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Russisch Roulette mit Witzen

Bei Schimpansen weiß man nie, ob sie lachen oder einem drohen, wenn sie die Zähne fletschen. Es wird daher vermutet, dass sich das Lachen evolutionär aus einer Drohgebärde entwickelt hat.
2.11.10

Bei Schimpansen weiß man nie, ob sie lachen oder einem drohen, wenn sie die Zähne fletschen. Es wird daher vermutet, dass sich das Lachen evolutionär aus einer Drohgebärde entwickelt hat. Das Erbgut von Mensch und Schimpanse ist zu 98% gleich. Es ergibt sich also nur eine logische Schlussfolgerung. Ein enger Raum voller lachender Menschen ist kein Ort, an dem man sich aufhalten sollte.  Vor allem ist es ein logistischer Alptraum, 30 Affen in einen Raum zu zwängen. Bei Menschen ist das einfacher. Die machen das sogar freiwillig und bezahlen auch noch dafür. Wenn man sich also diesem anthropologischen Experiment aussetzen will, dann ist die Scheinbar das, was einem Käfig am nächsten kommt. Das Scheinbar ist das kleinste Cabaret-Theater Berlins. An beinahe sieben Tagen in der Woche finden dort Open-Stage Nächte statt, bei denen sich beginnende und auch erfahrende Komiker der Kritik von höchstens 30 Gästen aussetzen. Der Laden ist klein, klaustrophobisch klein. Dennoch haben dort, auf den drei Mal vier Meter großen Brettern der Bühne schon einige Karrieren ihren Anfang genommen. Einige Karrieren haben dort auch ihr frühes Ende gefunden. Mario Barth und ein Typ, der nur 50 Zentimeter von den Zuschauern entfernt unter der tiefhängenden Decke mit laufenden Kettensägen jonglieren wollte, gaben dort ihren Einstand. Einer von ihnen hat meiner Meinung nach zu Unrecht lebenslanges Hausverbot bekommen. Allein einen Platz zu finden, gestaltet sich schon schwierig. Es ist düster und schummrig. Einem Swinger-Club nicht unähnlich. Man fühlt sich schmutzig, sobald man einen Platz gefunden hat, aber glücklicherweise geht eh das Licht aus und der Spot an.

Thomas, der sieben Minuten auf der Bühne hatte, ist schon seit einigen Jahren im Geschäft, genauer gesagt 20. In „seinem letzten Leben“ war er Soziologe und Psychologe im Bereich der Medizin-Soziologie und hat sich spezialisiert auf die Frage, wie „non-verbale, telepathische Kommunikation funktioniert“.

Freddy war früher Türsteher in Hamburg, wo man natürlich auch schlagfertig sein musste. Das war sein Witz.

Kevin Mozart hat seine Karriere als Artist bei einer Bundesgartenshow begonnen und zieht sich gerne an, als würde Helge Schneider Angus Young auf der Bühne vertreten.

Natascha die Große führte durch den Abend, abgesehen davon, dass sie tanzte, sang und ihren imaginären Ex-Partner anbrüllte. Ich empfand Angst, aber fühlte mich auch gleichzeitig irgendwie geborgen. Sie erklärte uns schließlich sogar, wie man zu klatschen hätte.

Von dem Zeug, das hier rumsteht, können sich alle bedienen. Wer sonst noch etwas braucht, muss es sich selbst mitbringen, schließlich sind alle Künstler für sich selbst verantwortlich.

Mehr Fotos des Abends findet ihr auf unserem Fotoblog.

Fotos: LUCAS KROMM