Interviews

HipHops heilige Kuh: Wir haben Doja Cat interviewt

"Eigentlich gab es für mein Album anfangs gar keinen Support, niemand hat das Ganze irgendwie gepusht. Jetzt twittert Katy Perry über mich und auch Chance The Rapper hat sich als Fan geoutet."
KC
Queens, US
Screenshot von YouTube aus dem Video "Doja Cat - "Mooo!" (Official Video)" von Doja Cat


Dieser Text stammt ursprünglich von unseren Kollegen aus den USA.

Endlich bekommen Kühe ihren verdienten Platz im Rampenlicht. Schon Anfang des Jahres hat Justin Timberlake versucht, das Landleben sexy zu machen, aber die Rap-Herangehensweise an das Thema Landwirtschaft ist da noch mal etwas anders. Bestes Beispiel: Lil Tracys Lied "Like a Farmer". Seit dieser Woche schwimmt ein neuer, ziemlich bizarrer Track auf diesem Trend mit. Das dazugehörige Video beginnt direkt mit einem Kinderreim über Kühe, während im Hintergrund entweder ein Pixel-Hamburger oder herumwackelnde Anime-Brüste zu sehen sind. "Mooo!" von Doja Cat ist allerdings mehr als nur ein 08/15-Viral-Hit. Nein, das Teil geht richtig ab.

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Das alles ist kein Zufall. Doja Cat kann spitten. Und gemessen an der DIY-Natur ihres Videos weiß die Musikerin auch, was es braucht, um berühmt zu werden. Der Produzent Sango lüftete bei Twitter dann ein kleines Geheimnis und schrieb, dass Doja Cat uns mit dem Kuhlied nur anlocken wollte und eine wahrlich talentierte Musikerin mit ernsthaftem Repertoire sei.

Wie sich herausstellt, kann Doja Cat tatsächlich mehr als nur virale Videos. Im März veröffentlichte sie mit Amala (ihr wirklicher Vorname) ein Album mit 13 Tracks, die sie selbst als "Ice-Cream-Truck-Musik" bezeichnet. Und tatsächlich gehen die Lieder so gut runter wie ein cremiges Cornetto an einem heißen Sommertag – auch dank Dojas selbstbewusster Performance. Auf dem verträumten "Wine Pon You" beweist sie zusammen mit dem Dancehall-Künstler Konshens ihr Können in der jamaikanische Sprache Patois und auf "Casual" beschäftigt sich die Rapperin mit der Ungewissheit von widersprüchlichen Signalen.

Dojas entspannte Lyrics und ihr leidenschaftlicher Rap begeistern. Aufgewachsen ist Amala Dlamini übrigens in Kalifornien und New York, dabei immer angetrieben von ihrer Liebe fürs Tanzen und fürs Skateboarden. Wir haben uns mit Doja Cat über ihren plötzlichen Ruhm unterhalten und wollten dabei wissen, was das jetzt alles für ihre Musik bedeutet.


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Noisey: Die Inspiration zu "Mooo!" kam von dem Kuhkostüm, das du für deine anstehende Tour ausgesucht hast. Aber wie bist du überhaupt auf dieses Outfit gekommen?
Doja Cat: Ich fand es einfach total süß. Ich mag die Form, aber auch die Kuhflecken überzeugen. Das Teil habe ich mir zwar für die Tour besorgt, aber manchmal trage ich die Tour-Outfits auch so im Alltag, weil ich sie so cool finde. Eines Tages habe ich das Kuhkostüm bei einer Instagram-Live-Session angehabt. Ich hatte schon einen Beat fertig und wusste in dem Moment nicht, über was ich schreiben sollte. Also nahm ich Kühe als Thema.

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Warum Instagram Live?
Manchmal streame ich eine Woche lang jeden Tag live, wie ich Lieder schreibe und produziere. Dabei hab ich produktionstechnisch noch gar nicht so viel drauf, aber ein bisschen Knöpfchen drehen kann ich schon. Jeden Tag sind so um die 50 bis 60 Leute bei meinen Instagram-Live-Videos dabei. Die schlagen dann auch Sachen vor und es entstehen Insider-Witze. Wir sind fast so etwas wie eine kleine Familie. Persönlich getroffen habe ich von ihnen noch niemanden, aber wir hängen trotzdem viel zusammen ab und machen Musik.

OK, du bist live bei Instagram, trägst ein Kuhkostüm und "Mooo!" entsteht. Wie haben die Zuschauer reagiert?
Die haben gelacht, weil sie das Ganze witzig und niedlich fanden. Ich habe halt 15 Minuten lang irgendetwas über Kühe gefreestylt. Am Anfang war das auch noch kein richtiges Lied, ich habe nur "Bitch, I’m a cow / Bitch, I’m a cow" und "Get out my farm / Bitch, get out my farm" wiederholt. Dann habe ich mein Publikum gefragt, ob ich da wirklich ein Lied draus basteln soll. So kam "Mooo!" zustande.

Auf deinem Debütalbum Amala befindet sich auch ernstere Musik. Wie findest du es da, dass dich die Leute wohl durch ein Lied über Kühe entdecken?
Ich glaube, dass ich für die Leute jetzt erstmal eine Zeitlang das "Kuhmädchen" sein werde. Das verstehe ich voll und ganz. Ich habe aber auch echt Glück, dass das Lied eine Art Plattform für mein Debüt geschaffen hat, denn das war überhaupt nicht meine Intention.

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Eigentlich gab es für mein Album anfangs gar keinen Support, niemand hat das Ganze irgendwie gepusht. Jetzt twittert Katy Perry über mich und auch Chance The Rapper hat sich als Fan geoutet. Er ist ein witziger Typ, der den DIY-Lifestyle auch zu schätzen weiß. Ich finde es cool, dass mich diese Leute unterstützen – das bedeutet ja auch mehr Reichweite. Dass ich selbst ihre Musik gut finde, ist noch ein weiterer Bonus.

Vor ein paar Monaten ist dein Debütalbum Amala erschienen und du stehst bei RCA unter Vertrag. Was müssen wir sonst noch über Doja Cat wissen?
Ich bin schon immer davon überzeugt gewesen, ernsthafte Musik zu machen. Ich bin ein sehr sexueller Mensch. Ich liebe R'n'B und total packende Musik mit intensiven und düsteren Akkorden. Gleichzeitig habe ich eine Schwachstelle für quirlige Einschlafmusik. Fast so wie Ice-Cream-Truck-Rap. Ich stehe total auf diesen zuckersüßen Frauen-Rap. Vor Jahren habe ich Hipster-Kiffer-Musik für Leute gemacht, die den ganzen Tag nur auf der Couch lümmeln. Dann habe ich mit dem Kiffen aufgehört und bin auf den leichtlebigen Trap-Zug aufgesprungen. Ich habe meinen Sound quasi aufgeräumt. Ich hatte ungefähr vier Lieder, die ziemlich witzig waren. Einer meiner Songs heißt "Suck My Dick". Meistens mache ich aber schlichten Wohlfühl-Rap und -Pop.

Das Tanzen hat mich überhaupt erst in diese ganze Sache reingebracht. Mit gut sechs Jahren habe ich mit Ballett angefangen. Als ich zehn war, ging es weiter zum Breakdance. Also keine so schwierigen Spins und Flips – das werde ich nie draufhaben –, sondern Pop-Lock-Bewegungen und Roboter-Kram. Das habe ich eine ganze Zeit lang richtig durchgezogen und war vor allem während meiner Schulzeit total leidenschaftlich dabei.

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Du hast bei Twitter geschrieben , dass du gerne diese ganzen "woken" HipHop-Leute enttäuschst. Was genau meinst du damit?
Ich finde, dass die Leute, die HipHop zu ernst nehmen, dem Ganzen den Spaß rauben. Es ist fast so, als würden sie den Lifestyle absichtlich zu etwas machen, zu dem man nicht mehr gerne gehört. Die, die das mit HipHop machen, was A Tribe Called Quest, Lauryn Hill und KRS-One damit getan haben, finde ich aber super. Die sind wirklich woke.

Viele Fans scheinen der Meinung zu sein, dass man als Rapper nur dann gut sein kann, wenn man ernst ist. Dabei gibt es keine beschissenere Denkweise und Lebensart, als ständig so zu tun, als sei einem etwas total ernst. Darauf spiele ich mit meinem Tweet an. Diese Leute sollen wissen, dass mir das völlig egal ist.

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Streamt Doja Cats Debütalbum 'Amala' hier:

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