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Wie du Silvester feierst, ohne ein Arschloch zu sein

Was ihr zwischen 'Dinner for One' und lebensgefährlichem Tischfeuerwerk beachten müsst, wenn ihr das neue Jahr nicht ohne Freunde beginnen wollt.
30.12.15

Foto: Dennis Skley | Flickr | CC BY-ND

Ach, Jahresende. Du dunkle, durchfeierte Zeit, die du unsere Lebern aufs Höchste belastet. Gerade noch haben große Teile der deutschen Bevölkerung mit rauen Mengen Glühwein und „dem guten" Wein zum Festtagsessen versucht, die Weihnachtsfeiertage im Kreis der Familie durchzustehen, da steht schon Silvester vor der Tür und zwingt uns erneut zum Anstoßen. „Hölle!", denken wir uns, während wir gierig am Sektkorken rumfummeln und uns einreden, im kommenden Jahr echt mal kürzer zu treten mit dem Trinken und dem Rauchen. Während der Jahreswechsel eine ziemlich gute Zeit ist, um sich selbst zu belügen, bietet er aber auch jede Menge soziale Fallstricke und Fettnäpfchen, die es zu vermeiden gilt—zumindest dann, wenn man das neue Jahr nicht damit beginnen möchte, sich neue Freunde zu suchen. Wir haben da mal was vorbereitet.

Befreie dich von dem Gedanken, dass alles wahnsinnig spektakulär werden muss

Es ist verständlich, Feiertage mit Emotionen zu verbinden, die man als Kind hatte. Deswegen werden auch viele Mittdreißiger vor dem Weihnachtsbaum in Muttis Wohnzimmer wieder zum Grundschulkind, das es kaum erwarten kann, die Päckchen aufzureißen. Silvester hingegen dürfte für den Großteil von uns der einzige Tag im Jahr gewesen sein, an dem man auch als kleines Kind noch spektakulär lange aufbleiben durfte (oder als Teenager im Kreise der besten Freunde die ein oder andere Alcopop-Flasche vernichtet hat). Und genau diesen Zauber, diese Faszination, diese Schübe des jugendlichen Glücks versuchen viele Menschen da draußen zu reproduzieren, wenn sie ihre Jahreswechselparty planen.

Da werden Leute ein- und wieder ausgeladen, das geplante Menü für Fondue oder Raclette verworfen, weil das irgendwie „sozialer" ist, da werden Schweizer-Kracher gekauft, als gäbe es kein Morgen und zu guter Letzt, dann, wenn alle vollgefressen und mittelschwer betrunken in den Stühlen hängen, zum nächsten Event-Punkt übergegangen. (Blei gießen, tanzen gehen, bei irgendeiner fragwürdigen Hausparty mit „echt witzigen Leuten" vorbeischauen—sucht euch was aus.) Dabei ist es gerade dieser Druck der ultimativen Feier zum Jahresabschluss, der Silvester zu so einer stressigen und für viele Leute unerträglichen Sache macht. Konzentriert euch für den letzten Abend des Jahres auf das, was euch auch in den vorherigen 12 Monaten schon am meisten Spaß gemacht hat und verabschiedet euch von der Vorstellung, dass es für euch als junge, aufregende Menschen elementar wichtig ist, das Jahr in einem Club ausklingen zu lassen. Eure hohen Erwartungen kann sowieso nichts und niemand gerecht werden. Was uns auch direkt zum nächsten Punkt bringt:

Foto: Ginny | Flickr | CC BY-SA 2.0

Ändere nach Mitternacht niemals den Plan, nur weil du betrunken bist

Nichts ist schlimmer, als wenn man sich darauf geeinigt hat, Silvester ganz entspannt im kleinen Kreis bei irgendjemandem zu Hause zu verbringen und kurz nach Mitternacht ein ebenso übereuphorisierter wie besoffener Bekannter aufspringt und in die Runde ruft: „Lasst uns rausgehen! Lasst uns tanzen gehen! So kann der Abend nicht enden!" Doch. Kann er. Sollte es nicht mehr möglich sein, rein argumentativ zu besagter Person durchzudringen, bietet es sich an, sie mit einem Tischfeuerwerk abzulenken, mit ordentlich Luftschlangen an ihren Stuhl zu fesseln und so lange vor dem Rechner Dinner for One schauen zu lassen (Kopfhörer nicht vergessen!), bis sie sich wieder beruhigt hat. Apropos …

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Die Sache mit ‚Dinner for One'

Es gibt keinen Grund dafür, jedes Jahr aufs Neue die geladenen Gäste dazu zu zwingen, Dinner For One zu schauen. Egal, wie traditionsbehaftet es sein mag. Wie oft kann man einem besoffenen Butler dabei zuschauen, wie er im Versuch, seine psychotische Chefin glücklich zu machen, über den Kopf eines ausgestopften Tieres fällt? Eben. Und wenn wir schon dabei sind: Lasst den Fernseher doch direkt aus. Wer sind diese Menschen, die sich allen Ernstes die Live-Übertragung von der Silvesterfeier am Stephansplatz reinziehen, aufgeregt die letzten Sekunden des Countdowns mitsprechen und dann, wenn ihnen das überdrehte Moderatorenduo versichert, dass jetzt echt wirklich das neue Jahr angefangen hat, euphorisch mit Asti anstoßen? Niemand möchte wie sie sein—man möchte sich nicht mal mit ihnen im selben Raum befinden. Schreibt euch das hinter die Ohren.

Es ist nicht notwendig, jeden nach seinen guten Vorsätzen fürs neue Jahr zu fragen

Es ist nur menschlich, sich bestimmte Wendepunkte im Leben zum Anlass zu nehmen, ein gesünderer, erfolgreicherer und im Allgemeinen besserer Mensch zu werden. Ich zum Beispiel möchte im kommenden Jahr nicht mehr Rauchen, kaum noch Trinken und jemanden endlich erfolgreich dazu bringen, mir einen Entsafter zu schenken. Genauso legitim wäre es allerdings, würde ich mir vornehmen, in Helmut Schmidts Glimmstängel-Fußstapfen zu treten, mit World of Warcraft anzufangen und endlich mal bei Frauentausch mitzumachen—als Vertreterin der Asi-Familie. Andere wiederum sind verdammt glücklich mit ihrem Leben und wollen absolut gar nichts daran ändern. Oder zumindest nicht im Januar, einem der schlimmsten Monate überhaupt, in dem der Jahresurlaub noch in weiter Ferne liegt und das Wetter beschissen ist. Deswegen: Vermeidet es, mit esoterisch verklärtem Gesichtsausdruck von Person zu Person zu tingeln und sie danach zu fragen, wie sie gedenkt, ihr beklagenswertes Leben im kommenden Jahr um 180 Grad zu drehen. Vor allem, wenn sich der Fondue-Topf mit heißem Fett in unmittelbarer Nähe befindet.

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Begrenze dein Schweizer-Kracher-Zeitfenster auf 30 Minuten

Lassen wir eben außer Acht, dass Feuerwerk eine unfassbare Geldverschwendung ist, ganze Straßenzüge in Schlachtfelder verwandeln, Haustiere an den Rand eines Nervenzusammenbruchs bringen und diese beschissenen Schweizer-Kracher absolut nichts tun, außer einem das Trommelfell zu zersägen. Nehmen wir an, ihr wisst all das und könnt trotzdem nicht davon ablassen, den Verlust von Gliedmaßen und Hörsinn zu riskieren, um den Jahreswechsel mit Lärm, Gestank und ein bisschen bunten Lichtern zu begrüßen: Das Mindeste, was ihr tun könnt ist, es nicht zu übertreiben.

30 Minuten sind eine ziemlich gute Zeit, um die gekauften Schätze abzufeuern, dabei noch das ein oder andere Gläschen gegen die Kälte zu trinken und sich beim Blick in den Himmel andächtig aneinander zu kuscheln. Dann ist es aber auch bitte wieder gut. Niemand, ich wiederhole, NIEMAND möchte nach den Feiertagen an einem vorzeitigen Herzinfarkt sterben, weil irgendein Vollidiot es lustig findet, die übrig gebliebenen Schweizer-Kracher in der U-Bahn zu zünden oder auf Passanten zu werfen.

Foto: Sascha Kohlmann | Flickr | CC BY-SA 2.0

Sei nicht beleidigt, wenn niemand auf deine „Frohes Neues"-Massennachricht reagiert

Zwei Dinge. Erstens: Es macht euch nicht zu besseren Freunden, an eure halbe Kontaktliste einen generalisierten Text zu verschicken, in dem ihr euch für das vergangene Jahr miteinander bedankt und allen einen guten Rutsch wünscht. Zweitens: Es macht eure Freunde nicht zu schlechteren Menschen, wenn sie merken, dass es sich dabei um eine unpersönliche Massennachricht handelt und demzufolge davon absehen, mit einem personalisierten Text zu antworten.

Ja, es wäre unhöflich, jemandem kein Frohes Neues zu wünschen, wenn man ihn kurz vorm Jahreswechsel sieht oder am 31. noch über WhatsApp/Facebook/Woauchimmer in Kontakt steht. Ich persönlich bin allerdings noch nie davon ausgegangen, dass mir irgendein entfernter Bekannter für das kommende Jahr nur das Schlechteste wünscht, weil er sich nach wochen- oder monatelanger Funkstille nicht per SMS bei mir gemeldet hat.

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Außerdem kommt der Großteil der Silvester-Nachrichten sowieso erst Stunden später an.

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Akzeptiere, dass nicht jeder Silvester feiern möchte

So wie wir euer Recht darauf akzeptieren, jeden dieser Ratschläge hier zu ignorieren und euch zum Jahreswechsel wie Arschlöcher zu verhalten, solltet ihr Leute in Ruhe lassen, die keinen Bock auf Silvester haben. Für viele da draußen ist der Beginn eines neuen Jahres kein Grund zu feiern. Vielleicht, weil sie miesepetrige Stubenhocker sind. Vielleicht aber auch, weil die vergangenen zwölf Monate für sie richtig scheiße gelaufen sind und sie einfach keinerlei Grund sehen zu glauben, dass es in den nächsten zwölf besser wird. Was auch immer der Grund sein mag: Lasst sie in Ruhe. Hört auf, ihnen das Gefühl zu geben, dass sie sozial isolierte, depressive Versager sind, die sich um ihr Leben sorgen machen müssen, wenn sie am 31. lieber auf der Couch bleiben.

In diesem Sinne: Nehmt eure Konfetti-Kanonen und Tischfeuerwerke, wünscht euren Eltern vor dem großen Mobilnetzzusammenbruch ein frohes Neues und tut nichts, was wir nicht auch tun würden.

Für weitere Lebensratschläge könnt ihr Lisa bei Twitter kontaktieren.