Erwartung | Foto: Tokyo Times | Flickr | CC BY-SA 2.0
Alle hassen den Clubfotografen. Er läuft mit einem creepy, lauernden Blick über die Tanzfläche und stört dich, während du gerade mit deinen Freunden die anstrengendste Arbeitswoche deines Lebens vergessen möchtest. Und er hat mit seiner Kamera die Waffe in der Hand, um jede deiner nächtlichen Eskapaden auf Facebook zu verewigen.
Laut unseren Kollegen von Thump sind die Jobvoraussetzungen—neben der Kamera—schlechte Haut sowie eine autistische und soziopathische Veranlagung. Wenn man das liest, könnte man denken, dass diesen Job nur Leute freiwillig machen, die ihr Portfolio dringend vollbekommen wollen—selbst, wenn sie sich damit ins soziale Aus schießen.
Seit drei Jahren fotografiere ich als Amateur auf Events. Und ich liebe diesen Job trotz all seiner Fehler.
"Gibt es Partyfotografen überhaupt noch? Das ist so 2000", sagte mir eine Kollegin, als ich von meinem Job erzählte. Ja, gibt es. Für provinzielle Großraumdiskos gelten die umgekehrten Regeln wie für Wiener Clubs. Wo Letztere sich vor Besuchern kaum retten können und ihren eigenen Mythos gerade dadurch erhalten, dass niemand innerhalb ihrer Wände fotografieren darf, brauchen die anderen Clubs jede nur denkbare Promo.
Konzerte sind das Trostpflaster für tausend Neunziger-Jahrgangspartys
Auf den ersten Blick klang die Job Beschreibung ganz gut: Du stehst überall auf der Gästeliste plus eins. Du beobachtest die skurrilsten Geschichten von Samstagnacht. Zuerst habe ich auf Konzerten geknipst. Das war mein Ding. Na gut, ich durfte nur für die ersten drei Lieder in den Graben vor die Bühne, musste den anderen Pressekollegen ausweichen. Ich musste in die Knie gehen, denn hinter mir wollten noch eine Menge anderer Leute den Gig sehen. Aber trotzdem: So nah und so intim sieht man die Band sonst nur im Backstage-Bereich.
Doch dann kamen die Aufträge in den Großraumdiskos in der Provinz: Main Floor, kleiner Floor, Ballermann-Floor, Bar, Raucherlounge und von vorne. Entweder, du läufst dir die Füße wund, weil du nach willigen Fotomodellen suchst, oder du bleibst im Gedränge stecken. Es gibt keinen Mittelweg und die Kamera ist im dicht gedrängten Club grundsätzlich im Weg—ich kann sie mit zarten 1,65 Metern auch nicht unbedingt über die Köpfe der Vorbeilaufenden heben. Das wäre alles völlig in Ordnung, würde meine Abendbeschallung nicht im Wechsel aus "Traum von Amsterdam" und "Wiggle" bestehen.
Geld ist definitiv kein Grund für den Job
Vergiss das Geld. Viele Fotografen kennen das Problem, jene im Club aber ganz besonders. Weil dein Job vor allem daraus besteht, gestellte Porträtfotos von trinkenden, verschwitzten Gruppen zu schießen, bist du auch als mangelhaft ausgebildeter oder—wie ich—techniklegasthenischer Kameranutzer qualifiziert.
Das Angebot ist einfach: Die Fotografen bekommen Routine im Knipsen, die Agentur möglichst viele Bilder für den Traffic. Für 20 Euro pro Job und kostenlosen Eintritt zu gelegentlichen Großveranstaltungen bin ich vier Stunden lang bei Nacht am Herumwuseln und auf meine eigene Fotoausrüstung angewiesen.
Die Bildbearbeitung mache ich ebenfalls nachts—gar nicht so einfach, nach 20 Club-Runden und wenn man einen sitzen hat. Wo wir schon beim Thema Alkohol sind: Freie Getränke kriegst du im Club nicht, schließlich sollst du klar und fähig bleiben und durch deine Linse schauen und nicht zu tief ins Glas. Ohnehin: Bis man einen anständigen Partypegel erreicht hat, ist der Verdienst des Abends schon weg.
Realität | Foto: Zeitfixierer | Flickr | CC BY-SA 2.0