Drogen

Zu Besuch im Darknet-Forum für Drogengroßhändler und Pillenpresser

Dread ist die Lieblingsplattform angehender Drogenköche. Entstanden ist es, weil im offenen Internet Diskussionen über Drogen zunehmend zensiert werden. So profitieren vor allem Kriminelle.

von Tom Kiel
27 Februar 2019, 4:30am

Bild: bereitgestellt von Changing Perspectives

Mal angenommen, du wachst eines Tages auf und entscheidest dich dazu, dein eigenes Drogenlabor aufzuziehen. Du schmierst einen Landwirt in einer abgelegenen Gegend und breitest dich in einer seiner Scheunen aus. Und jetzt? Wie geht es weiter?

Antworten auf diese Frage kann man in bestimmten Ecken des Darknets finden. Dort können Drogenköche in spe ohne Zögern fragen: "Kann mir jemand ein Video-Tutorial empfehlen, in dem Schritt für Schritt erklärt wird, wie man Speed herstellt?" Oder: "Wenn ein Briefumschlag unscheinbar wirken soll, schreibe ich dann die Adresse per Hand drauf oder ist ein Sticker besser?"

Eine Darknet-Plattform hat sich jetzt zur neuen Anlaufstelle Nummer eins für angehende Drogenbarone gemausert: "Dread" – eine Website, die eigentlich als Diskussionsforum über den illegalen Handel im Darknet gestartet ist und für anonyme Käufer und Verkäufer Feedback und Informationen abseits der Darknet-Marktplätze bietet.


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Natürlich weißt du nie, wer genau auf Dread deine Fragen beantwortet – es könnte auch irgendein zwölfjähriger Teenager sein, dem langweilig ist. Deswegen sollten Menschen, die sich dort informieren wollen, niemals alles für bare Münze nehmen, was ihnen im Darknet empfohlen wird.

Genau wie bekannte Diskussionsforen im Internet gliedert sich Dread in Dutzende Unterforen, manche von ihnen werden fast ausschließlich von vermeintlichen Drogenköchen bevölkert. Die meisten Fragen im Dread-Unterforum d/DrugManufacture drehen sich beispielsweise um Maschinen, die Ecstasy-Pillen herstellen.

Ein Beispiel: Wie bekommt man Pillen mit zwei verschiedenen Farbschichten hin? Die Antwort aus der Community kommt prompt: "Um zweifarbige Pillen herzustellen, brauchst du eine industrielle Pillenpresse. Das Pulver kommt in zwei Gussformen, die zusammengedrückt werden", schreibt ein Forumsmitglied.

Natürlich will der nächste User direkt wissen, wo man eine solche Presse herbekommt.

Ein Screenshot des Unterforums d/DrugManufacture
Ein Screenshot des Unterforums d/DrugManufacture

Wie du dir vielleicht vorstellen kannst, ist es sehr auffällig, eine Pillenpresse online zu bestellen und zu sich nach Hause schicken zu lassen. Eine solche Lieferung ruft direkt die Behörden auf den Plan. Auf Dread hat man zu dem Thema aber noch detailliertere Tipps: "Hol dir sowas auf keinen Fall in den USA" ist da nur der Anfang.

Dread wächst stetig. Dass das Forum in letzter Zeit so regen Zulauf von Meth-Köchen, Drogenkäufern und auch Forschenden verzeichnen konnte, ist kein Zufall: Früher war Reddit noch die Drogen-Plattform im normalen Internet. Dort warnten sich Menschen gegenseitig vor betrügerischen Online-Verkäufern, guter und schlechter Ware, tauschten Konsumtipps aus oder diskutierten über chemische Formeln. Seit März 2018 ist es auf Reddit jedoch streng verboten, sich über Illegales auszutauschen. Gebracht hat das wenig: Nun ist die die Community eben ins Darknet abgewandert, wo man frei über alles reden kann – und wo nicht mehr Hobby-Chemiker, sondern profitorientierte Kriminelle die Diskussion dominieren.

Da sich die drogenfreundliche Community nun hinter der Anonymität des TOR-Browsers versteckt, den man für den Zugriff auf Darknet-Seiten braucht, hat dieser Übergang auch in Bezug auf die Privatsphäre einige Veränderungen mit sich gebracht. Alle geteilten Informationen werden jetzt mehrfach verschlüsselt, bevor sie die Server des Forums erreichen.

Trotzdem versuchen die anonymen Betreiber der Plattform, ihre Nutzerschaft mit strikten Regeln von zu viel Plauderei abzuhalten. Schließlich haben auch Ermittler Interesse an den Diskussionen über das Drogengeschäft: Auf Dread ist es laut einem in d/DrugManufacture angepinnten Post nicht erlaubt, persönliche Informationen zu teilen. Wer sein Profil ändern will, wird vorher gewarnt, irgendetwas von seiner Identität preiszugeben. Eine weitere Regel: Verrate niemals, woher du deine Materialien zur Drogenherstellung beziehst – sonst könnten die Lieferanten bald schon Besuch von der Polizei bekommen. Wer man sich aber an alle Forenregeln hält, darf so viele Fragen stellen, wie man will – egal ob nun zum Verflüssigen von Kokain oder zum Meth-Vertrieb.

Die Forenregeln zur Privatsphäre wirken streng, haben aber einen nachvollziehbaren Hintergrund.

Während Großhandelnde und Pillenpressende auf Dread ungehindert ihren Wissensdurst bezüglich der Herstellung, des Schmuggels und des Verkaufs von Drogen stillen, ist es auf der Darknet-Plattform strengstens verboten, Drogen direkt für Geld anzubieten. Laut den Administratoren sei Dread eben ein Forum und kein Marktplatz.

Eine Schnittstelle zu kommerziellen Darknet-Märkten gibt es trotzdem: In dem Unterforum d/DarkNetMarkets findest du Bewertungen von Darknet-Drogendealern, wie sie auch früher auf Reddit zu finden waren. Für Käufer können diese Infos sehr wichtig werden – nicht nur, um sich vor Betrug zu schützen, sondern auch, um Schwankungen in der Produktqualität schnell erkennen zu können. Zudem ist dort eine "Verkäufer-Superliste" eingerichtet worden, auf der alle vertrauenswürdigen Dealer gesammelt werden – inklusive Lieferzeiten und Qualität der angebotenen Waren.

Ein weiterer Screenshot aus dem Dread-Forum

Was auf Dread ebenfalls erlaubt ist: Werbeanzeigen schalten. So versucht ein Schwarzmarkt für Psychedelika zum Beispiel, Dread-User anzulocken. Genauso geht ein niederländischer Dealer vor, der laut eigener Aussage Drogen wie 2C-B, DMT und Ketamin zuerst zur Qualitätssicherung in ein Labor schickt und dann "zu einem guten Preis" verkauft. Denn seit dem Niedergang von Silk Road haben neben den großen, an Online-Kaufhäuser erinnernden Drogenmärkten auch längst einzelne Dealer Shops im Darknet aufgemacht, auf denen sie illegal ihre Produkte zum Kauf anbieten.

Die Forenregeln zur Privatsphäre wirken streng, haben aber einen nachvollziehbaren Hintergrund: Vergangenes Jahr machte die niederländische Polizei gemeinsam mit Ermittlern aus anderen Ländern kurz hintereinander zwei der größten Crypto-Marktplätze dicht: "Hansa Market" und "AlphaBay". Über mehrere Wochen hinweg infiltrierten die Beamten Hansa Market, veränderten den Quellcode und bekamen so Zugang zu Bestell-Verläufen, die normalerweise verschlüsselt sind. Dann nahmen sie Hansa Market vom Netz, worauf die User in Scharen zum größten Konkurrenten AlphaBay strömten. Doch auch diesen hatten Ermittler bereits zuvor unterwandert. Die Behörden wollten zeigen, dass selbst das Darknet keine absolute Sicherheit garantiert.

Letztendlich führte die Aktion dazu, dass die beiden mutmaßlichen Gründer von Hansa Market in Deutschland verhaftet wurden und der mutmaßliche Admin von AlphaBay tot in seiner Zelle in einem thailändischen Untersuchungsgefängnis aufgefunden wurde. Doch die meisten Online-Drogendealer scheinen, das Ganze schon wieder vergessen zu haben, und machen weiter fröhlich Geschäfte im Darknet. So selbstverständlich, wie auch auf Dread geplaudert wird.

Disclaimer: Selbst mit allen relevanten Informationen aus dem Darknet solltest du niemals Drogen herstellen und verkaufen. Das ist eine Straftat, kann dich lange ins Gefängnis bringen und wird bei Fehlern sehr schnell lebensgefährlich. Lass es deswegen lieber gleich bleiben.

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