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Danke für deine ganz besonderen Freundschafts-Videos, Facebook!

Die peinlichen Danke-Videos verpesten unsere Facebook-Timelines, werden aber fast ausschließlich mit zynischen Captions gepostet. Das kann man eigentlich nur gut finden.
25.11.14

Seit vergangenem Wochenende verpesten die absurden Danke-Videos meinen Newsfeed auf Facebook—dabei war ich noch nicht einmal damit fertig, mich seelisch auf die lächerlichen Timeline-Jahresrückblicks-Videos vorzubereiten und mich gleichzeitig noch immer von ​KONY 2012 zu erholen. Mit den Videos soll man einer bestimmten Person Dankeschön sagen, indem man die vorstellbar unpersönlichste aller Gesten macht und ein Video aus den 15 schönsten gemeinsamen Facebook-Momenten erstellt. Auch seinen Familienmitgliedern kann man mit den schönen Videos Danke sagen. Ich glaube nicht, dass sich meine Mutter eine schönere Wertschätzung vorstellen kann, als ein Facebook-Video, in dem „You're an awesome person. Thanks for being a friend." vorkommt. Danke für deine ganz besondere Freundschaft, Mama! Und fürs Gebären übrigens auch.

Obwohl ich mir kaum etwas vorstellen kann, das ich mit höherer Wahrscheinlichkeit aus meiner Timeline löschen würde, scheint Facebook seine neueste Schnapsidee wirklich ernstzumeinen. Der Rest der Welt nimmt die Videos im Gegensatz dazu jedoch nicht ganz so ernst und obwohl ich bisher dachte, Ironie sei für das Online-Volk ein Fremdwort, werden die Videos fast ausschließlich mit ironischen Captions gepostet. Das gibt mir zugegebenermaßen ein wenig Hoffnung in die Menschheit zurück, da anscheinend ein echtes Danke, bei dem man nicht von Hunderten Freunden beobachtet wird, doch noch etwas wert ist, und (noch) nicht von einem einminütigen Video ersetzt wird. Trotzdem machen wir genau das, was Facebook von uns will, nämlich klicken, liken und teilen, auch wenn man damit seine Freunde lediglich dazu bringen will, sich ein bisschen zu schämen—zumindest wäre das der einzige Gedanke, der mich dazu bewegen könnte, jemandem eine dieser Grußkarten zu posten, die mit typischer Mobilfunkanbieter-Werbung unterlegt sind.

Wahrscheinlich ist es Facebook egal, wie man die neue Funktion verwendet—Hauptsache es passiert in irgendeiner Form. Und ob ich denke, dass in manchen Freundeskreisen, die weniger pessimistisch und zynisch als meiner sind, und die diese peinlichen Filmchen tatsächlich ernst meinen, durch die Videos der Gipfel des Gutmenschentums erreicht wird, wird Mark Zuckerberg herzlich an seinem rothaarigen, reichen Arsch vorbeigehen. Irgendwie muss man die Videos aber einfach lustig finden und offenbar sind ironische Captions für uns heute das, was für mich der heimliche Red Bull-Kauf mit 11 oder der erste heimliche Schnapsrausch war, nachdem ich mich wie Avril Lavigne (die zu der Zeit meine Vorstellung von Punk war) gefühlt habe,—eine kleine verwegene Geste, die zwar niemanden wirklich interessiert, einen aber zumindest in der Selbstwahrnehmung ein wenig cooler macht. Wo wir wieder bei der ursprünglichsten aller Facebook-Funktionen wären: der Selbstbeweihräucherung.

Wenn Ironie für manche Menschen einfach nur ein guter Grund ist, sich selbst ein bisschen lustiger und toller zu finden, soll mir das recht sein. Wirklich jeder in meiner Freundesliste benutzt die Danke-Videos bewusst als das, was sie sind: weiterer Bullshit, den sich Facebook ausgedacht hat, um seine kleinen Schäfchen bei Laune zu halten—was offensichtlich funktioniert. Solange alle damit weitermachen und die Videos ausschließlich mit zynischen Kommentaren posten, machen sie die einlullende Mission zumindest vom Gedanken her zunichte. Und schließlich ist doch der Gedanke das, was zählt. It's been a wild ride, ihr Punks!

Bedankt euch bei Verena auf Twitter: ​@verenabgnr