Alle Fotos von Raymond van Mil

Fotos der berüchtigtsten Ecstasy-Pillen der letzten 20 Jahre

Von Mitsubishi bis Donald Trump – ein Sammler hat uns durch sein Archiv der niederländischen Ecstasy-Geschichte geführt.

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Aug. 11 2017, 7:52am

Alle Fotos von Raymond van Mil

Eine "harmlose Partydroge" ist Ecstasy bestimmt nicht. Der Konsum kann unerwartete Nebenwirkungen mit sich bringen und die Produktion in den Niederlanden versaut mit ihren Giftabfällen die Wälder. Zumal der MDMA-Anteil in den meisten heutigen Pillen gefährlich hoch und nur schwierig einschätzbar ist. Ach, und etwas trottelig sieht man drauf auch aus.

Dennoch dürften die kleinen bunten Pillen die einzige illegale Droge mit individuellem Branding sein, die die meisten Ottonormalkonsumenten zu Gesicht bekommen. Die verschiedenen Designs helfen obendrein dabei, die einzelnen Fuhren zu unterscheiden – auf Seiten wie saferparty.ch , pillreports.net oder eve-rave.ch kannst du so einen Eindruck vom Wirkstoffgehalt zu bekommen. Denn auch wenn dieser selbst zwischen Pillen gleicher Prägung noch schwanken kann, liefert der Test einer einzelnen Pille zumindest eine Referenz für den Rest des gleichen Designs.

Darüber hinaus haben die meisten Pillen aber auch eine Geschichte. In vielen Fällen spielt das Logo auf die Inhaltsstoffe oder die intendierte Wirkung an. Andere Pillen sind Teil einer Ecstasy-Familie, die sich über mehrere Generationen erstreckt. Manche verschwinden nach wenigen Monaten vom Markt, andere halten sich über mehrere Jahre.


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Ein Freund von mir beschäftigt sich seit Jahren mit der Geschichte hinter den Pillen. Verständlicherweise möchte er gerne anonym bleiben. Seit 1995 sammelt er Ecstasy, das in den Niederlanden produziert wird. Seine Kollektion hat sich dabei ganz natürlich entwickelt. Früher war er Dealer, und "wenn du große Mengen kaufst, bleibt immer etwas übrig", sagt er.

Mein Freund begann schließlich, diese Überbleibsel aufzuheben und zu archivieren. Über die Jahre kam so einiges zusammen. Ich habe ihn vor Kurzem besucht, um ein paar besonders wichtige Exemplare zu fotografieren und die Geschichten dahinter zu erfahren.

Love

Das hier sind drei Pillengenerationen. In jede ist das Wort "Love" gepresst – sie stammen alle aus den Niederlanden. Die Originalpille – die rautenförmige links – erschien 1993 auf dem Schwarzmarkt. Aufgrund ihrer hohen Qualität überstieg die Nachfrage schnell das Angebot.

Besonders in der House-Szene erfreute sie sich weiter großer Beliebtheit, obwohl spätere Pillengenerationen nicht mehr den gleichen ekstatischen Effekt auf die Konsumenten hatten. Der Grund dafür dürfte eine Veränderung der Rezeptur sein. Was genau sich geändert hat, lässt sich allerdings schwer sagen. Herzförmige Pillen gehören auch heute noch zu den beliebtesten Ecstasy-Varianten in den Niederlanden.

"Druifje" (Träubchen)

Dieses Teil hatte in den Niederlanden den Spitznamen "Druifje", zu Deutsch "Träubchen". Ob das auch etwas mit der klanglichen Nähe zum deutschen "Druffie" zu tun hat, sei dahinspekuliert. Jedenfalls kam das Teil 1996 mit 180mg MDMA auf den Markt, was bereits damals unglaublich viel war: Laut Experten sind schon 120mg eine gefährliche Dosis, ab der unerfreuliche Nebenwirkungen eintreten können.

Wie das Jellinek-Institut – ein niederländisches Zentrum für Informationen zu Alkohol, Drogen und Sucht – schreibt, enthielten Ecstasy-Pillen bis 2009 in der Regel nicht mehr als 80 oder 90mg. In jenem Jahr gab es anscheinend Versorgungsengpässe bei einigen Zutaten. Als das Angebot dann 2010 wieder der Nachfrage entsprach, stieg auch der MDMA-Anteil im Ecstasy exponentiell an. Wenn das alles stimmt, war das "Druifje" eine frühe Ausnahmeerscheinung.

Mitsubishi

Als 1997 die erste Mitsubishi-Pille auf den Markt kam, hatte sie innerhalb kürzester Zeit Legendenstatus erreicht. Der japanische Autohersteller dürfte sich über die Verwendung seines Logos zwar nicht sehr gefreut haben, aber auf Konsumentenseite fand diese Pille umso größeren Anklang. Schon bald fingen auch andere Ecstasy-Labore an, das Logo zu verwenden.

Der Sammler erzählt mir, dass er in den frühen Tagen von Mitsubishi nur ein Drittel einer Pille gebraucht habe, um für die ganze Nacht bedient zu sein. Anfangs hatte er noch keine Ahnung von der Potenz und musste sich, als die Wirkung einsetzte, erstmal für ein paar Stunden in einen Sitzsack setzen, bevor er zurück auf die Tanzfläche konnte.

"Raketje" (Raketchen)

Diese Pille mit der kleinen Rakete tauchte in den frühen 90ern auf und fand ihre Abnehmer vor allem in der niederländischen Gabber-Szene. Der Name und das Logo verweisen auf den extrem hohen Speed-Anteil, dem Treibstoff der Gabber-Partys in den 90ern.

Delfin

Diese Pille erschien in den frühen 2000ern auf der Bild- und Tanzfläche und war mit 140mg MDMA wieder sehr stark. Dieses bestimmte Exemplar hier oben war Teil eines ziemlichen ausgefuchsten Event-Marketings. Sie kam 2003 oder 2004 in den Besitz des Sammlers, als ein bekannter Veranstalter sie kostenlos am Eingang einer seiner Partys verteilte.

Taube

Diese Pillen gab es Anfang 2000 zum ersten Mal auf dem Schwarzmarkt. Das Logo mit der Taube blieb zwar das gleiche, aber mit jeder neuen Fuhre kam eine neue Farbe dazu. Die Pille war mehrere Jahre auf dem Markt und dem Sammler zufolge reichte eine Halbe vollkommen aus.

Aufgrund ihres betagten Alters fallen die Pillen fast auseinander. Wenn du dir das Bild genau ansiehst, erkennst du, dass sich die verschiedenen Komponenten langsam verklumpen. Der Sammler sagt mir aber, dass er sie deswegen noch lange nicht wegschmeißt. Vor Kurzem erst habe er Pillen verteilt, die er seit 20 Jahren bei sich rumfliegen hatte. Sie zerbröselten zwar beim Hinsehen, funktionierten anscheinend noch einwandfrei. Das Risiko trugen natürlich die Konsumenten selbst.

Zwei Halbkreise

Diese Pillen heißen so, weil ... darauf zwei Halbkreise zu sehen sind. Sie befinden sich seit 2007 in der Kollektion des Sammlers. Er hat sie testen lassen, sie enthält etwa 100mg MDMA.

Starbucks

Diese Pille mit dem Starbucks-Logo befindet sich in den Niederlande seit etwa 2015 auf dem Markt. Das Logo wird aber auch von anderen Produzenten auf der ganzen Welt verwendet. Das Exemplar hier enthält 120mg MDMA.

Flügel

Diese Pille ist nach einem beliebten Wodka-Energy-Shot benannt und gestaltet, der in kleinen Flaschen in Trash-Bars verkauft wird. Sie ist relativ frisch auf dem Markt – der Sammler hat 2016 seine erste Ladung erhalten.

Letztes Jahr hat er anderthalb davon an einem Abend konsumiert und kann sich an nichts mehr erinnern. Sein einziges "Souvenir" der Nacht ist ein Selfie auf seinem Handy mit dem niederländischen Rapper Lil' Kleine (bekannt vom 2015er Hit "Drank en Drugs"). Dabei dürfte der Sammler sogar Glück gehabt haben: Die Flügel-Pille wurde letztes Jahr mit einem extrem hohen MDMA-Anteil von 250mg getestet. Unerfahrene Nutzer begeben sich hier in Lebensgefahr.

Donald Trump

Der neueste nennenswerte Zugang in der Sammlung meines Freundes ist kein Geringerer als Donald Trump. Diese Pille sorgte auch in Deutschland schon für Aufsehen – selbst Bild berichtete – und soll extrem hoch dosiert sein. Der Sammler sagt, dass Donald Trump vom selben Produzenten stammt, der schon die "SIM-Karte" gemacht hat: Auch diese Pille enthält viel MDMA.

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