Video: Mesut Özil hat einmal mehr gezeigt, dass alle seine Kritiker Recht haben

Ja, wirklich. Man muss es einfach gesehen haben.

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23 Oktober 2018, 12:17pm

Özil holt sich bei Mitspieler Lacazette einen Tadel ab | Foto: imago | PRiME MEDIA Images

Absoluter "Dreck" oder doch einfach nur richtiger "Mist" – seitdem der FC Bayern und Uli Hoeneß am Freitag Fußballdeutschland mit einer weiteren Klartext-Pressekonferenz bereichert haben, rätselt die Fachwelt aus Hobbyproktologen und Düngemittelexperten, was genau Mesut Özil, dieser gefallene Fußballstar, da eigentlich mit seinen Füßen anstellt. Hoeneß tendiert mittlerweile zum "Mist". Özil wiederum gibt die Antwort auf dem Platz.

Nach Özils jüngster Leistung dürften sich gestandene Standfußballer wie Mario Basler ("Özil ist als Fußballer überbewertet."), AfD-Politikerinnen und eben Funktionäre wie Hoeneß bestätigt sehen: Der Spieler hat wieder einmal alle Erwartungen an ihn enttäuscht. Özil hat am Montagabend einen richtigen großen Haufen hinterlassen, reden wir nicht drumherum: Es. War. Scheiße.

Was war passiert? Es ist der neunte Spieltag der Premier League. Gegen Verfolger Leicester City betritt Mesut Özil als Kapitän von Arsenal das Feld. Ausnahmsweise liegt der Club mal nicht bereits abgeschlagen zurück, sondern kann mit den Favoriten Chelsea, Man City und Liverpool mithalten. Ideale Voraussetzungen für Özil, es richtig zu verbocken.


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Schon vor Anpfiff hat er Glück: In der Premier League gibt es keine Nationalhymne, die er mitsingen müsste. Stefan Effenberg zürnt daheim, auf seinem Hinterkopf bricht die alte Tiger-Frisur hervor. Und Özil? Anstatt den gesparten Atem für Fußball aufzuwenden, taucht er ab, sein Team liegt schnell 0:1 zurück. Und dann zeigt Özil, dass er seine Kollegen besonders gern dann hängen lässt, wenn sie ihn am meisten brauchen.

In der 44. Minute – die erschöpften Gunners sehnen merklich dem Halbzeitpfiff entgegen sehnen – sprintet Özil plötzlich los. Wie von einer bayerischen Tarantel gestochen, treibt er den Ball von der Mittellinie weit in die gegnerische Hälfte, legt den Ball ab auf den rechts frei gelaufenen Bellerín – was soll er auch sonst machen –, bekommt ihn im Strafraum zurück. Der völlig ermattete Henrikh Mkhitaryan sinkt vor ihm wie ein Telekom-Werbeflyer zu Boden. Doch Özil reicht ihm nicht die Hand, sondern drückt den Ball trocken links unten ins Eck. Ein Spielzug wie aus dem Tutorial-Modus von FIFA. Gäbe es in der Premier League einen Videoschiedsrichter, er wäre wohl eingeschlafen. Aber auch so ein Tor zählt. 1:1.

Und statt ins Publikum zu winken, wie es Lothar Matthäus von ihm gefordert hatte, steckt Özil sich zum Jubel den Daumen in den Mund.

Nach der Halbzeit das gleiche Bild. "Ich sehe keine Reaktion" murmelt Ex-Nationalmannschaftskollege Michael Ballack wenige Minuten nach Wiederanpfiff, gelangweilt beginnt er, nebenbei Billigreisen nach Mykonos zu buchen und danach zu stornieren.

Dann die 63. Minute. Özil ist im halbrechten Mittelfeld frei und anscheinend schon wieder müde gelaufen. Immerhin schafft er es, mit der Energieeffizienz eines A+++-Kühlschranks, Héctor Bellerín mit einem Pass durch vier Gegenspielern hindurch in den Strafraum zu schicken. Bellerín sieht den freien Pierre-Emerick Aubameyang. 2:1.

Zwei Minuten später. Özil faulenzt erneut am Mittelkreis rum, wird angespielt, macht sich nicht einmal die Mühe, seinen Mitspieler Mattéo Guendouzi anzuschauen, als er ihn den Ball mit der linken Hacke in den Lauf lupft. Den folgenden Querpass lässt er auch noch durch, bekommt den Ball wieder zurück, traut sich nicht, allein vor dem Tor abzuschließen, sondern schiebt die Verantwortung an Aubameyang ab. 3:1.

Nach 80 Minuten kommt der Gipfel der Arbeitsverweigerung. Özil lässt sich auswechseln, schleppt sich mit der "Körpersprache von einem toten Frosch" (Mario Basler) auf die Bank. Von seinen 80 Ballkontakten haben satte 75 nicht zu einem Tor geführt. Das sind 93,75 Prozent – und damit exakt der Wert, der Thomas Müllers Kompetenz beschreibt, sich zu Rassismus-Debatten zu äußern.

Nach diesem Spiel führt Özil lediglich die zweitbeste Offensive der Premier League an. Oliver Bierhoff sieht sich bestätigt, hat nach dieser Performance endgültig alle Überlegungen abgeschlossen, "sportlich" auf Özil zu verzichten. Und beim FC Bayern freut sich Karl-Heinz Rummenigge, dass die Nummer 10 "nie ein Spieler war, mit dem wir uns auch nur zu einem Prozent beschäftigt haben. Nie!". Im nächsten FIFA-Update werden alle Özil-Werte nach unten korrigiert.

Und wer jetzt noch immer nicht verstanden hat, wie "schlecht" Mesut Özil am Montag gespielt hat, der muss es einfach noch mal ansehen, die ganzen schmerzhaften viereinhalb Highlight-Minuten:

Die mieseste Szene nochmal:

Uuund nochmal, bis es wirklich jeder versteht:

Danke, Mesut.

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