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Sex

Geschichten aus dem Leben einer Putzfrau

Falls ihr denkt, dass Italien ein schlimmes Müllproblem hat, wenn die Mafia mal wieder bockiges Kind spielt, dann habt ihr noch nie eine Studentenwohnheimküche nach einem langen Wochenende gesehen.
Laffy4k | Flickr | CC BY 2.0

Putzfrauen gehören einer Berufsgruppe an, die eigentlich eine Gefahrenzulage verdient hätte. Falls ihr denkt, dass Italien ein schlimmes Müllproblem hat, wenn die Mafia mal wieder bockiges Kind spielt, dann habt ihr noch nie eine Studentenwohnheimküche nach einem langen Wochenende gesehen. Was für Superman Kryptonit ist, ist für die Putzfrauen die Unordnung (und damit der Stundent an sich). Mit dem einzigen Unterschied, dass die Damen nicht wie ein Schlappschwanz an der Wirkung zusammenbrechen, sondern sich zusammenreißen und einfach die Welt retten.

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Von Irene (Name geändert) haben wir uns erklären lassen, dass es nie langweilig ist, mit Studenten zusammenzuarbeiten. Wenn sie davon spricht, dass sie sich bei jungen Leuten automatisch selber jünger fühlt, dann klingt sie wie ein lieber, alter Mensch, der schon viel erlebt hat. In ihrer Dienstzeit gab es mal skurrile, mal tief-traurige Momente. Trotzdem bereut sie es heute nicht, 19 Jahre in der Branche gearbeitet zu haben. Der nachfolgende Text ist eine Nacherzählung aus ihrer Sicht.

Wenn ihr die Arbeit einer Studentenheim-Putzfrau schon widerlich findet, dann werdet ihr diesen Job auch nicht machen wollen:

Techtelmechtel

Wenn wir in ein Zimmer gehen möchten, um die Bettwäsche zu wechseln, zu putzen, oder etwas mit den Bewohnern zu besprechen, müssen wir sehr laut klopfen. Mittlerweile können wir den Raum auch betreten, wenn der Schlüssel von innen steckt, das ist aber erst seit einigen Jahren so. Und natürlich dürfen wir eintreten, wenn niemand zu Hause ist.

Einmal bin ich hereingeplatzt, als es so richtig unpassend war. Da war dann nicht nur ein Mädchen im Bett, sondern zwei, mitten im Liebesspiel. Ich habe mich dann sehr schnell entschuldigt und bin raus gestürmt. Am nächsten Tag habe ich eine Schokolade von der Bewohnerin bekommen—ihr war es ja noch peinlicher als mir.

Ein anderes Mal führte ich eine Interessentin durch das Heim, die in den kommenden Monaten einziehen wollte. In diesem Fall war die ganze Familie mitgekommen. Ich wusste, dass ich dem Mädchen das eigentliche Zimmer noch nicht zeigen konnte, weil es noch bewohnt war. Also gingen wir also in ein anderes, das denselben Grundriss hatte.

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Neben den Betten war eine schmale Leiste angebracht, auf die man Bilder stellen konnte. Nur standen in diesem Zimmer keine Bilder darauf, sondern ein Dutzend Gleitgele und besondere Kondom-Packerungen. Ich setzte ein Pokerface auf und auch die Familie ließ sich nichts anmerken. Nachdem alle weg waren, lachten wir uns aber kaputt. Das Mädchen wurde dann später in das Zimmer mit den Gleitgelen verlegt.

Der private Drogeriemarkt

Vor einigen Jahren musste ich in einem anderen Haus putzen. Das Heim war erst vor kurzer Zeit komplett erneuert worden und so waren die Preise natürlich höher angesetzt. Ich hatte bis dahin nur in den sehr billigen Heimen geputzt.

Ich machte mich also in einem der neuen Mini-Appartement an die Arbeit und kam schließlich zum Badezimmer. Dort fiel mir auf, dass in der Dusche nicht nur zwei Duschgels und vielleicht zwei Shampoos standen—solche Appartements teilen sich immer zwei Studenten—, sondern fast zehn verschiedene. Auch die kleinen Regale waren prall gefüllt mit allerlei Haarschaum, Körperlotionen und anderen Tuben. Das hat mich so schockiert, dass ich den Hausmeister rief. Ich erklärte ihm, dass in dem Zimmer illegal mindestens fünf Menschen, wenn nicht mehr, leben mussten. Das wären zwar ziemlich viele Personen für 30 Quadratmeter, aber es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass die Studenten Freunde bei sich wohnen lassen.

Als wir beide dann im Badezimmer standen, um uns die Sache genauer anzuschauen, kam eine der zwei Zimmerbewohnerinnen nach Hause. Sie ließ sich die Sache erklären und zeigte ihr Zimmer, um das Missverständnis aus dem Weg zu räumen. Tatsächlich wohnten dort keine fünf Menschen, sondern nur zwei Mädchen, die ein bisschen eitel waren. Mir war das ganze natürlich sehr peinlich.

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Der Feuermelder

Ich weiß, dass Studenten immer nur sauer auf den Feuermelder sind und niemals froh, dass es ihn gibt und er eigentlich ihr Leben retten könnte. Ich kann das total verstehen. Es gibt ganz viele Geschichten darüber, dass nur harmlos gekocht wurde und trotzdem die Feuerwehr anrücken musste. Ich war zwar nie dabei, aber ich habe sehr oft mitbekommen, dass sich betrunkene Studenten sich Würstchen anbraten wollten oder in der Dusche eingeschlafen sind und dann den Feueralarm ausgelöst haben. Obwohl es schon auch seltsam ist, dass jemand in der Dusche einschläft, aber bitte.

Ich war nur einmal hautnah dabei, als die Sirene losging. Da kam ein Mädchen völlig außer sich aus dem Zimmer gerannt und wies mich an mitzukommen. Ihr Vorraum war total verqualmt, aber nicht wegen eines Feuers. Sie erklärte mir, dass sie sich ganz viel Haarspray raufgesprüht hatte und dabei den Alarm ausgelöst hatte. Ich versuchte, sie zu beruhigen, aber insgeheim dachte ich mir, dass das typisch Studentenheim ist. Immer passiert irgendetwas und immer suchen die jungen Leute jemanden, der ihnen beisteht. Sie brauchen halt doch noch ein bisschen Hilfe, obwohl sie schon erwachsen sind. In solchen Momenten war ich mir immer sicher, den richtigen Job ausgesucht zu haben.


Titelfoto: Laffy4k | Flickr | CC BY 2.0