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Das Netz wird immer noch von viralen Fakes der Parkland-Überlebenden überflutet

Während Emma González am Wochenende mit sechsminütigem Schweigen an die Opfer des Parkland-Amoklaufs erinnerte, überfluten Waffenfans das Netz mit einem gefälschten Video, um sie zu diskreditieren.

von Matthew Gault
29 März 2018, 2:35pm

Emma González erinnert bei der Kundgebung in Washington DC an ihre ermordeten Mitschüler | Bild: imago | ZUMA Press

Am Wochenende gingen eine halbe Million Schüler in den USA auf die Straße, um beim "March for our Lives" für verschärfte Waffengesetze zu demonstrieren. Pünktlich zu diesen Protestmärschen ging ein Video viral, das eines der bekanntesten Gesichter der Schülerbewegung, Emma González, diskreditieren soll.

In dem kurzen Clip sieht man, wie die Überlebende des Parkland-Amoklaufs vom 14. Februar vermeintlich die US-Verfassung zerreißt. Das Video ist eine offensichtliche Fälschung und wurde unter anderem vom Schauspieler Adam Baldwin mit dem Hashtag #Vorwärts verbreitet – eine Anspielung auf ein Propagandalied der Hitlerjugend. Baldwin erklärte schnell, dass es sich bei dem Video und provokanten Hashtag lediglich um politische Satire handele, doch nicht alle seine Follower schienen das so zu sehen. Nutzer auf Gab.ai – einer rechtsgerichteten Alternative zu Twitter – teilten das Bild und verbreiteten es auch fleißig auf Facebook.

Das Originalbild stammt aus der 'Teen Vogue'

Die Originalaufnahme ist ein Video, das im Rahmen eines Fotoshootings für Teen Vogue aufgenommen wurde. Die Bilder zeigen, wie González und drei weitere Überlebende von Schießereien eine Zielscheibe aus Papier zerreißen, wie sie für Schießübungen verwendet wird. In dem Fake-Video wurde ein Bild der US-amerikanischen Verfassung über die Zielscheibe gelegt, so dass es so aussieht, als zerreiße González das Gründungsdokument der Vereinigten Staaten.

Während Tausende Jugendliche friedlich für eine Reform der US-amerikanischen Waffengesetze auf die Straße gingen, verbreitete sich das montierte Bild von González wie ein Lauffeuer. Das Bild wurde von zahlreichen Nutzern sofort als schlechte Fälschung enttarnt. Waffenfans, die ihre Rechte durch ein paar Jugendliche bedroht sehen, teilten es jedoch immer weiter.

Viele der Twitter-Nutzer, die das Bild verbreiteten, beschreiben sich selbst als Verfechter der freien Meinungsäußerung. Das soziale Netzwerk Gab sieht sich als Alternative zu Twitter und bezeichnet sich selbst als "Free Speech Social Network": Desinformationen und manipulierte Bilder stehen hier auf der Tagesordnung und wenn jemand die Fakes anprangert, wird das als Zensur aufgefasst.

In den vergangenen Monaten haben wir ausführlich darüber berichtet, wie einfach es geworden ist, erschreckend glaubwürdige, computergenerierte Bild- und Tonaufnahmen zu erstellen, die das Problem von Fake News im Internet noch verstärken könnten. Wie das manipulierte Video von González nun zeigt, braucht man dazu noch nicht einmal hoch entwickelte Tools: Eine billige Photoshop-Montage und der Wille, eine Lüge zu verbreiten, reichen schon aus.

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