Wir haben mit Leuten in Berlin über ihre letzten Prügeleien gesprochen

"Ich kann da eigentlich nur Putin zitieren: Wenn ein Kampf unvermeidbar ist, musst du der Erste sein, der zuschlägt."

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Mai 27 2016, 4:00am

Titelfoto: Screenshot via

Der deutsche Mann, so klagt Deutschland spätestens seit der Silvesternacht 2016 in Köln, verkommt zu einem Mängelexemplar. Wer auch immer Schuld daran hat: die Männer selbst, die sich ihrer Verantwortung entziehen, oder aber die Frauen, die ihre großen, starken und edlen Männer nur zu streng an der Leine halten—seit Jahren macht sich die Öffentlichkeit sorgen über die Verweichlichung und "Verweiblichung" der Männer. Der deutsche Bär im Wife-beater-Unterhemd stirbt aus und wo es ihn schon nicht mehr gibt, sind seine Nachfolger unfähig, ihr Territorium zu verteidigen.

So sieht es nicht nur Jörg Baberowski, der deutschen Männern prinzipiell die Fähigkeit zum Umgang mit Gewalt abspricht. Auf Focus Online hat sich nun auch die Junge-Freiheit-Kolumnistin Birgit Kelle eingeschaltet und fordert klar: "Ja, wir wollen Helden!" Es solle mehr mit der Faust geschehen und nicht nur Übergriffe dokumentiert werden—wer so etwas tue, anstatt direkt körperlich zu werden, sei ein Weichei und überhaupt: Bei Stirb Langsam hätte das ja auch nicht funktioniert!

Nun ist Birgit Kelle natürlich eine fragwürdige "Expertin", was Geschlechterthemen angeht, und auch ihre Vorbilder für Männer sind nicht so einwandfrei, wie sie es verkauft. "Wir schmachten vor dem Bildschirm, wenn James Bond die Schönen rettet"—dafür klatscht er seine wunderbar individuell als Bond-Girls geführten Assets auch zuverlässig um, wenn sie den Mund zu weit aufmachen. Nicht so sexy. Doch lieber einen Manfred Horst?

Weil ich mich nicht mit Baberowskis generalisierender Aussage zufriedengeben wollte und es obendrein höchst unfair finde, dass Männern der ganze Spaß am Zuschlagen vorbehalten bleiben soll, habe ich mich umgehört und Leute auf den Straßen Berlins nach ihren letzten Prügeleien gefragt. Von "Ich hab mich noch nie geprügelt, ich bin doch ein MÄD-CHEN" über "Ne ne, wir sind alle brav" bis hin zu "Da musste erst richtige Keulen suchen" wurden mir gegenüber allerdings auch eine Menge unschöner Erklärungsversuche geäußert, warum ich in der kurzen Zeit doch so wenige Frauen für dieses Interview gefunden habe.

Männi, 20, Trier (ohne Foto)

VICE: Erzähl uns etwas über deine letzte Prügelei.
Männi: Die war eigentlich ganz gut. [Lacht] Es ging um eine gewisse Menge Geld und wir mussten das eintreiben. Das haben wir erledigt, indem wir Schläge verteilt haben.

Wie lief das dann ab? Wer hat ausgeteilt, wer hat eingesteckt?
Eigentlich Hälfte-Hälfte, das waren so fünf gegen fünf, ungefähr, vielleicht sechs. Im Grunde war es ein ausgeglichener Kampf, muss ich mal ehrlich sagen. Du musst ja auch mal Schläge einstecken können. Nur austeilen funktioniert halt nicht, du kriegst immer eine mit.

Was waren das für Leute?
Von der Statur her waren das schon erwachsene Leute, es waren halt keine sehr schlanken Leute, sondern schon muskulöser. Ich war 18, da war das auch eine Herausforderung.

Wie hast du dich nach der Aktion gefühlt?
Na, gut! Du brauchst halt Geld zum Leben. Männlich und stark natürlich auch, vor allem bei den Gegnern.

Würdest du dich heute auf die Weise wieder prügeln, um an dein Geld zu kommen?
Nee. Du wirst ja erwachsener und machst sowas nicht mehr. Außer, es hat einen triftigen Grund, sage ich jetzt mal. Dir fährt jemandem ins Auto oder so rein und der sieht, dass er im Unrecht ist. Aber du wirst mit der Zeit ja auch reifer, gehst arbeiten und so weiter, dann ist das ja auch unnötig. Damals war ich jung, hab Scheiße gebaut, aber ich hatte auch eine Entwicklung.

Wie würdest du das heute regeln?
Reden, erst mal reden! Ruhig bleiben. Falls ich keine Lösung an sich finde, muss ich dann halt die Polizei rufen.

Was hältst du von der Aussage, dass Deutsche sich nicht mehr prügeln können?
Schwachsinn! OK, Selbstjustiz ist die eine Sache, du musst das immer für dich selbst entscheiden können, aber ich finde das persönlich einfach dumm.

Jette, 21, Wedding

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VICE: Wann war deine letzte Prügelei?
Jette: Ach, das war vor kurzem erst.

Echt? Wie und mit wem denn?
Mit meiner Schwester. Das war jetzt keine Prügelei aus Boshaftigkeit, sondern einfach aus Spaß. Keine Ahnung, manchmal musst du einfach deine angestauten Aggressionen rauslassen. Und sei es jetzt aus Albernheit oder Langeweile, ich weiß nicht, es passiert einfach. Niemand ist dabei zu Schaden gekommen, es hat einfach Spaß gemacht. Ich glaube auch, dass die meisten sich deshalb nicht prügeln, weil sie zu beherrscht sind. Es war für uns beide auch sehr spaßig und befreiend. Obwohl sie stärker ist und ich deshalb meistens den Kürzeren ziehe, aber darum geht es bei uns eh nicht.

Und wie sieht es mit weniger spaßigen Sachen und blauen Augen aus?
Na, mir hat mal jemand ordentlich ins Gesicht geschlagen und mir eines verpasst, aber da waren wir Kinder. Ich habe aber damals nicht zurückgeschlagen, weil ich dachte, dann bin ich auch nicht besser. [Lacht]

Du hast es oben kurz erwähnt, aber denkst du, dass Leute in Deutschland wieder lernen müssen, sich zu schlagen?
Nee, davon halte ich nichts. Eigentlich ist es doch gut, dass die Leute sich nicht so oft prügeln. Sich aus bösem Willen mit jemandem zu schlagen, finde ich scheiße, aber wenn zwei aus Spaß miteinander kämpfen? Warum nicht?

Gibt es außer Spaß noch andere gute Gründe für einen Faustkampf?
Nein, absolut nicht. Ich regele das prinzipiell mit Worten oder Blicken. Ich weiß aber nicht, was ich tun würde, wenn jemand gegenüber meinen Freunden und mir gewalttätig würde. Ist noch nicht passiert und wir sind auch keine Ziele, warum sollte uns jemand hauen?

Eric, 27, Nuthe-Urstromtal

VICE: Wann war deine letzte Prügelei?
Eric: Die letzte wirklich ernsthafte Prügelei ist bei mir schon gut zehn Jahre her. Aber, ich gestehe: Ich habe da auf einem Stadtfest eine mitbekommen und musste nicht mal zurückschlagen, weil meine Kumpels hinter mir standen und die sich dann darum gekümmert haben. Das war eigentlich das letzte Mal ein ernsthafter Konflikt für mich, bei dem Schläge ausgeteilt wurden.

Warum hast du dir eine gefangen?
Der Grund ist eigentlich gar nicht so einfach zu erklären. Derjenige, den ich da ein bisschen verärgert hatte, war auf meiner Schule und gehörte leider auch zu denen, die sich öfter mal etwas von mir anhören durften. Das war dann sein Rachefeldzug.

Haben Polizisten eingegriffen?
Nee, aber natürlich ein paar Ordner vom Stadtfest. Die sind irgendwann eingeschritten, die Nummer war da aber schon gelaufen. Ich hab eine kassiert, er hat eine kassiert und dann, na ja, verläuft sich das ja wieder.

Wann hast du das letzte Mal ausgeteilt?
Das ist, glaube ich, jetzt zwei Jahre her. Ich neige dazu, Leuten, die mir erklären wollen, dass rechte Einstellungen ernsthaft vertretbar seien—wenn einfach keine Diskussion möglich ist—, mit der flachen Hand ins Gesicht zu klatschen. Wenn ich getrunken habe zumindest. Aber ich kenne die Leute, das ist für uns mehr ein Statement als irgendwas anderes. Ich neige prinzipiell nicht dazu, grundlos irgendjemanden zu verkloppen.

Was hältst du von Leuten, die über prügelunfähige Deutsche klagen?
Schwierig. Ich weiß nicht, ob du das können musst. Ich behaupte schon, dass Deutsche manchmal dazu neigen, ein Stück weit 'nen Stock im Arsch zu haben und lieber irgendetwas intellektuell ausdiskutieren zu wollen, anstatt einfach klar zu sagen—[Klatscht seinen Handrücken gegen die andere Hand]—"Zack! So sieht's aus, so sehe ich das." Vielleicht stellt sich sogar eine gewisse Feigheit ein. Aber du musst dich nicht prügeln können. Wir sind zivilisiert und kultiviert und das muss nicht sein.

Gibt es gute Gründe für eine richtige Prügelei?
Ich denke nein. Es ist nur so, das ist vielleicht ein halber Grund: Manch einer neigt halt dazu. Ich kenne das ja auch. Wenn der Adrenalinspiegel hoch ist oder so, hast du dich da schwer im Griff. Aber das ist kein Grund. Also gute Gründe gibt es dafür nicht.

Lukas, 20, Bielefeld

VICE: Hast du dich in letzter Zeit geprügelt?
Lukas: Ja, zwei, drei Monate dürfte das jetzt her sein. Wir waren in einer Disco und ein besoffener Typ hat sich ziemlich daneben benommen. Liegt vielleicht auch ein bisschen an dem Beatdown, der da läuft, dass es auf Konzerten und in der Disco etwas härter abläuft. Er hat im Suff mit Absicht auf Leute eingetreten und um sich geschlagen, aber halt auf eine völlig bescheuerte Art und Weise. Da hat sich das so ergeben, dass ich ihm eine reingedrückt habe.

Was ist dann passiert? Hat er reagiert?
Ehrlich gesagt nicht so wirklich. Als er versucht hat, nach mir zu treten, hab ich ihn weggeschubst und ihn dabei wohl unsanft am Hinterkopf getroffen.

Gab es Ärger mit der Security oder der Polizei?
Nein, da nicht. Ich hab es schon hin und wieder mal mitgekriegt, dass das passiert, aber in dem Laden ist es ja eh so, dass immer härtere Musik läuft. Da ist es ohnehin schwieriger rauszufliegen.

Kann ich mir vorstellen. Warst du ansonsten schon in einer Situation, in der du richtig eingesteckt oder richtig ausgeteilt hast?
Schwierige Frage. Es gab eine Geschichte, bei der ein Kumpel ordentlich eingesteckt hat. Bis auf ein, zwei Fäuste habe ich noch nichts wirklich abbekommen. Wir waren auf dem Nachhauseweg von einem Geburtstag und uns sind ein paar Typen entgegengekommen, die sich uns in den Weg gestellt haben und meinten, uns nicht durchlassen zu müssen. Mit der Zeit sind sie aggressiver geworden und haben angefangen, meinen Kumpel zu schubsen. Er hatte aber noch ein Fünf-Liter-Bierfass von der Party mitgenommen und war selbst total besoffen. Irgendwann ist bei ihm die Sicherung durchgebrannt und er hat ihm das Bierfass durch die Fresse gezogen. Dadurch, dass die ein paar mehr Leute hatten als wir, hat sich daraus eine Schlägerei ergeben. Unsere Kollegen haben sich größtenteils herausgehalten und die Polizei gerufen, die erst einmal fälschlicherweise meinen Kumpel auf's Auto gedrückt und ihm Handschellen angelegt haben. Der andere Typ kam ihm hinterher und wir konnten erklären, dass er diese ganze Situation provoziert hat.

Wie war euer Gefühl danach?
Na ja, wir waren alle ziemlich besoffen. [Lacht] Es ist auf jeden Fall ein aufputschendes Gefühl danach. Auch wenn es bescheuert klingt: Du fühlst dich gut. Ich meine, Endorphine werden ausgeschüttet, Adrenalin, das macht was mit dir.

"Deutsche können sich nicht mehr physisch verteidigen." Was sagst du dazu?
Wenn ich überlege, wie oft ich schon blöd angemacht wurde—wahrscheinlich auch mit der Intention, dass ich darauf eingehe und eine Schlägerei daraus wird—, denke ich sicher nicht, dass es zu wenig Schlägereien gibt oder dass niemand reagiert. Wer Stress sucht, der findet auch Stress.

Marcel, 26, Lichtenberg

VICE: Wann war deine letzte Prügelei?
Marcel: Das war vor circa drei Monaten bei einem Hertha-Spiel.

Also in Richtung Hooligans?
Ja, es waren gegnerische Fangruppierungen—Ultras von Hertha gegen die Ultras der anderen. Wir haben Einzelkämpfe gemacht, jeder hat sich halt irgendjemanden herausgesucht und mit ihm gekämpft. Das ist halt die Fanrivalität, die du in Deutschland so kennst. Nicht hooligan-like, sondern Ultras eben. Wir versuchen, uns zu profilieren und herauszufinden, wer der Bessere und Stärkere ist. Ich habe dann auch böse kassiert und muss ganz ehrlich zugeben, dass ich der Erste war, der am Boden lag. Ausnahmsweise mal. [Lacht]

Wie habt ihr euch danach gefühlt? Also, abgesehen von den Schmerzen, natürlich.
Hinterher haben wir mit den Gegnern zusammen Bier getrunken, das ist bei uns Standard. Wir treffen uns, wir schlagen uns und am Ende trinken wir ein Bier zusammen.

Macht euch das Spaß, euch regelmäßig so auf's Maul zu geben?
Eigentlich nicht, weil bei Treffen von Ultras immer noch eine dritte Gruppierung zur Prügelei kommt: die Polizei. Die teilt da nochmal stärker aus. Von deren Seite gab es regelrechte Hetzjagden und ich wurde auch erwischt. Pfefferspray, Schlagstöcke, ich habe ein paar schmerzhafte Sachen abbekommen. Du überlegst dir dann auch, ob du das beim nächsten Mal nochmal machst und ich bin jetzt so weit, dass ich sage: Es bringt einfach nichts mehr, sich zu schlagen. Ich finde es jetzt einfach nur noch dämlich. Soll jeder machen, was er will. Provoziert mich jemand, wehre ich mich mit Worten. Greift mich jemand an, verteidige ich mich—das ist das einzige, was ich mache. Ich habe mir auf jeden Fall vorgenommen, nicht mehr aus reiner Lust zuzuschlagen.

Findest du, dass sich Leute in Deutschland nicht mehr prügeln oder wehren können?
Na ja, es geht zurück, sagen wir es mal so. Das meiste, was jetzt passiert, hat mit Waffen zu tun. Ich bin der Meinung, wenn du dich prügeln möchtest und das auch wirklich willst, solltest du das mit Fäusten machen und nicht mit Stich- oder Hiebwaffen oder schweren Gegenständen. Ich finde schon, dass du dich in Deutschland nicht mehr richtig prügeln kannst, aber deshalb, weil alle mit Waffen hantieren. Das ist Scheiße.

Robert, 18, München

VICE: [An Robert und seine Freunde] Jungs, irgendsoein Alman meint, dass die Deutschen sich nicht mehr prügeln können.
Robert: Ich finde, so kannst du das nicht sagen. Ich meine, Deutschland ist ein großes Land. Es gibt auch mittlerweile viele "Ausländer" mit deutschem Pass. Ich habe auch schon viele Deutsche gesehen, die seit vielen, vielen Generationen hier sind und schon den größten Kanaken und den breitesten Viechern aufs Maul gehauen haben. Ich kann das nicht so einschätzen. In jedem Land gibt es irgendwelche Lappen, die keine Faust hochbekommen und Leute, die mit dem Kopf durch die Wand brechen.

Prügelt ihr euch?
Kumpel: Wisst ihr noch, damals mit Alper?

[Alle lachen]

Robert: Vor 'nem halben Jahr habe ich mich das letzte Mal geprügelt. Ich war mit ein paar Freunden im Club und der Türsteher meinte, dass ein Kumpel von mir nicht reinkommt. Der war halt auch ein bisschen angetrunken, hat Streit gesucht, dies, das. Da kam ein zweiter Türsteher dazu und hat meinem Kumpel einfach eine übergezogen, zwar nicht mit der Faust, aber immerhin mit der flachen Hand. Dann ist wiederum der ausgerastet, hat dann dem Türsteher eine gegeben und ich bin halt mit rein und habe auch ausgeteilt. So haben wir uns mit den Türstehern geboxt.

Wie ging das aus?
Mein Freund musste ins Krankenhaus, meine Hand war geschwollen und ein Türsteher war auch am Boden. Ein negatives Nachspiel mit dem Club gab es gar nicht, weil die auch eingesehen haben, dass es von dem Türsteher kein korrektes Verhalten war. Die meinten, es sei alles cool und wir haben auch zwei Freikarten für den Club bekommen. Bullen kamen auch nicht: Die Türsteher hatten ja Respekt, dass wir den größten von ihnen auf den Boden gekriegt haben.

Wie ging es euch danach?
Wie soll man sich da fühlen? Ich fetze mich ja nicht, weil ich den Adrenalinkick suche oder so, sondern nur, wenn es auch sein muss. Es ist ja nicht so, dass ich auf die Straße gehe und zum Nächstbesten hingehe, um ihm auf die Fresse zu hauen. Das passiert halt, da fühle ich mich weder gut noch schlecht danach. Du bist halt ein bisschen aufgeregt, aber sonst gar nichts.

Wie siehst du eigentlich Prügeleien allgemein?
Ich kann da eigentlich nur Putin zitieren: Wenn ein Kampf unvermeidbar ist, musst du der Erste sein, der zuschlägt.

Versuchst du das manchmal auch anders zu regeln?
Natürlich, das ist es ja. Wie gesagt, ich will mich ja nicht immer hauen. Wenn einer Streit sucht, versuche ich, deeskalierend zu wirken und wenn er halt wirklich darauf aus ist, mir eine reinzuhauen, schlage ich zuerst zu. Ich warte nicht darauf, dass der auf mich losgeht.

Simone, 25, Hellersdorf

Wann und warum hast du dich zuletzt geprügelt?
Das war vor zehn Jahren, noch in der Schule. Zu dem Zeitpunkt ist mein Vater gestorben und ein Kollege aus meiner Klasse meinte knallhart: "Dein Vater hätte lieber auf eine heiße Herdplatte wichsen sollen, dann hätte es zwar kurz gestunken, aber du wärst nicht entstanden." Daraufhin habe ich zugeschlagen. Das ist auch ganz böse ausgeartet, ich habe ihm das Nasenbein gebrochen und bekam einen Schulverweis.

Hat er sich gewehrt?
Ein bisschen, aber er konnte nicht wirklich viel tun. Ich war schon immer stabil, er dagegen ganz schmächtig und er hatte dementsprechend keine Chance.

Wie war das für dich, gerade mit der Vorgeschichte?
Es war sehr befriedigend und ich habe mich auch definitiv erlöst gefühlt, weil da schon immer Spannungen zwischen uns geherrscht haben.

Wie stehst du generell zu Prügeleien?
Mittlerweile stehe ich eher negativ dazu. Ich finde, du kannst das anderweitig klären: mit Worten, insofern du dich artikulieren kannst. Ich schaffe das größtenteils, auch wenn ich manchmal wirklich weghören und einfach weiterlaufen muss. Manchmal kann ich mich dann verbal wehren, aber größtenteils überhöre ich es einfach.

Was hältst du von der These, dass sich Deutsche—insbesondere Männer—nicht mehr körperlich wehren und verteidigen können?
Davon halte ich nicht viel. Ich kenne sehr viele aus meinem Umkreis, die sich wehren können und auch zuschlagen, wenn es sein muss. Aber es kommt nicht mehr so häufig vor, das ist wohl wahr. Und so finde ich das auch in Ordnung: Warum solltest du zuschlagen, wenn du es verbal klären kannst?

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