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Die verhafteten VICE News-Journalisten wurden in ein abgelegenes Gefängnis verlegt

„Dieser Schritt erscheint mir wie eine unverfrorene Behinderung des fairen Prozesses, den uns die türkische Regierung mehrfach versprochen hat."
2.9.15

Die drei VICE-News-Journalisten, die man in der Türkei aufgrund komplett unbegründeter und absurder Anschuldigungen festnahm, sind jetzt in ein Typ-F-Hochsicherheitsgefängnis verlegt worden, das sich mehr als fünf Stunden von der Niederlassung ihrer Anwälte und vom Gerichtsgebäude entfernt befindet. Das berichtet Kevin Sutcliffe, der Head of News Programming von VICE News in Europa.

„Dieser Schritt erscheint mir wie eine unverfrorene Behinderung des fairen Prozesses, den uns die türkische Regierung mehrfach versprochen hat. Wir fordern die Behörden dazu auf, die lächerlichen Anklagen fallen zu lassen und unsere Kollegen sofort auf freien Fuß zu setzen", meinte er heute.

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Am Montag hat ein türkisches Gericht zwei VICE News-Journalisten und einen ihrer lokalen Kollegen aufgrund falscher Vorwürfe der ‚Arbeit für eine terroristische Organisation' angeklagt. Mehrere Menschenrechtsorganisationen fordern weiterhin dazu auf, die VICE-Mitarbeiter sofort freizulassen.

Die britischen Journalisten Jake Hanrahan und Philip Pendlebury sowie der in der Türkei lebende irakische Übersetzer und Journalist Mohammed Ismael Rasool befinden sich seit Donnerstagabend in Haft. Die drei Männer wurden in Diyarbakır festgenommen, einer Stadt im Südosten der Türkei. Ihr in diesem Zug ebenfalls inhaftierter Fahrer wurde am Montag wieder in die Freiheit entlassen.

Mohammed Ismael Rasool

Sutcliffe verurteilte am Montag die Inhaftierung der Journalisten.

„Heute hat die türkische Regierung haltlose und besorgniserregende falsche Vorwürfe der ‚Arbeit für eine terroristische Organisation' gegen drei VICE News-Journalisten erhoben, um einzuschüchtern und ihre Berichterstattung zu zensieren", sagte er. „Bevor sie ungerechtfertigt festgenommen wurden, hatten diese Journalisten über die Situation in der südosttürkischen Provinz Diyarbakır berichtet und diese dokumentiert."

„VICE News verurteilt die Versuche der türkischen Regierung, unsere Korrespondenten mundtot zu machen, aufs Schärfste. Unsere Reporter haben unerlässliche Berichterstattung aus der Region geliefert," fügte Sutcliffe hinzu. „Wir arbeiten weiterhin mit allen entsprechenden Behörden zusammen, um die sichere Freilassung unserer drei Kollegen und Freunde voranzutreiben."

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Menschenrechtsgruppen wie Amnesty International, PEN International und das Committee to Protect Journalists (CPJ) haben sich dem Ruf nach der sofortigen Freilassung der Journalisten angeschlossen.

„Es ist absolut richtig, dass die Journalisten über diese wichtigen Geschehnisse berichten", teilte Amnesty International mit. „Die Entscheidung, die Journalisten festzunehmen, war falsch und die Vorwürfe der Unterstützung des Islamischen Staats sind unbewiesen, unerhört und bizarr."

Die Anklage erfolgt in einem Klima, das von Angriffen auf die freie Meinungsäußerung in der Türkei geprägt ist. Zeynep Oral, Präsidentin von PEN in der Türkei, merkte an, Journalisten hätten es immer schwerer, in der Türkei ihrer Arbeit nachzugehen.

„In einer Zeit der Unsicherheit, sowohl im Land als auch in der Region, brauchen wir freie Meinungsäußerung und das Recht auf Information mehr denn je", sagte Oral. „Wir verlangen Gerechtigkeit und die unmittelbare Freilassung der Journalisten, die nur ihre Arbeit machen."

Zu der verstärkten Zensur seitens der Regierung gehören auch Bemühungen, soziale Netzwerke wie Twitter und YouTube vorübergehend unzugänglich zu machen—beide Seiten wurden 2011 während den Aufständen des Arabischen Frühlings in Nahost und Nordafrika viel genutzt. Berichten zufolge hat die Unterdrückung der Medien in der Türkei zugenommen, seit es Präsident Recep Tayyip Erdoğan in den Wahlen diesen Juni nicht gelang, sich eine Mehrheit zu sichern.

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„Seit seine Partei es versäumt hat, bei den Wahlen im Juni eine Mehrheit zu gewinnen, hat Erdoğan seine Bemühungen intensiviert, jegliche kritische Berichterstattung zu unterdrücken, vor allem jene über die eskalierenden Konflikte im größtenteils kurdischen Südosten", sagte Maureen Freely, die Präsidentin von PEN in England. „Sein Ziel ist es wie immer, die Story zu kontrollieren. Wenn diese Journalisten weggesperrt bleiben, wird er seinen Willen bekommen haben."

Trotz des wachsenden Einsatzes der Türkei, gemeinsam mit der von den USA angeführten Koalition Extremisten in der Region zu bekämpfen, zögert die Regierung damit, kurdische Kämpfer, die entlang der türkisch-syrischen Grenze den Islamischen Staat bekämpfen, auszubilden und zu bewaffnen. Es wird befürchtet, diese Kämpfer könnten sich der PKK anschließen, die von der Türkei, der EU, den USA und Deutschland als terroristische Vereinigung eingestuft wird.

VIDEO: Der Vormarsch des Kalifats: Islamischer Staat

Hanrahan und Pendlebury sind erfahrene Korrespondenten. Zusammen haben sie bereits über die Flüchtlingskrise in Calais, die Wahlen in Großbritannien, das Referendum zur schottischen Unabhängigkeit, irischen Republikanismus sowie andere Themen berichtet. Die beiden verbindet nicht nur eine erfolgreiche Zusammenarbeit, sondern auch eine tiefe Freundschaft.

Neben seiner Arbeit für VICE News hat Hanrahan außerdem für den Guardian, den Independent, Wired und Rolling Stone Middle East geschrieben. Pendlebury ist ein versierter Kameramann und Redakteur, der schon im Irak, in Afghanistan, Nordkorea und weiteren Ländern gefilmt hat.

Rasool ist ein erfahrener Journalist und Übersetzer, der mit VICE News schon im Irak zusammengearbeitet hat. Dazu kommen noch intensive Kooperationen mit den Nachrichtenagenturen Associated Press, Anatolia Agency und Al Jazeera im ganzen Gebiet des Nahen Ostens.