Wir haben uns Bibis 3.000.000-Abonnenten-Special angesehen, damit ihr es nicht tun müsst

Screenshot: Instagram

Erst kürzlich gewann die YouTuberin Bianca Heinicke noch mit der Klickkraft ihrer fleißigen Follower den #Twitterstar2016 und bekam damit ihren eigenen Emoji auf Twitter. Das Ziel war denkbar einfach: Die Fangemeinde sollte Twitter mit dem Hashtag #twitterstarbibi vollspammen—was tadellos funktioniert hat: Mit 2.260.000 Tweets konnte sich die YouTuberin knapp durchsetzen.

Vergangene Woche erreichte Bibi dann den nächsten, großen Kassenschlager: Mit ihrem YouTube-Kanal knackte sie die 3.000.000 Abonnenten. Als jahrelanges Mitglied der deutschen YouTuber-Top-10 steht sie damit als erfolgreichste YouTuberin nach Abo-Zahlen auf Platz 6 der Charts. Aber was wäre das Erreichen eines neuen Höchststandes ohne ein zünftiges Abonnenten-Special? Wir haben uns Bibis Video für euch angesehen, damit ihr es nicht machen müsst. Der erste Satz, der nach dem Anschauen aus uns herauskam, war „und wenn ihr bis zum Ende des Artikels lest, dann könnt ihr noch an einem magischen Gewinnspiel teilnehmen!”

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Nach einem Überblick über die letzten drei Jahre BibisBeautyPalace hat sich die mittlerweile 23-jährige YouTuberin „mal hingesetzt und einige wirklich unvorstellbare Dinge zusammengesponnen”. So rechnet sie vor, dass ihre Videos, die „knapp 700.000.000″ (678.318.092, laut Socialblade) mal geklickt wurden, damit bisher „4 Milliarden Minuten” oder alternativ „über 7000 Jahre” angesehen wurden. Dann dreht Bibi richtig durch: „Egal ob Tag oder Nacht, 2000 Menschen schauen gleichzeitig meine Videos.” Jeden Tag wird laut Bibi Videomaterial von ihr in der Länge von 6 Jahren geschaut, jede Minute wären das rund 1,5 Tage Bibi-Streaming.

Die YouTuberin ist clever und beherrscht das Marketing-System, sodass sie nach Freundebuch-Sprüchen wie „Wenn wir einmal zusammen pusten würden, wären wir so stark, dass wir ein Mehrfamilienhaus wegpusten könnten” noch schnell das Schneeballprinzip anwendet. „Stellt euch vor, jeder von uns würde 25 Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern, dann würde ganz Deutschland lächeln. Würden diese wieder 25 Menschen zum Lächeln bringen, würden wir jedem vierten Menschen auf der Welt ein Lächeln ins Gesicht zaubern.”

Die kleinen Zahlenjonglagen mögen vollkommen irre klingen und das sind sie zum größten Teil auch—denn hier wurde anscheinend für einen einzelnen User-Klick jeweils damit gerechnet, dass man sich das Video auch komplett angeschaut hat. Ob man selber nach wenigen Sekunden wieder wegklickt oder das Video zum Ende durchskippt, ist in dieser Rechnung nicht so wichtig. Aber die Zahlen zeigen dennoch, wie ernst wir alle YouTube als Plattform junger Marketing-Giganten nehmen müssen: Denn so schlimm, unnötig oder übertrieben man selbst die Videos auch finden mag, sie sind relevant für junge Menschen. Besser gesagt: Für extrem junge Menschen. Und die folgen ihren Idolen überall hin—von Social-Media-Plattformen über Amazon-Affiliate-Links bis zu YouTuber-Events.

Zum Ende lockt die Digital Influencerin noch mit einem Gewinnspiel, „unterstützt von Disney Magic Kingdom”. Immer öfter kann man beobachten, dass YouTuber Mobile Games in ihren Videos platzieren. Das Prinzip dieser Games ist ebenso perfide wie das der YouTuber-Gemeinde: Ein kostenloser Download ins eigene Smartphone, aber In-App-Käufe zum Weitermachen. In der von Bibi beworbenen App kostet das teuerste In-App-Paket übrigens 99,99 Dollar—enthalten sind eine Menge an „Gems”, die Währung im Spiel.

Der Zusatz „Unterstützt durch Produktplatzierung” ist ganze vier Sekunden oben rechts eingeblendet. Mittlerweile muss man ja schon froh sein, wenn YouTuber sich überhaupt bereit erklären, diese Einblendung einzubauen. In einem Interview mit Horizontverkündete Bibi erst kürzlich ihre Einstellung gegenüber Product Placements: „Ich persönlich habe damit kein Problem. Ich denke eher, dass das Verständnis dafür noch viel zu gering ist und erst langsam anfängt zu wachsen.” Übersetzt aus dem Marketing-Duden heißt das: „Wir werden uns immer mehr an versteckte Schleichwerbung gewöhnen, wenn wir nichts dagegen tun.” Wenn wir einmal zusammen aufschreien anstatt pusten würden, wären wir vielleicht so stark, dass die Politik hier endlich mal mit einer klaren Gesetzgebung in Sachen Angabe von Produktplatzierungen das BibisBeauty-Schlösschen wegpustet.

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