Sex

Animalische Leidenschaft: wenn Frauen Tiere lieben

Spricht man über Zoophile oder Sodomie, geht es meist um Männer. Es gibt aber auch viele Frauen, die „Beziehungen“ oder einfach nur Sex mit Tieren haben. Wir haben sie gefragt, warum.
23 August 2016, 7:20am
Der Hinterkopf einer Frau, die keinen Sex mit ihrem Hund hat
Foto: Mosuno via Stocksy

Es gibt das Gerücht, dass Linda Lovelace das Wort „Hund" noch nicht einmal mehr aussprechen konnte, nachdem sie mit einem Sex haben musste. Als Lovelace mit ihrem berüchtigten Zuhälter/Ehemann Chuck Traynor nach New York gezogen ist, hat sie einige 8mm-Streifen gemacht, um sich so etwas dazu zu verdienen. Der wohl seltenste (und unter Pornosammlern begehrteste) ihrer Filme ist nicht Deepthroat—es ist der, in dem sie Sex mit einem Hund hat.

„Das war ein echter Tiefpunkt in ihrem Leben", sagt ihr Biograph Mike McGrady in dem Film The Real Linda Lovelace. „In all unseren Gesprächen durfte das Wort ‚Hund' niemals fallen, wegen all dem, was ihr in dem 8mm-Film angetan wurde. Sie sagte immer nur ‚H-U-N-D'; da drüben ist ein ‚H-U-N-D'."

Lovelace ist die berühmteste weibliche Pornodarstellerin, die bekanntermaßen in einem Sodomiefilm mitgespielt hat. Es gab aber noch andere weniger bekannte Frauen, die vor laufender Kamera Sex mit Tieren hatten: Chessie Moore, Kelly G'Raffe oder das transsexuelle Pornosternchen Monica Mattos. Doch keine von ihnen war so bekannt wie Lovelace. Abgesehen davon ist Sodomie außerhalb der Zoophilen-Community genau so ein Tabu wie Pädophilie.

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Jeder von uns kennt das Hauptargument, warum Sex zwischen Menschen und Tieren falsch ist: Wir können nicht mit ihnen kommunizieren, weswegen sie auch kein explizites Einverständnis geben können. „Tiere können nicht sprechen, weshalb sie sich auch nicht dazu äußern können, ob sie von einem Menschen gegen ihren Wollen zum Sex gezwungen wurden", schrieb Ramsis in einer 1969 erschienen Studie, die von der Sexualtherapeutin und Autorin Dr. Hani Miletski in ihrem Buch Understanding Bestiality and Zoophilia zitiert wird. Außerdem haben Tiere ganz andere Krankheiten, Gene und Hormone. Auch deswegen sind die meisten Menschen der Meinung, es sei biologisch abstoßend und moralisch falsch.

Genau an diesem Punkt habe ich angefangen zu recherchieren: Wieso würde jemand freiwillig Sex mit etwas anderem als einem Menschen haben wollen? Doch als ich mich in all die Sodomie-Foren eingeloggt haben (die, die mich aufgenommen haben) und je mehr Kommentare und Beiträge ich mir durchgelesen habe, umso mehr ich über die ganzen Theorien von Therapeuten, Ärzten und Sexualtherapeuten erfahren habe und nachdem ich persönlich mit einigen zoophilen Frauen gesprochen habe, hat sich meine Sicht auf die Dinge immer weiter geändert. An einem bestimmten Punkt habe ich mich sogar gefragt, ob ich nach all den Nächten in den Sodomie-Foren eine Art Stockholm-Syndrom entwickelt habe. Ich meine, was ist falsch daran, ein Rentier zu begehren? Wieso ist es grausamer, Sex mit einem Schwein zu haben, als es umzubringen und Speck daraus zu machen? Was ist schlimmer: Missbrauch oder Mord? Meine Logik machte Raum für eine Diskussion.

Wieso würde jemand freiwillig Sex mit etwas anderem als einem Menschen haben wollen?

Obwohl Sodomie schon immer als ethisch verwerflich galt, war sie doch schon immer Teil der Menschheitsgeschichte—wenn auch nur ein sehr kleiner und geheimer. In der Blütezeit Babylons beispielsweise haben Männer und Frauen (heimlich) Hunde für mehrtägige Orgien genutzt. Angeblich wurden die Tiere missbraucht, bis sie starben. Danach wurde der Penis des toten Hundes abgeschnitten, ausgehärtet und getrocknet und für weitere sexuelle Eskapaden genutzt. Der ägyptische König Cheops, der bekannt dafür ist, dass er eine der Pyramiden errichten ließ, prahlte derweil gern mit dem leidenschaftlichen Sex, den er mit Stuten hatte und eine der bekanntesten Orgien aus dem alten Rom soll zwischen der Göttin Bona Dea und einem Rudel Hunde stattgefunden haben. Es gibt darüber hinaus auch Beweise dafür, dass einer der Lagerärzte in Auschwitz besessen von der Idee war, ein Mischwesen zu erschaffen, das halb Hund und halb Mensch war und jüdische und polnische Zwangsarbeiterinnen für sodomistische Experimente missbraucht hat. (Heute wissen wir, dass die Spermien von Hunden zwar auf die menschliche Eizelle zu schwimmen, sie aber nicht befruchten können.) Laut Miletski wird auch gemunkelt, dass Eva Braun zum Spaß gern Sex mit Hunden gehabt haben soll, was Hitlers Leidenschaft für Schäferhunde erklären würde.

1969 hat Dänemark als erstes Land in Europa Sodomie legalisiert. Kurz darauf betrat die Königin der Sodomiepornos, Bidol Joensen, die Bühne. Sie wuchs in einer ländlichen Gegend von Dänemark auf, in der Obhut ihrer religiösen und gewalttätigen Mutter, die ihr jeden Kontakt zu anderen Kindern verboten hat. Zuneigung fand sie vor allem beim Familienhund. Viele Leute glauben, dass das zu Joensens sexuellem Interesse an Tieren beigetragen hat.

In einer 1974 erschienen Sexualitätsstudie, die für die Playboy Foundation durchgeführt wurde, sagte Morgan Hunt: „Schon in frühester Kindheit wird der Mensch darauf geprägt, dass er andere Menschen als Ort der Zuneigung und schließlich auch als Sexobjekt wählt." Aus diesem Grund meint Hunt, dass „die meisten sexuellen Begegnungen zwischen Mensch und Tier vereinzelte oder seltene Erfahrungen von primär experimenteller Natur sind und auf die frühen Lebensphasen begrenzt sind." Ihr geliebter Hund war Joensens einziger Freund und schließlich machte sie als Teenager auch ihre ersten sexuellen Erfahrungen mit dem Tier. Mit 15 zog sie von zu Hause aus und wurde von einem Bauern aus der Gegend aufgenommen, der sie bei der Besamung seiner Schweine helfen ließ.

Zu dieser Zeit entwickelte sich Dänemark zur Drehscheibe skandalöser Pornos. An der Spitze dieser Entwicklung: der Regisseur Ole Ege. Joensen kaufte sich irgendwann ihre eigene Farm (die sie „Die Besamungszentrale" taufte) und hielt dort alle möglichen Tiere. Eines Tages rief sie dann schließlich Ege an, um ihm eine Zusammenarbeit vorzuschlagen. Laut einer britischen Dokumentation aus dem Jahr 2006, schlug Joensen von sich aus vor, dass Ege sie dabei filmen könnte, wie sie Sex mit einem ihrer Tiere hatte. Zwischen 1969 und 1972 drehte sie mehr als 40 Sodomie-Filme. Irgendwann tat sich Ege dann mit einem anderen Dokumentarfilmer zusammen, um „A Summerday" zu drehen—ein Film, der Joensens Leben auf der Farm zeigte. Während im Hintergrund Beethoven spielt, sieht man Joensen, wie sie unter Hasen, Katzen, Hunden, Schweinen und Pferden lebt, als wäre sie selbst ein Tier. Der Film gewann 1970 den Hauptpreis beim Amsterdamer Wet Dream Film Festival und machte Joensen zur Spartenberühmtheit.

Nachdem Joensen jahrelang Sextouristen auf ihre Farm eingeladen hatte, die dort tun konnten, was immer sie wollten, verlor die Welt das Interesse an der „Königin der Sodomie." Joensens Berühmtheit verblasste, bis sie schließlich ihre Farm verlor (wegen Vernachlässigung) und sogar einige Zeit im Gefängnis verbrachte. Nachdem die Polizei ihren geliebten Hund Spot getötet hatte, ging sie auf den Strich und wandte sich Kirschwein und Beruhigungsmitteln zu, um mit ihren Depressionen fertig zu werden.

„In meiner jetzigen Situation ist es schwierig, all die ekelhaften Angebote abzulehnen", sagte Joensen in einem Interview, das sie noch kurz vor ihrem Tod gegeben hatte. Damit meinte sie Menschen, die ihr Geld boten, um Sex mit Männern zu haben, nicht mit Tieren. „Jeder Tag, den ich auf den Strich gehe, ist für mich persönlich die Hölle." Bis zu ihrem Tod trug sie ein Medaillon mit dem Bild von Spot um ihren Hals.

Als ich mit meinen Recherchen anfing, war mein Ziel eigentlich ganz simpel: Ich wollte mit einer Frau sprechen, die entweder gegen Geld oder zum Vergnügen schon einmal Sex mit einem Tier gehabt hat. Miletskis Statistiken werden von zoophilen Männern dominiert (es nahmen 80 männliche und 11 weibliche Probanden teil) und ich wollte nicht noch irgendsoeinen blassen Typen interviewen, der erzählt, wie „wunderschön und einvernehmlich" der Sex zwischen ihm und seinem Köter ist.

Ich habe jeden Kontakt, den ich zur Welt der Pornografie habe, genutzt und bin jeder Spur gefolgt, die mich aber doch nur alle wieder zu derselben Erkenntnis geführt haben: Jede Darstellerin, die sodomistische Pornos gedreht hat, ist tot, mysteriöserweise nicht mehr auffindbar oder arbeitet mittlerweile in Brasilien und hat auf keine meiner Anfragen geantwortet. Ich habe den Freund eines Freundes getroffen, der Verbindungen zu einigen deutschen Sodomie-Darstellerinnen hatte, zu denen er aber den Kontakt verlor, weil sie keine Lust mehr hatten, darüber zu sprechen. Chessie Moore (der MILF-Pornostar, der still und heimlich nach Kansas gezogen ist, nachdem ihre Brüste geplatzt sind) war zu beschäftigt mit ihren Webcam-Auftritten, um meine lästigen Fragen über ihre sodomistische Vergangenheit zu beantworten.

Niedergeschlagen und ergebnislos habe ich angefangen, meinen Fokus auf Leute zu richten, die zum Spaß mit Tieren schlafen—und nicht gegen Geld. Also bin ich in das Beast Forum, eingetaucht, dem größten internationalen Chatroom für Zoophilie. Das Interface der Seite ist ziemlich veraltet und so ungefähr auf dem Stand der Seiten aus den 2000er-Jahren. Tatsächlich sind dort aber tagtäglich tausende von Menschen aktiv. Als ich mein erstes Profil angelegt habe, habe ich vergessen, mein Geschlecht als weiblich zu markieren und wurde von fast jeder Frau, auf die ich in dem Chatroom zuging, umgehend geblockt. Ich habe ganz ehrlich gesagt, weshalb ich da war, wurde aber andauernd abgewiesen. „Ich möchte mit dir nicht für deine Arbeit sprechen", entgegnete mir eine Frau scharf. Es war aber der einzige Ort, an dem ich eine erfahrene Zoophile finden konnte. Also habe ich mein Profil so genau wie möglich ausgefüllt, was sich so angefühlt hat, als würde ich mich auf einer Dating-Seite anmelden. Am nächsten Abend bin ich wieder in den Chatroom gegangen. Ich habe angefangen, meine Gedanken in öffentlichen Beiträgen zu teilen und habe Stunden damit zugebracht, mir einen Namen zu machen. Plötzlich erklärten sich tatsächlich einige Frauen bereit, offen mit mir zu sprechen. Ich habe aber auch ziemlich schnell festgestellt, dass die meisten Frauen eine Beziehung mit Tieren führen und es dabei weniger um Sex geht, was auch Miletski bestätigen kann.

„Das ist jetzt sehr verallgemeinert, aber in meinen klinischen Studien hat sich gezeigt, dass die Frauen weniger Interesse an sexuell abnormen Verhaltensweisen hatten", hatte mir Miletski schon Wochen vor meinem Ausflug in das Beast Forum während eines Telefoninterviews gesagt. „Die Frauen, die an meiner [Sodomie-]Studie teilgenommen haben, pflegten eine Beziehung zu ihren tierischen Partnern, was einen Großteil des Reizes für diese Frauen ausmachte. Außerdem hatten all diese Frauen männliche Hunde als Partner."

Zoophilie und Sodomie sind per Definition zwei verschiedene Dinge. In den meisten Wörterbüchern wird Zoophilie als „ungewöhnliche Liebe zu Tieren, insbesondere das abnorme sexuelle Hingezogensein zu Tieren" definiert. Bei Sodomie geht es dagegen nicht um Liebe, sondern um Sex. Sodomie wird definiert als „jede Art von sexueller Beziehung zwischen einem Menschen und einem Tier." Zoophile Menschen heben gerne stolz hervor, dass sie nur zoophil sind und nicht mehr. Einger der Leute, die Sex mit Tieren haben, erklären dagegen sehr gern, dass sie nicht zoophil sind und es auch niemals sein werden.

Ich habe mich immer abends in das Beast Forum eingeloggt, weil dann die meisten Leute online waren und bin meist einfach durch die verschiedenen Diskussionsgruppen gestreunt: „Weiß dein Partner, dass du auf Sodomie stehst?", „Die Prioritäten einer Ehefrau: An alle verheirateten Frauen da draußen", „Hey Hausfrauen." Darüber hinaus gab es seitenweise Beiträge über die Vorurteile, die unsere Gesellschaft gegenüber Zoophilie hat und von Leuten, die ihre sexuelle Vorliebe vor ihrer „normalen" Umgebung geheim halten. Für einige unter ihnen ist es auch nicht mehr als das: eine sexuelle Vorliebe. Die meisten sagen, sie könnten es ja auch nicht ändern, selbst wenn sie es wollten (aber die meisten von ihnen wollen nicht). Oft erzählen die Frauen in den Diskussionsgruppen, dass ihr zoophile Neigung dadurch entstanden ist, dass sie von Menschen ganz übel abgelehnt wurden. Eine Frau erzählt, dass sie von ihrem letztem Freund gedemütigt wurde, weil seine Frau die beiden dabei erwischt hat, wie sie ihm einen geblasen hat. Sie hat sich daraufhin gewünscht, dass alle Männer ein bisschen mehr so wie ihr geliebter Hund wären und am Ende hat sie ihren Hund einfach zu ihrem neuen Freund gemacht. Andere erzählen, dass sie nach einer Trennung oder einer Scheidung Geborgenheit, Trost und großartige sexuelle Erfahrungen bei ihren tierischen Liebhabern gefunden hätten.

Ich habe mich noch nie in ein Tier verliebt, das die Liebe nicht erwidert hat.

Manche Frauen erzählen auch, dass sie sich heimlich von dem Hund der Familie oral befriedigen lassen, wenn ihre Ehemänner bei der Arbeit sind. „Mein Mann weiß es nicht und wird es vermutlich auch niemals herausfinden", erklärt MochaMilkMaid. „Es ist aufregend zu wissen, dass wir unseren Spaß haben werden. Mein Herz fängt immer an zu rasen, bevor wir intim werden." Einige Ehemänner wissen aber auch von der Neigung ihrer Frau, sehen dabei zu, filmen das Ganze oder sind selbst ein Teil davon. Es gibt auch öffentliche Threads, in denen seit Jahren über Themen wie die Eifersucht des Partners auf das Tier, Liebe und grundlegende sodomistische Techniken diskutiert wird. Die tierischen Liebhaber, über die in dem Forum gesprochen wird, sind darüber hinaus fast immer Hund und—nur so am Rande—außergewöhnlich viele Schäferhunde. Viele Frauen sprechen offen darüber, dass sich Oralsex mit einem Hund nicht mit Sex mit einem Menschen vergleichen lässt.

Doch trotz unzähliger Insider-Informationen zerbrach ich mir noch immer den Kopf über eine einzige simple Frage: Warum Tiere? Wieso?

„Ich habe mich noch nie in ein Tier verliebt, das die Liebe nicht erwidert hat", schreibt eine Frau. Die meisten Menschen in dem Forum und auf diejenigen aus Miletskis Studie erzählen dasselbe. Menschen können dich zurückweisen und dir sagen, dass du dich verpissen sollst. Deswegen kann dich ein Tier auch niemals so enttäuschen, wie dich ein Mensch enttäuschen kann. Deine Beziehung zu einem Hund zerbricht nicht an Geldproblemen, Eifersucht oder sexuellem Desinteresse. Dein Hund kann dich nicht „nicht mehr lieben", weil er nie das, was wir als Liebe definieren, verspürt hat. Eine sexuelle Beziehung mit einem Tier ist primitiv, einfach und ermüdet gefühlsmäßig niemals. Darüber hinaus kann man einen Menschen nicht bei sich zuhause halten—ein Tier schon. Obwohl keiner der Zoophilen im Beast Forum zugeben wollte, dass es in dieser Beziehung auch um Machtausübung geht, besteht doch letztendlich kein Zweifel daran.

„Die Leute [im Beast Forum] sehen nicht, wie seltsam [Sodomie] ist, weil sie alle dieses Forum haben und sich gegenseitig bestärken", schreibt lilknottyone.

Das sind komische Leute, lass dich von ihnen nicht täuschen. Sie denken, Sex ist ein Thema, das nur hinter verschlossenen Türen stattfindet, egal welche sexuelle Vorliebe man hat und Zoophilie ist eines der seltsamsten sexuellen Tabus. Man kann Geschichten aus der Vergangenheit zitieren oder sagen, dass man sich nur mal all die Mitglieder auf der Seite anschauen soll und dass es normaler wäre, als man denkt, aber damit belügt man sich nur selbst und versucht, dass man sich selbst besser fühlt. Es ist aber nicht normal, Sex mit Tieren zu haben und das sieht auch die Mehrheit in unserer Bevölkerung so. Ob es dir gefällt oder nicht, aber das ist das Mehrheitsprinzip.

Mit derselben Nutzerin habe ich mich noch weiter in einem privaten Chat unterhalten. Sie war tatsächlich eine der wenigen Frauen, die sich dazu bereit erklärt haben, mit einer neugierigen Journalistin zu sprechen—auch wenn sie nicht mehr als ihren Nutzernamen preisgeben wollte. Ich musste ihr aber auch erst tagelang gut zusprechen. „Ich glaube, du wirst ziemlich enttäuscht von mir sein", schrieb sie. „‚Normal' ist für mich ein mathematischer Mythos. Ich werde meine Antworten weder ausschmücken, noch auf irgendeine Frage antworten, die ich zu privat finde. Sonst beantworte ich dir gerne all deine Fragen."

Lilknottyone sagt von sich selbst, dass sie keine normale Zoophile ist. Sie isst Fleisch und war „noch nie in ein Tier verliebt", obwohl sie, seit sie 5 Jahre alt war und mit dem Penis ihres Pudels gespielt hat, einige sexuelle Beziehungen zu Tieren gehabt hat. „Ich bin einfach sexuell sehr aktiv", erzählt sie mir. „Wenn ich neugierig bin, probiere ich es aus—ähnlich wie beim Masturbieren, nur eben zusammen mit anderen. 99 Prozent meines Geschlechtsverkehrs findet mit erwachsenen Menschen beider Geschlechter statt. Ich bin auf keinen Fall ausschließlich zoophil."

Lilknottyone sagt, dass nur ihr Partner von ihrer Sodomie weiß und dass sie es auch zusammen tun. („Um ehrlich zu sein, finde ich es auch ziemlich gruselig, wenn ein Mann eine Hündin oder eine Stute fickt. Das macht für mich keinen Sinn, aber ich weiß auch nicht ... Ich finde das irgendwie falsch", schreibt sie mir eines Abends, als wir gerade bei dem Thema sind.) Doch abgesehen von ihrem Partner weiß keiner davon. Das Beast Forum reizt sie vor allem wegen der Community—auch wenn es voller komischer Leute ist, die auf der Suche nach „Aufmerksamkeit oder sexueller Befriedigung" sind. (Sie selbst hat 865 öffentliche Threads gepostet.) Da sie sich selbst an sodomistischen Handlungen beteiligt, aber keine Vollblut-Zoophile wie Joensen ist, betrachtet sie den Sex mit Tieren in gewisser Weise sehr sachlich. Sex zwischen den Spezies ist für sie ein Tabu, ähnlich wie Pädophilie.

„Abweichung ist vielleicht das falsche Wort, weil es viele Menschen auch schlichtweg falsch finden, aber gerade weil es anders ist, finden es viele so antörnend", sagt sie. „Wenn ich nicht selbst gesehen hätte, dass Sex mit einem Hund einvernehmlich und der Hund sogar der Initiator sein kann, würde ich auch denken, dass sie keine bereitwilligen Partner sind. Es gibt Menschen, die Tiere verletzen—genauso wie es Erwachsene gibt, die Erwachsene verletzen oder Erwachsene, die Kinder verletzen—, aber die meisten tun so etwas nicht. Es gibt viele Gründe, warum Menschen Sex mit Tieren haben und es liegt nicht immer an einer psychischen Störung ... sagt das Mädchen, das Sex mit Hunden hat, haha."

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Bevor unser wochenlanges Gespräch endet, warnt mich Lilknottyone noch davor, mit anderen Leuten aus dem Beast Forum zu sprechen. „Wenn das wirklich für den Artikel ist, an dem du arbeitest, werden die meisten [User] denken, dass du nur Scheiße damit vorhast. Sie werden dich an der Nase herumführen oder versuchen, dich umzukrempeln, weil sie denken, dass du insgeheim doch auf Hunde stehst. Oder sie glauben, dass du ein verdeckter Ermittler bist. LOL. Folge deinem Instinkt und deinem Bauchgefühl, dann merkst du, wer dich anlügt."

Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere war Joensen gesellschaftlich so akzeptiert, dass sie eine Ratgeberkolumne über Sodomie für das SCREW-Magazin geschrieben hat. Damit wollte sie anderen neugierigen zoophilen Frauen helfen, Safer Sex mit Tieren zu haben. In einer Ausgabe wurde sie von einer Leserin gefragt, was der Reiz daran sei, einem Schwein einen zu blasen, weil das Sperma „so dick ist und so schnell verklumpt, dass man Gefahr läuft, dass es in deinen Hals kommt und man daran erstickt."

Joensen antwortete mit einem Beauty-Tipp. „Aber weißt du nicht, dass Sperma auch eine wunderbar kühlende Maske ist, die die Haut in deinem Gesicht glänzend und geschmeidig macht? Seit ich diese wundervolle Entdeckung gemacht habe, habe ich keine Pickel mehr."