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​So freuen sich Deutschlands Populisten über Präsident Trump

Von "Wir sind Präsident" (AfD) bis "Bringt euch in Sicherheit!" (Ken FM) – Und warum wir die Wirkung Trumps auf die Rechten nicht unterschätzen dürfen.

von Matern Boeselager
16 November 2016, 10:17am

Die Politik ringt immer noch um Fassung, während die Presse in Hunderten Leitartikeln versucht, eine Erklärung zu finden—der Wahlsieg Donald Trumps sorgt auch hierzulande weiter für ziemlich viel Unruhe.

Aber nicht bei allen ist die Aufregung negativ: Deutschlands Rechtspopulisten, Rechtsextreme und Verschwörungstheoretiker können vor Freude über den Wahlsieg des Republikaners kaum an sich halten. Allerdings nicht, weil sie sich so wahnsinnig für das amerikanische Volk freuen. Sondern weil sie überzeugt sind, dass der Sieg Trumps eine neue Ära eingeleitet hat. Ihre Ära.

Die Berliner AfD zum Beispiel setzte am Morgen des 9. Novembers schon um 08:52 diesen Tweet ab:

Die Botschaft ist ziemlich klar: Trump ist einer von uns, und jetzt sitzt er im Weißen Haus. Letzten Montag erklärte die AfD-Europa-Abgeordnete Beatrix von Storch bei Hart aber Fair ausführlich ihre Sicht auf den neuen Präsidenten der USA. "Ich glaube, dass ganz große neue Möglichkeiten offen sind", freute sich von Storch . Trumps Wahlsieg sei nichts Geringeres als eine "welthistorische Wende" und "ein historisches Signal".

Woher die Affinität der AfD für Trump kommt, ist ziemlich offensichtlich: Genau wie er sehen sie sich selbst als patriotische Polit-Außenseiter, die gegen den erbitterten Widerstand der korrupten "Eliten" gegen Political Correctness, Masseneinwanderung und die "Islamisierung" ins Feld ziehen. Dass jemand mit solchen Ideen jetzt das wichtigste politische Amt der Welt gewonnen hat, muss sich für die AfD anfühlen, als würde Hindenburg persönlich ihnen aus dem Himmel "Weiter so!" zurufen.

So geht es aber nicht nur der AfD: Von Lutz Bachmann über die Identitären bis hin zur NPD—die Wellen der Erregung sind in allen Teilen der rechten deutschen Gegenöffentlichkeit zu spüren. "Die Internationale der Patrioten formiert sich", bejubelte die NPD am Dienstag auf Facebook die Nachricht, dass Donald Trump Kontakt zu Marine Le Pen aufgenommen habe. "Unsere politische Landschaft wird sich in den kommenden Jahren fundamental verändern!"

Die "Identitäre Bewegung Deutschlands" sieht das auf ihrer Facebook-Seite ganz ähnlich. Mit "Ist Donald Trump identitär?" betiteln sie einen Post, der quasi wie eine Kabinenpredigt für die neurechte Bewegung in Deutschland klingt. "Donald Trump hat nicht nur eine Wahl gewonnen, sondern eine Bewegung aufgebaut", schreiben sie. "Er hat gezeigt, dass man der Medienhetze und den korrupten Politikern die Stirn bieten kann. Er hat die Keule der politischen Korrektheit endgültig zerschlagen und damit auch die Lage für die europäischen Völker vollkommen geändert. ... Dies sollte auch uns europäische Patrioten ermutigen."

Screenshot: Compact-Online

Genauso aufgeregt ist man beim neurechten Compact Magazin, das schon vor der Wahl energisch Stimmung gegen Hillary Clinton gemacht hatte. Ehrfürchtig übersetzt hier man Trumps Dankesrede und sein Interview auf CBS ins Deutsche—und malt sich aus, dass jetzt auch bald hierzulande die neue Zeit anbricht. "Der links-liberale Zeitgeist ist angezählt, die Eliten zittern", prophezeit die Compact-Redaktion ergriffen.

Es wäre ein Fehler, das einfach als gut getimte Rhetorik oder Trittbrettfahrerei misszuverstehen. Diese Leute sind wirklich aufgeregt. Auch wenn von Storch behauptet, Trumps Sieg sei "nur für das Establishment eine Überraschung" gewesen—ob sie wirklich selbst ahnte, dass es soweit kommen würde, darf bezweifelt werden. Viele dieser Leute waren genauso überrascht wie das "Establishment"—und konnten ihr Glück kaum fassen. Und sie werden daraus enorm viel Energie für die kommenden Monate schöpfen.

Diese Euphorie kann aber auch sehr schnell in Häme und Rachefantasien gegenüber den "Eliten" umschlagen. Lutz Bachmann zum Beispiel, der mit Pegida sogar ein Gratulationsbanner zu Ehren Trumps gephotoshoppt hat, freut sich ganz außerordentlich und wünscht sich, Trump möge sich rächen an allen "Feinden" der rechts-populistischen Bewegung: " Dear Mr. President Donald J. Trump, can you already reserve some 'rooms' for traitors like Merkel in Guantanamo?", schreibt er auf Facebook.

In dieselbe Kerbe schlägt der ehemalige Radiojournalist und Verschwörungs-VJ Ken FM. In einem Video, das er als spontane Reaktion auf den Trump-Sieg aufgenommen hat, äußert er immer wieder die Warnung an das "Establishment": "Bringt euch in Sicherheit!" Er scheint wirklich zu glauben, dass vor allem die Menschen in den deutschen Mainstream-Medien (die in seiner Weltsicht natürlich alle bezahlte Systemschreiber sind) sich jetzt ernsthaft Sorgen machen müssen, dass Trump sich an ihnen für ihre Berichterstattung rächt.

Screenshot: Youtube | Ken FM

Bei Ken FM zeigt sich aber auch die Verwirrung, die Trumps Wahl in den bisher rigide anti-amerikanischen Verschwörungskreisen ausgelöst hat: Der Verschwörungs-VJ kann zum Beispiel nicht verstehen, warum Merkel dem neuen amerikanischen Präsidenten jetzt noch Bedingungen stellen will. Weiß sie denn nicht, dass der amerikanische Präsident ihr Chef ist, der sie jederzeit entfernen lassen kann, wundert sich Ken, der dann aber schnell darüber hinwegsieht, um sich weiter zu freuen, dass es jetzt bald allen an den Kragen geht, die ihn je geärgert haben.

Trumps Wahlsieg ist auch für die deutschen Rechtspopulisten, Hetzer und Verschwörungstheoretiker völliges Neuland. Aber es ist ein Territorium, in dem sie sich plötzlich im Vorteil fühlen. Man sollte das Mobilisierungspotenzial dieses Ergebnisses also auf keinen Fall unterschätzen.