Wie eine SPD-Abgeordnete ihr Leben erfunden hat

Die Politikerin Petra Hinz hat sich ihr Abi und ihr Studium einfach ausgedacht. Weil #yolo.

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Juli 20 2016, 7:27am

So freundlich. So unwahr | Pressefoto von Petra Hinz

Petra Hinz, SPD-Bundestagsabgeordnete aus Essen, hat eine eher unaufregende Politiker-Biografie: Abitur 1984, Praktikum bei der Sparkasse, Jurastudium mit erstem und zweitem Staatsexamen. Von 1995 bis 2005 als Juristin tätig.

Nur—davon stimmt leider fast nichts.

Wie der Journalist Pascal Hesse im Informer Magazine berichtet, hat die Abgeordnete große Teile ihres Lebenslaufs einfach frei erfunden. Sie hat weder Abitur, noch hat sie studiert oder irgendein Staatsexamen abgelegt. Nachdem die Redaktion die Abgeordnete konfrontiert hatte, kündigte Hinz an, sich aus der Politik zurückzuziehen und nicht wieder für den Bundestag zu kandidieren.

Mittlerweile hat sich Hinz über ihren Anwalt geäußert und die Vorwürfe bestätigt: Petra Hinz hat "keine allgemeine Hochschulreife erworben. Sie hat darüber hinaus kein Studium der Rechtswissenschaften absolviert und auch keine Juristischen Staatsexamina abgelegt."

Die "juristischen Tätigkeiten", über die Hinz u ihrer offiziellen Bundestagsbiografie angibt, scheinen genauso frei erfunden zu sein. Ihr Anwalt schreibt dazu: "Es ist klarzustellen, dass Frau Hinz zu keinem Zeitpunkt rechtsberatend tätig war. Ihre Angestelltentätigkeit in den Jahren 1999 bis 2003 war nicht juristischer Natur."

Die Biografie von Hinz auf der Website des Bundestages liest sich allerdings weiterhin so:

"1995 bis 1999 tätig als freiberufliche Juristin, 1999 bis 2003 Juristin im Management eines Konzerns für den Bereich Immobilien, Bewirtschaftung, Expansion und Reorganisation. 2003 bis 2005 tätig als freiberufliche Juristin im Krisen- und Projektmanagement."

Womit Hinz zwischen 1995 und 1999 und zwischen 2003 und 2005 (danach wurde sie in den Bundestag gewählt) ihr Geld verdient hat, bleibt unklar.

Screenshot von Hinz' Bundestagsbiografie

Warum die SPD-Frau seit über 20 Jahren lügt, scheint sie dabei selbst nicht ganz zu begreifen. Angeblich hat sie Mitte der 90er versucht, auf dem zweiten Bildungsweg ihr Abitur nachzuholen. Hat nicht funktioniert: Sie musste "diesen Versuch (...) bereits nach etwa einem Jahr wieder aufgeben", schreibt ihr Anwalt. Hinz war damals schon Mitglied im Essener Stadtrat und scheinbar zu gestresst von ihren Aufgaben, als dass sie Zeit gehabt hätte, ihre kreative Biografie etwas unkreativer zu gestalten. Möglicherweise wäre es damals eine gute Idee gewesen, ein Fantasie-Sabbatical von ihrer Fantasie-Juristentätigkeit zu nehmen, und einfach Abitur zu machen.

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