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Eskalation nach Beleidigung: Rapper prügeln auf Dancehall-Crew in Berlin ein

Beim Red Bull Culture Clash kam es in Berlin zu einem Gewaltausbruch, bei dem Said und AOB auf die Jugglerz losgingen.

von Noisey Staff
05 Oktober 2018, 11:39am

Foto: Screenshot aus dem Video "Jugglerz assaulted at Redbull Culture Clash 2018 in Berlin" von Reggaeradio.it

"Es hat doch alles so gut angefangen und dann kommen solche Spasten", beschwerte sich ein Mitglied der Dancehall-Crew Jugglerz. Schon enterte der Berliner Rapper Said die Bühne und schlug ihm ins Gesicht. Eine Prügelei bricht aus, immer mehr Leute wie AOB-Rapper Almani oder Chapo kommen dazu, um den längst in einem Knäuel aus schwingenden Fäusten verfangenen Said zu unterstützen. Auch von Seiten der Jugglerz füllt sich die Bühne. Sogar ein schlichtender Security-Mann bekommt etwas ab. Alles vor den Augen des Publikums, aus dem laute Buhrufe ertönten. Denn eigentlich sollte es hier nur um musikalische Rivalität gehen, nicht um körperliche.

Zur Erklärung: Donnerstagabend fand in Berlin Red Bulls Culture Clash statt. In der Tradition des Soundclashs, bei dem zwei Rapper oder Rap-Crews gegeneinander in verschiedenen Runden antreten, warf man diesmal gleich vier Producer-Teams in den Ring des Velodroms. So standen sich die Bühnen von Die Achse, Revolution No 5, Betty Ford Boys und eben Jugglerz in einer Raute gegenüber. In der Mitte das Publikum, das nach jeder Runde via Applausometer den Sieger bestimmte.

Dass die Kontrahenten dabei in Songs und Ansagen auch mal verarscht und verhöhnt werden, gehört natürlich dazu. Normaler Battlerap-Shit. Die Stimmung kippte allerdings, als die Stuttgarter Jugglerz angeblich die Mütter des Teams der Betty Ford Boys beleidigten – zu dem Said und AOB gehörten.

Erst kam Almani von AOB auf die Bühne und versetzte dem Jugglerz-Mitglied einen Schlag gegen den Oberkörper, was der Angegriffene mit einem spöttischen "Dann schlägt er auch noch wie so ein Mädchen" quittierte. Darauf folgte Said, der mit einem weiteren Schlag dafür sorgte, dass die Situation eskalierte. Via Insta-Story gab Almani von AOB später zu verstehen: "Du sagst nicht zu 'nem Neuköllner 'Hurensohn'! Da gibt's auf die Fresse!" Und anscheinend war genau das passiert.


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Nach der Schlägerei wurde die Veranstaltung unterbrochen. Zwischenzeitlich war nicht klar, ob und wie der Abend weitergehen soll. Es herrschte angespannte und verwirrte Stimmung im Publikum, Mutmaßungen, ob jetzt die Betty Ford Boys disqualifiziert wurden oder doch die Jugglerz keinen Bock mehr haben, machten die Runde.

Irgendwann hatten sich alle wieder beruhigt, das Battle ging weiter – glücklicherweise musikalisch. Was auch gut war, handelte es sich hierbei doch um sowas wie ein kleines Deutschrap-Klassentreffen. Jedes Team holte zahlreiche Gäste auf die Bühne, die die Zuschauer immer wieder zum Jubeln brachten. So konnte man gestern zu Haftbefehl, Celo & Abdi, Miami Yacine, Nimo, Miss Platnum, Mc Bogy, Gringo, Fatoni, Tony D (!) und so vielen andere abfeiern.

Gewonnen haben dann Revolution No 5, bei denen als Special Guest Peaches performte. Deren kanadische Sängerin Pansy Parker hat auf Facebook bereits ein Statement zum Abend veröffentlicht:

"Es gab vier Bühnen, drei wurden von heterosexuellen weißen Typen beherrscht (Deutscher Rap eben). Zwei dieser Bühnen gerieten in einen Faustkampf, weil die einen die anderen Pussys genannt haben, wodurch die Show fast beendet wurde. Unsere Stage war voller weiblicher* Rapper, Trans*-Kids, Queer*-Kids, schwarzer Menschen […] Wir waren klar die Außenseiter, aber auch am Aufrichtigsten, weil wir uns nicht um falschen Macho-Tough-Bullshit gekümmert haben. Peaches ist über das Publikum in einem riesigen, aufblasbaren Schwanz gelaufen. Der Gewinner wurde durch Applaus entschieden, und unsere Bühne gewann. Berlin wird niemals verlassen."

Wir haben Red Bull, Said, AOB und Jugglerz um Statements zum gestrigen Vorfall gebeten. Ein Update folgt.

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