The Profiles Issue

Merkwürdig, zäh und wunderschön

Während die Bewohner von Belle Grande Kaninchen jagen, um sich etwas Geld dazuzuverdienen, leben Superreiche wie Donald Trump nur 50 Kilometer entfernt.

von Sofia Valiente
28 September 2016, 4:00am

Aus der Photo Issue 2016

Für die letzten anderthalb Jahre lebte Sofia Valiente im Herzen von Belle Glade, irgendwo in Florida. Es ist eine eher kleine und sumpfige Stadt in den Everglades, die von dem lokalen Historiker Lawrence E. Will einmal als "eine der letzten Grenzen Amerikas" bezeichnet wurde.

Doch das Leben in Belle Glade hat sich verändert. Hohe Armut, eine ansteigende Krimininalitätsrate und schlechte Wohnverhältnisse erschweren das Leben der Einheimischen sowie der karibischen Gastarbeiter, die nach dem Verlust der Arbeit zurückgeblieben sind. Belle Glade wurde Anfang 1930 als Arbeitslager errichtet. Zahlreiche Firmen bauten Gebäude, um mehr Saisonarbeiter für die Erntezeit aufnehmen zu können. Mechanisierung, Integration und Isolation sorgten dafür, dass Belle Glade immer mehr an Glanz verlor.

Doch auch Jahrzehnte später ist die Stadt immer noch lebendig. Zugezogene aus Jamaika haben Clubs gekauft und unterstützen sich gegenseitig bei Veranstaltungen wie den Domino- und Rundenturnieren. Andere Bewohner jagen Kaninchen, um sie in der Stadt für etwas Geld zu verkaufen. Mittlerweile leben Millionäre wie Donald Trump nur knapp 50 Kilometer entfernt von Belle Glade—auf einer Insel bei Palm Beach. Diese Menschen mögen vielleicht reich sein, aber wie es ein Pionier einst sagte: Die gesamte Region wurde auf dem gleichen sumpfigen Grund erbaut.