FYI.

This story is over 5 years old.

News

Hokuspokus mit John Doe the Great

Echte Zauberer haben keine Fönfrisuren und wahre Magie läuft nicht im Privatfernsehen.
20.12.10

Echte Zauberer haben keine Fönfrisuren und wahre Magie läuft nicht im Privatfernsehen. David Copperfield ist nur ein Trugbild seiner selbst und Hans Klok ein Taschenspielertrick des schlechten Geschmacks. Ich aber habe den letzten Großmeister der Illusion gesehen, in einem Ort, der einen Märchennamen trägt: Puerto Princesa. Dort lebt Professor John Doe the Great, zaubert und raucht Kette.

Als meine Gefährten und ich ihn das erste Mal trafen, hatte er keine Lust zu zaubern. Es hatte gerade aufgehört zu regnen. Seine Show findet unter freiem Himmel auf einem Rummelplatz in Puerto Princesa statt, auf der Insel Palawan auf den Philippinen. John Doe the Great trug Schnurrbart, Unterhemd und Shorts, er war ein Jahrmarktlump mit der edel-zerknitternden Visage eines in die Jahre gekommenen Hollywood-Detektivs. Er sagte, es sei noch zu nass für Magie. Ein Schönwetterzauberer.

„Es wird doch gleich trocken“, sagten meine Gefährten und ich. John Doe zündete sich eine Zigarette an. „ Die Show läuft nur ab zehn Zuschauern“, sagte er. Wir schauten auf die Preistafel. 20 Pesos pro Person. „Wir zahlen 300 Pesos und dürfen so viele Leute einladen, wie wir wollen“, sagten wir. „Okay“, sagte er.

Eine halbe Stunde später betrat Professor John Doe the Great, der schönste Magier der Welt, vor 20 Zuschauern die Bühne. Er trug einen schwarzen Anzug, der aussah, als ob er darin von einem Güterzug überrollt worden war. Er legte mit einer Zigaretten-Nummer los: Paffte an einem Stengel, schmiss ihn weg und hatte im Handumdrehen – ohne sie sich anzustecken! – eine neue brennende Zigarette in der Hand. So ließ er ein halbes Päckchen durch, und wenn ein aufmerksamer kleiner Junge in der ersten Reihe nicht eingeschritten wäre, hätte der Professor gleich mit der ersten weggeschleuderten Zise den Bühnenvorhang angezündet. Es war magisch.

Der Zauberer ließ auch Tischtennisbälle verschwinden und sie kurze Zeit später aus dem Hosenladen plumpsen. Er stopfte sich zerknülltes Papier in den Mund und zog es in langen Streifen wieder heraus. Er füllte Unmengen Wasser in einen kleinen Trichter und ließ es einem Komparsen aus dem Publikum aus dem Körper laufen. Das ganze große Zauberprogramm. Nur Kaninchen zog er nicht aus dem Hut – er trug einfach keinen.

Die Show kam schließlich an ihren Höhepunkt. Professor John Doe the Great steckte seiner Assistentin – die auf dem Plakat als kurvige Sexbombe abgebildet war, sich in Wirklichkeit aber als seine pummelige und unmotivierte Tochter entpuppte – ein Messer in den Hals. Blut floss. Das Publikum hielt den Atem an. Nicht mal der kleine Junge in der ersten Reihe, der zu Beginn die Zigarettenkippen auf dem Vorhang gelöscht hatte, wusste mehr weiter. Dann zog der Magier die lange Klinge wieder aus seiner Assistentin heraus, und siehe da, sie stand auf und verbeugte sich. Applaus und dann Vorhang. Es heißt, Magie sei die Kunst, Aberglaube in Geld zu verwandeln. Professor John Doe the Great ist ein großer Magier.