Pascal Kerouches Zwei Null Eins Sieben

Die Macht des Zufalls und die schlauen Moves von 187: Pascal Kerouches 2017

In Teil 5 seiner Noisey-Fotokolumne erzählt Pascal von seinem wilden Aufenenthalt in Los Angeles und Zürich. Und Mann, der Typ ist ein wahrer Glückspilz – aber auch ein Workaholic!

von Pascal Kerouche
22 Februar 2018, 9:59am

Pascal Kerouche

Pascal Kerouche wurde 1983 in Bremervörde geboren und lebt in Hamburg. Seit 2004 macht er hauptberuflich Bilder und reist als Lieblingsfotograf deutscher und internationaler Rapper und anderer Musiker um die Welt. Sein erster Bildband Snapshot Stories ist 2017 erschienen. Für Noisey gewährt er exklusive Einblicke in sein neues Buch Zwei Null Eins Sieben, das im Frühjahr 2018 erscheinen wird.


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Es ist fast geschafft! Es gibt einen Pre-Release-Termin für Zwei Null Eins Sieben. Warum diese bescheuerten Pre-Releases, wenn Bücher noch nicht fertig sind? Na ja, das Buch wird im März fertig, aber da bin ich auf Tour mit 187. Um das Release selbst mitzunehmen, müsste ich es auf April schieben – aber im April würde bestimmt auch wieder was passieren, sodass ich in einer Endlosschleife lande und das Ding nie rausbringe. Darum gibt es ein Pre-Release. Ich zeige Bilder aus Zwei Null Eins Sieben und mache eine Lesung. Das Buch kommt dann einfach ein bis zwei Wochen später. Easy!

Also: Falls du am 23. Februar in Hamburg bist, komm gern vorbei! Witzige Sidenote: Genau an dem Tag habe ich 2017 in der Galerie Affenfaust mein erstes Buch Snapshot Stories vorgestellt.

Das Buch heißt zwar Zwei Null Eins Sieben, aber es geht darin nicht nur um 2017, sondern um die letzten vier Jahre. Das jüngste Bild im Buch habe ich am 23.12.2017 geschossen, während der "Palmen aus Plastik"-Tour. Ich nehme euch mit auf meine Reise mit Künstlern wie Estikay, Chefboss und natürlich 187. Daneben gibt es noch Bilder von anderen Künstlern, wie Dillon Cooper, Lary, oder auch Scooter.

Ich sitze im Flugzeug nach Zürich und habe das soeben mitsamt Flieger-Foto auf Facebook verkündet. Phil Speiser, Produzent von Scooter, schreibt mir. Ob ich Bock hätte, mich mit ihm zu treffen? Ich habe ohnehin einen ganzen Tag rumzukriegen. Der Job, für den ich nach Zürich fliege, geht erst am Folgetag los. Also gehe ich nach meiner Ankunft erst mal mit Phil essen. Scooter sind in Zürich, weil sie ein Festival in der Schweiz spielen. Wenn ich Lust habe, kann ich mitkommen, es ist allerdings zwei Stunden von Zürich entfernt.

Hmm ... da war ja noch der Job am Folgetag. Scooters Stagetime ist um Mitternacht, das heißt, ich bin frühestens um 2:30 Uhr auf dem Rückweg, und somit um 4:30 Uhr im Hotel. Das wären dann zwei Stunden Schlaf, bevor ich aufstehen und den ganzen Tag shooten muss. Vielleicht könnte ich schon im Auto pennen und damit vier Stunden Schlaf kriegen. Eigentlich wäre es dumm von mir, es zu machen, denke ich. Aber hey, das ist Scooter! Wenn ich das nicht mache, ärgere ich mich später. Außerdem habe ich dann beim Shoot am nächsten Tag was zu erzählen (auch wenn ich lügen und behaupten werde, ich wäre um Mitternacht wieder im Hotel gewesen).

Neben Fotos und Geschichten von Musikern nehme ich euch auch mit auf die Philippinen, nach Jamaika und in die USA.

Wir sind in Los Angeles, Halloween steht bevor. Eines Abends gehen wir in einen Kostümladen, um Requisiten für das Video von Ufo zu besorgen. Ich drehe eine kleine Instagram-Story, eine andere Kundin läuft durch mein Bild. Ich weiß es noch nicht, aber die Fremde hat auch gerade eine Insta-Story gepostet, in der ich zu sehen bin.

Kurz nach meinem Post schreibt mir Annalisa, eine Freundin aus Kapstadt: "Cool, du bist mit Summer in L.A." Ich denke mir nichts dabei, erkenne "Summer" nicht mal als Namen. Gleichzeitig schreibt Annalisa der Fremden aus dem Kostümladen: "Cool, du shootest in L.A. mit Pascal!" Annalisa holt mich und die mysteriöse Summer in einen Gruppenchat. Es stellt sich raus, dass Summer mit Annalisa in Kapstadt aufgewachsen ist. Die Welt ist ein echt großes Dorf.

Wir gehen essen und vereinbaren einen gemeinsamen Shoot. Ich will schon lange eine Strecke auf einem Basketballplatz fotografieren und habe endlich die perfekte Location gefunden, einen blauen Platz mitten in Downtown L.A.

Das Problem: Der Platz gehört zu einem Apartmentgebäude auf einer erhöhten Terrasse. Aber irgendwie kommt man da schon rein, denke ich mir. In der Nacht vor dem Shoot fahre ich mit Video-Producer Christoph Szulecki zur Location. Nach ein bisschen Wartezeit gelangen wir bis in den Fahrstuhl, aber leider kann man den nicht ohne entsprechende Karte betätigen. Es führt also kein Weg an der Rezeption vorbei. Wir fragen den Sicherheitstypen, wie man da rauf kommt, weil ich gern Fotos schießen will. Er fragt, ob ich jemanden in dem Gebäude kenne, ich lüge und sage Ja. Trotzdem geht es nicht: Diese erfundene Person müsste uns wenn schon eskortieren. Außer wir reden mit dem Gebäudemanager, der ist aber erst Montag wieder erreichbar. Wir wollen aber Sonntag shooten.

Egal, denke ich mir, wir kommen Sonntag trotzdem wieder. Irgendwie kommt man schon rein. Wir laufen an der Einfahrt zum Anwohnerparkplatz vorbei, in Gedanken schmiede ich schon Pläne, wie ich mir am Sonntag Zugang verschaffe. Auf einmal hupt jemand Christoph und mich an: In dem Auto sitzt mein guter Homie Damani. WTF? Stellt sich raus, dass er in dem Gebäude wohnt. Tag gerettet!

Solche und andere Geschichten erwarten dich in Zwei Null Eins Sieben – und natürlich bei der Lesung in der Affenfaust Galerie, wobei ich da eher frei erzähle, statt vorzulesen.

Vor Kurzem hat Estikay übrigens sein Video zu "Wieder mal Freitag" gedroppt! Wenn du mich im Video findest, gebe ich dir einen aus.

Wo wir bei Musikvideos sind: Gzuz' Video "Was Hast Du Gedacht" wird noch immer heftig diskutiert – vor allem der Move, das Video auf WorldstarHipHop zu stellen. Mittlerweile sagen einige deutsche Plattformen, das sei nichts Besonderes, man könne sich ja ganz easy auf so einer Seite einkaufen.

Kann man auch. Aber ich weiß aus guter Quelle, dass weder 187 noch Gzuz, noch irgendein Label WorldstarHipHop etwas für die Platzierung des Video gezahlt hat. Gzuz ist damit auch nicht in den USA zum Star geworden. Trotzdem: Ihr habt alle über ihn geredet.

Vor allem war es aber ein guter Business-Move. Denn wer weiß, vielleicht hat die Aktion ihm ja zukünftige Türen geöffnet. Genauso hat es vielleicht Weichen gestellt, dass ich mit Bonez in L.A. in mehreren Studios war – obwohl wir nur ein paar Hände geschüttelt und nichts aufgenommen haben. Denn irgendwann will man vielleicht mal ein Feature mit einem Amerikaner machen, oder einen Beat von einem bestimmten Produzenten haben. Und dann ist so ein Link zu WorldstarHipHop mit Millionen Klicks sehr viel mehr wert als ein Link zum eigenen Channel, selbst wenn der genauso häufig geklickt wurde.

In diesem Sinne ... bis Freitag!

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Falls ihr am 23. Februar in Hamburg seid, gönnt eurem Geist mal wieder ein bisschen Kulturprogramm und kommt zu Pascals Pre-Ausstellung von Zwei Null Eins Sieben. Hier die Eckdaten:

Pascal Kerouche “ZweiNullEinsSieben” Pre-Release-Party:
23.02.2018 ab 9:00 Uhr, Lesung ab 19:30 Uhr.
Affenfaust Galerie, Paul-Roosen-Straße 43, 22767 Hamburg.

Auf Pascal hängengeblieben? Folgt ihm bei Instagram, Facebook und besucht seine Website pascalkerouche.com. Außerdem findet ihr hier alle vorigen Kolumnen von Pascal:

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