Wer schlief in meinem Atombunker

Vergangenen Samstag stolperten meine Mitbewohner und ich aus dem Bett, um mit unseren von der Nacht zuvor noch aufgequollenen Gesichtern an einem Treffen der Hausbewohner teilzunehmen. Nachdem wir uns von unserem Vermieter das übliche Geleier über unsere verspäteten Mietzahlungen anhören durften, meldete sich die Frau mit dem superlauten Fernseher von oben zu Wort. Der Keller müsste mal gereinigt werden.

Niemand betritt unseren Keller. Niemals. Es gibt auch keinen Grund dafür, denn ist nur ein schmutziges, dunkles dreckiges Loch und aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Menschen sich von dunklen Löchern fernhalten.

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Doch dann machte der alte, bärtige Typ, der mit mir hinabgestiegen war das Licht an…

…und was sah ich? Es hat fast den Anschein, dass jemand alles andere getan hat als das dreckige Loch, das wir Keller nennen zu meiden. Es scheint so, als hätte sich jemand sogar häuslich in diesem Scheißhaus eingerichtet.

In diesem Moment schrie die Frau mit dem lauten Fernseher zu uns herunter, dass sie vor kurzem ein paar „zwielichtige Gestalten“ vor dem Eingang gesehen hatte. Wer auch immer ihr seid, ihr zwielichtigen Gestalten, ich denke ihr habt einen wirklich sehr beschissenen Geschmack, was Inneneinrichtung betrifft. Wurde euch zudem niemals beigebracht, dass ihr eure auseinandergenommenen Stecker und elektrischen Krimskrams wegräumen solltet, wenn ihr mit dem Spielen fertig seid? Es sieht aus, als hättet ihr hier unten C3PO geschlachtet.

Als wir schließlich auf all die Medizin stießen merkte mein weiser, alter Begleiter an, dass wer auch immer hier eingebrochen war, wohl auf der Suche nach Kupfer aus den Verkabelungen war. „Was für ein druffer Penner würde denn sowas machen?“ Fragte er sich laut. Trotz all der Jahre die er auf diesem Planeten verbracht hat, hat er wohl nicht zu viele druffe Penner getroffen.

Wir gelangten schließlich in einen weiteren Raum, in dem neben ein paar umgestürzten Regalen und zusammengebrochenen Bänken ein paar zerrissene Hosen und eine Sesamstraßen-Weste in Kindergröße lagen. Ich will mir nicht vorstellen, was hier los war.

Denoch war das, was wir im nächsten Raum sahen sogar noch seltsamer. Es stellte sich heraus, dass mein Keller nicht nur ein dunkles, stinkendes Loch war, sondern ein dunkles, stinkendes Loch in dem sich Menschen vor Atombomben versteckt hatten!

Die Poster an der Wand, die die verschiedenen Stufen der Explosion zeigen, die wahrscheinliche Ausbreitung der Druckwelle und die Anweisungen wie man seine Gasmaske richtig anlegt waren eigentlich sehr charmant, wenn man bedenkt, dass sie Menschen hätten helfen sollen, die in diesem Moment mit der furchteinflössendsten Waffe, die sich die Menschheit jemals erdacht hat, konfrontiert waren.

Ich fragte mich, ob der Typ der hier unten schlief vielleicht etwas wusste, was ich nicht wusste. Denn wenn ich bald von einer Atombombe pulverisiert werden sollte, dann zahle ich bestimmt keine Miete für den kommenden Monat.

Ich denke das war eine Karte der Wohnungen in meinem Block. Es ist aber schwierig zu sagen, da Regen und Dreck ihr übriges getan und jegliche Farben verwaschen haben.

Dann entdeckte ich diese Post-Apokalyptischen Etiketten-Regeln. Auf ihnen stand:

Verhalte dich immer anständig, kontrolliert und mutig.

Kümmere dich um deine eigene Sicherheit.

Nimm nur deinen Pass, Lebensmittelkarte, persönliche Wertsachen, Medizin, Sicherheitsausrüstung und Decken, sowie genug Lebensmittel und Wasser für drei Tage mit.

Denk daran, dass du lange Strecken zu Fuß zurücklegen musst.

Passt aufeinander auf.

Von diesen Merksprüchen menschlichen Miteinanders und Einigkeit inspiriert, entschlossen wir uns, den Keller doch nicht aufzuräumen und einfach eine Tür mit einem großen Schloss davor anzuschaffen. Bis dahin sicherten wir alles provisorisch. Es war vielleicht nicht unser Atomschutzbunker, aber wir können zumindest sicher sein, dass es jetzt auch nicht mehr der von irgendjemand anderem ist. Ist das herzlos? Bis das Karma auf den großen roten Knopf drückt, schlafe ich ruhig mit der Gewissheit, dass niemand in meinem Keller haust.

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