Das Skurk Magazine [Skurk ist das schwedische Wort für Gangster] ist Schwedens einzige Zeitung von Kriminellen für Kriminelle und lässt Alarma! beinahe wie eine Schülerzeitung wirken.
Das Skurk Magazine [Skurk ist das schwedische Wort für Gangster] wurde von Raja Arlevin, der gerade wegen Anzeigenbetrug in den Knast wandert, und Liam Norberg, seinem Bankräuber-Kumpel, der jetzt Schriftsteller ist und den er in einer Muckibude in den 80ern kennenlernte, gegründet. Es ist Schwedens einzige Zeitung von Kriminellen für Kriminelle und lässt Alarma! beinahe wie eine Schülerzeitung wirken.
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Der Inhalt umfasst alles von den aktuellsten Verhaftungen bis zu Tipps von Kriminellen, wie man das System austricksen kann. Ich liebe Skurk so sehr, dass ich in ihr Büro fuhr, um mich mit Raja hinzusetzen und darüber zu sprechen. Im Radio lief Alanis Morrisette und die Stimmung war gut…Vice: Stieg Larsson und so ein Zeug sind gerade ganz groß in Schweden. Denkst du Skurk kann man da irgendwie mit einordnen?Raja Arlevin: Ah, Ich hatte die Idee bereits 2007, also würde ich das nicht sagen. Ich hatte damals bereits eine Verurteilung hinter mir und begann mich deshalb auch für andere Fälle außer dem meinen zu interessieren. Journalismus über Kriminalität war damals nichts anderes als wiedergegebene Polizeimeldungen, also war es an der Zeit für ein investigatives Magazin, das diese Meldungen hinterfragt. Die Menschen vertrauen den Medien ja meistens blind und ich weiß aus eigener Erfahrung, wohin das führen kann.Wohin führt es denn?Ich wurde zu Unrecht verurteilt, obwohl ich unschuldig bin, nur weil ich im Fernsehen gezeigt wurde. Ich musste meinen Namen ändern und versuchte seitdem, den Journalisten, der mich verleumdet hat, dran zu kriegen. Aber das ist schwierig. Da die Fernsehsendung in Großbritannien ausgestrahlt wurde, ist der Fall nun am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.Na, das ist doch schon mal was! Und da du ja unschuldig bist, sollte es ja kein Problem sein. Was für Beweismittel haben sie gegen dich in der Hand?
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Gar keine! Der Ankläger hat die Sendung eine „gute Dokumentation“ genannt, was natürlich der pure Stuß ist, denn es war eine gefakte Reality-Show, die nur Quote machen sollte. Es wäre eine andere Sache, hätte der Journalist mich auf frischer Tat ertappt, doch in meinem Fall wurde mir einfach etwas unterstellt und das dann sogar als Beweis in meinem Verfahren vorgebracht!Also hast du ein Magazin gegründet, dass die Seite der Verbrecher vertritt.Ich würde eher sagen, dass wir auf der Seite der Verdammten stehen. Verurteilte sind ja eher immer etwas scheu, wenn es darum geht, in den Medien aufzutauchen, doch uns vertrauen sie. Deshalb haben wir auch einen Einblick in eine Welt, die sonst vor der öffentlichen Wahrnehmung verborgen bleibt, wie zum Beispiel in den Urteilsfindungsprozess. In Schweden können Richter tun und lassen, was auch immer sie wollen, ohne dafür verantwortlich gemacht zu werden. Wir wollen das ändern.Ist es schwierig für euch, Richter zu Interviews zu bewegen?Nein, da wir ja mit Menschen von beiden Seiten des Gesetzes arbeiten.Ist Anzeigenbetrug das erste Verbrechen, für das du verurteilt wurdest?Ja. Ich habe nicht unbedingt eine kriminelle Vergangenheit, doch da ich in einem Vorort von Stockholm aufgewachsen bin, kenne ich genügend Leute mit einer. Jeder möchte erfolgreich sein, doch für einige Leute geht dieser Wunsch eben nur durch eine kriminelle Laufbahn in Erfüllung.
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Auf welche Inhalte seid ihr besonders stolz?In unserer ersten Ausgabe brachten wir eine Geschichte über den „100 Millionen Club“.Das war der Artikel über die größten Gangster und wie sie auf der „richtigen“ Seite des Gesetzes stehen, während Bankräuber zwar in die Schlagzeilen kommen, aber niemals auch nur annährend solche Summen machen.Korrekt. Was die Leute an dem Artikel provozierte, war, dass ich der Chefredakteur unter den Leuten war, die verdächtigt werden, über 100 Millionen Schwedische Kronen erschwindelt zu haben.Was ist mit dieser anderen Geschichte, die ich gelesen habe? Es ging darin um einen Gefangenen, der das Gefängnis verklagt hat, weil sie ihn nicht Skurk lesen liesen.Er hat gewonnen. Sie können einfach niemanden verbieten, uns zu lesen. Nicht einmal im Knast. Es wurde angeführt, dass wir kriminelles Verhalten unterstützen würden, aber das ist nicht wahr, eigentlich sind wir gegen Verbrechen.Ist klar. Wann gehst du in den Knast?Ich weiß noch nicht wann genau, aber es wird wohl so in einem halben Jahr sein. Es ist ein ständiger Kampf gegen die Zeit. Hoffentlich wird es das Magazin noch immer geben, wenn ich wieder raus bin. Außerdem habe ich ein neues Projekt, das ich The Crook Top nenne und das Firmen davor bewahren soll, Aufschneidern und Betrügern auf den Leim zu gehen. Ich weiß, wie ironisch sich das anhört, besonders wenn es von mir kommt, dem vorgeworfen wird, 15 verschiedene Scheinfirmen gegründet zu haben.
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Wirst du auch im Knast an Skurk weiterarbeiten?Das hoffe ich doch, nur muss jemand anderes die Rolle des Chefredakteurs und Herausgebers übernehmen.Fürchtest du dich?Nein.Ich denke mal, dass schwedische Gefängnisse nicht so übel sind. Irgendwo habe ich sogar gelesen, dass sie die angenehmsten der Welt sind. Kriminelle aller Länder sollten eigentlich hierherziehen.Ja, nur muss ich aufpassen, dass ich den anderen Insassen nichts über meine Vergehen erzähle. Jemand hat mich davor gewarnt, denn man kann einfach erpresst werden, wieder in Betrügereien einzusteigen. Besonders, wenn man damit 100 Millionen Kronen zusammenbetrogen hat.Aber du musst dir keine Gedanken darüber machen, denn sowas würdest du ja niemals tun, oder?Richtig.
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