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Die skurrilsten Wahlkampf-Fails – bis jetzt

Die AfD will die Schweiz besetzen, Christian Lindner will Parfüm verkaufen und Martin Schulz will Araber verprügeln.
16.8.17

Auch wenn es sich gerade nicht wirklich so anfühlt: Es ist Wahlkampf. Die Parteien haben ihre Slogans in Stellung gebracht, ihre Kandidaten poliert und angefangen, deutsche Innenstädte vollzukleistern. Aber das ist nur die halbe Miete.

Das wirklich Tolle an dieser Zeit ist nämlich, wie jetzt plötzlich alle Politiker versuchen, um jeden Preis irgendwie ins Gespräch zu kommen. Klar, das machen Politiker normalerweise auch – aber im Wahlkampf drehen sie alle den Regler nochmal auf volle Lautstärke. Es ist die Zeit, in der plötzlich Gregor Gysi erklärt, die Ost-West-Kluft könne nur überbrückt werden, wenn sich jetzt sofort alle nackt auszuziehen.

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Und damit ihr nichts davon verpasst, haben wir die größten Ausrutscher für euch dokumentiert:

Alle Wahlplakate von der FDP

Es stimmt ja, dass Christian Lindner ganz gut aussieht. Aber ein halbnacktes Calzedonia-Model ist er eben auch nicht. Deshalb ist es eigenartig, wenn die ganze FDP-Kampagne nur aus maximal nachdenklichen Schwarz-Weiß-Bildern von ihm und seinem Dreitagebart besteht. Man ist sich einfach nie ganz sicher, ob die FDP uns jetzt ein politisches Programm oder einfach ein teures Herrenparfüm verkaufen will.

Als die Junge Union der SPD vorwarf, schuld an der Mauer zu sein

Ein Stunt, wie ihn sich die Identitären nicht dümmer hätten ausdenken können: Mit einem Bild vom Mauerbau und einem (zugegebenermaßen auch dämlichen) Schulz-Zitat darüber haben zwei Frechdachse von der JU sich direkt vors Willy-Brandt-Haus gestellt. Die Botschaft wohl irgendwie so: Die SPD ist links, die Mauer wurde von Kommunisten gebaut, ääähh … wählt CDU! Die Wähler, die man damit überzeugt, will man wahrscheinlich nicht unbedingt persönlich kennenlernen.

Allerdings haben die Jusos sich direkt auf dem gleichen Niveau revanchiert, indem sie geantwortet und die CDU für sowohl die DDR als auch Hitler verantwortlich gemacht haben.

Toll zu sehen, was da für Qualität heranwächst.

Als die AfD die Schweiz erobern wollte

Klar, Berge sind schön. Und wenn es um irgendwas "auf dem Land" geht, dann passen Berge ja auch wunderbar. Aber ganz so beliebig wie die AfD Nürnberg sollte man dann doch nicht arbeiten: Die hat nämlich ein Bild vom Schweizer Matterhorn auf ihr Plakat geklatscht – zusammen mit dem Spruch "Hol dir dein Land zurück".

Andererseits: Falls die AfD Nürnberg das ernst meint, sollte ihr vielleicht jemand erklären, dass die Schweizer für genau solche Fälle bis an die Zähne bewaffnet sind. Nicht, dass den wackeren Deutschnationalen noch was passiert!

Merkels erste Wahlkampf-Rede

Es war auch die Verweigerung des Wahlkampfes. Klar, bis jetzt geht die Strategie für Merkel gut auf: Sie tut einfach eisern so, als existierte die SPD nicht und als sei es sowieso selbstverständlich, dass sie selbst wiedergewählt wird. Aber zu weit sollte sie es auch nicht treiben. Wenn es auch weiter so bleibt, dass ihre Reden nur aus Power-Sätzen wie "Es gibt einen Dissenz mit der Sozialdemokratie" bestehen, dann fühlen die Leute sich irgendwann so verarscht, dass sie einfach zum Spaß Christian Lindner zum Kanzler machen. Der riecht immerhin sehr gut.

Als Martin Schulz erklärte, dealende Araber müssten mal "richtig auf die Mappe kriegen"

Martin Schulz hat es wirklich nicht einfach: Nach der anfänglichen Euphorie läuft der Wahlkampf mittlerweile richtig scheiße, die SPD ist in ihren Umfragewerten fast so tief gefallen wie vor seiner Kandidatur. Kein Wunder, dass Schulz langsam das Gefühl hat, er müsse mal so richtig auf die Pauke hauen.

Da passte es perfekt, als eine 72-Jährige im RTL-Polittalk klagte, ihre Straße sei mittlerweile schon als "Arabermeile" bekannt, weil da so viel gedealt werde und es dauernd Schießereien gebe. "Die müssen mal richtig eins auf die Mappe kriegen, damit sie spüren, wer im Land das Sagen hat!", wettert Schulz los. Dem Publikum gefiel es leider gut.

Der SPDler mit der Axt

Schreckliche Wahlplakate gibt es einige, da kann man sich auf die deutschen Provinzpolitiker verlassen. Der Preis für das eigenartigste Plakat geht aber eindeutig an Matthias Ilgen von der SPD im Kreis Nordfriesland–Dithmarschen Nord:

Ilgen hat übrigens schon länger einen Hang zum Theatralischen: Er ist nämlich der einzige bekannte SPD-Politiker, der in seiner Freizeit als Wrestler auftritt. Ehrlich.

Als eine Linke erklärt, die SED sei "eine Rechtspartei" gewesen

Nochmal zum Thema "Die SPD hat die Mauer mitgebaut, weil sie links ist": Die Linken-Politikerin Halina Wawzyniak hat darauf reagiert, indem sie kurzerhand erklärte, die Mauer sei gar nicht von Linken gebaut worden – weil die SED nämlich "im Kern eine rechte Partei" gewesen sei.

Damit reiht sich die Dame nahtlos in die Reihen jener Linken ein, die nach den G20-Ausschreitungen rundheraus erklärten, die Randalierer könnten keine Linken sein, denn Randalieren sei "nicht links". Wawzyniaks Tweet bewegt sich auf demselben argumentativen Niveau: Nur weil sie "autoritär, nationenbezogen, ausgrenzend" zu sein nicht cool findet, heißt das noch lange nicht, dass Linke das nicht sein können – und sie waren es auch oft genug, wenn sie an der Macht waren.

Bonus: Der Babo aus Offenbach

Hat nichts mit der Bundestagswahl zu tun, aber wir wollten es euch trotzdem nicht vorenthalten: Irgendjemand bewirbt sich als Oberbürgermeister im hessischen Offenbach, indem er sich als "Babo" verkauft – komplett mit Haftbefehl-Pose. Das Blöde ist, dass er damit jetzt den echten Haftbefehl auf dumme Gedanken gebracht hat …

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