ganze Stromnetz wegen der tausend Lichterketten am Ein- und Aufgang überfordert) und ich warte darauf, dass das Mädchen aus The Grudge unter dem Tisch hervorkommt und mich befreit. Als wir den Kellner nach einer Rechnung fragen, gibt er uns eine ohne Mehrwertsteuer, als ich nach einer Rechnung mit Mehrwertsteuer frage, gibt er uns noch eine ohne Mehrwertsteuer.

Il Sole

Bewertungen:
„The worst restaurant in Salzburg! Stay away",
„Go for the Pizza, ask something else if you feel adventure",
„Seem to hate kids".

Das Il Sole kann man eigentlich gar nicht hassen. Erstens, weil man dort jedes Mal isst, wenn man betrunken ist, weil das „Restaurant" genau zwischen allen Lokalen liegt und zweitens, weil betrunken einfach alles schmeckt. Aber jeder, der die Il Sole-Pizza einmal nüchtern oder zumindest nicht ganz betrunken gegessen hat, weiß, welch Teufelszeug das ist.

Weil die Pizza einfach wirklich wirklich schlecht ist, isst man dort „Pizza mit Soße", was einfach Pizza mit einem Schöpflöffel kalter Tomatensoße aus der Dose ist. Schmeckt nicht besser, aber irgendwie dann auch doch, also isst man sie das nächste Mal beim Fortgehen wieder. Aber wenn wir uns ganz ehrlich sind—so lange man auch nur annähernd zurechnungsfähig ist, geht man einfach nicht ins Il Sole.

Was bleibt

Außer der Ärger darüber, dass man zu viel Geld für minderwertiges Essen ausgegeben hat, bleibt nach einem solchen Tag sehr wenig. Wieso Menschen, die keine Ahnung von Essen und Verkauf haben, Restaurants eröffnen, die zu einem großen Teil dann auch noch schlecht laufen, ist mir ein Rätsel. Unterstützenswert sind sie auf keinen Fall, weil man sich dort einfach wirklich hauptsächlich verarscht vorkommt. Es gibt in Salzburg sehr viele gute Restaurants, nur haben es viele Lokale in der Innenstadt verstanden, Touristen mit falschen Versprechen lauter und aufdringlicher zu sich zu locken. Man darf sich halt nicht über verbrannten Kaffee wundern, wenn man nicht auf die Bewertungen hört.

Hanna auf Twitter: @hhumorlos