Um heiraten zu können, müssen schwule und lesbische Partner ihr Geschlecht "aufgeben"

Die Software der Standesämter ist noch nicht reif für die Ehe für Alle.

|
28 August 2017, 11:39am

Symbolfoto: imago | ZUMA Press

"OK, aber wer ist bei euch jetzt der Mann und wer ist die Frau?" Schwule und lesbische Paare hassen diese "Ich hab da mal eine komische Frage"-Frage von Heteros. Umso ärgerlicher, dass ausgerechnet mit der Ehe für Alle Liebende gleichen Geschlechts genau das jetzt wieder gefragt werden – und nicht irgendwo, sondern bei der Eheregistrierung. Denn selbst wenn die Deutschen für die Ehe für Alle längst bereit sind, die Technik der deutschen Behörden ist es noch lange nicht. Die Software der Standesämter kann aktuell noch keine gleichgeschlechtlichen Paare verarbeiten. Statt Mann und Mann bzw. Frau und Frau können weiterhin nur "Ehemann" und "Ehefrau" eingetragen werden, wie die dpa berichtet und aus einem Schreiben des Innenministeriums hervorgeht. Ein Partner muss sich also auf dem Papier einer "Geschlechtsumwandlung" unterziehen.


Aus dem VICE-Videonetzwerk: Ein Wochenende bei der größten Lesbenparty der Welt


Das müsse vorerst "hingenommen werden", heißt es in den "Anwendungshinweisen zur Umsetzung", die das Ministerium am 28. Juli verschickt hat. Da die Ämter ihre Software nur einmal im Jahr zum 1. November aktualisieren würden und der Vorlauf in diesem Fall nicht lang genug gewesen wäre, sei mit einer Anpassung obendrein erst für 2018 zu rechnen. Offenbar wird es noch gut ein Jahr dauern, bis das Problem behoben ist. Die über Jahre hinweg diskutierte und dann Ende Juni plötzlich beschlossene Ehe für Alle hat damit nicht nur manchen CDU-Hinterbänkler überrumpelt.

Es handelt sich allerdings nicht um die einzige Schwachstelle bei dem Gesetz, denn nicht nur werden Intersexuelle im neuen Gesetzestext nicht erwähnt, das aktuelle Familienrecht benachteiligt lesbische Ehepaare zudem auch weiterhin. Bekommen diese ein Kind oder bringt eine Frau ein Kind in die Ehe mit, wird die zweite Ehefrau nicht automatisch auch zur Mutter, so wie der Ehemann bei Heteropaaren zum rechtlichen Vater des Kindes wird. Sie muss stattdessen eine sogenannte Stiefkindadoption beantragen. Das Justizministerium unter Heiko Maas arbeitet zwar gerade an einer rechtlichen Gleichstellung, vor der Bundestagswahl wird es allerdings keine Reform mehr geben.

Ein Gesetz gegen "komische" Fragen steht derweil nicht zur Debatte.

Folge VICE auf Facebook, Instagram und Snapchat.