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Kippen, Pillen, Kondome: Fotos vom Innenleben Züricher Müllsäcke

Drei Künstler haben aus verschiedensten Vierteln der Schweizer Stadt Abfallsäcke mitgenommen und aufgeschnitten.

von Kamil Biedermann
27 Januar 2018, 4:15am

Fotos zur Verfügung gestellt von der ZHdK

Diese Fotoarbeit entstand im Studium der Visuellen Kommunikation an der Zürcher Hochschule der Künste.

Das Verhältnis der Schweizer zu Abfall ist so innig wie kaum anderswo auf der Welt. Der Entsorgungskalender gibt vor, wann die vierteljährliche Sammlung für Altkleider kommt und an welchen Tagen der Karton und das Papier abgeholt werden. Vertust du dich in den Tagen, liegt schnell mal ein Bußgeldbescheid über mehrere hundert Franken in deinem Briefkasten. Plastikflaschen, Batterien und Elektroschrott müssen zurück ins Geschäft, während Glas und Dosen in die Container in den Quartieren gehören – jedoch auch dies zu strikt geregelten Einwurfzeiten, sonst werden auch hier 50 Franken Bußgeld fällig, also mehr als 40 Euro.

Was nach dem Recyceln noch übrig bleibt, landet in kostenpflichtigen Müllsäcken. Schweizer gehören zwar zu den fleißigsten Recyclern überhaupt, sind aber gleichzeitig auch Weltspitze, was die gesamte Abfallproduktion pro Kopf angeht.

Es sagt viel über die privaten Konsumgewohnheiten und die Konsumenten selbst aus, was in ihrem Müll landet. Die ZHdK-Absolventen Sara Hardegger, Johannes Inauen und Ruben Brändli teilten 2013 die Stadt Zürich in sieben fiktive "Klischee-Regionen" ein und nahmen aus diesen Gegenden Abfallsäcke mit, die auf öffentlichem Grund standen. Im Fotostudio putzten und sortierten sie den Müll und arrangierten ihn anschließend fein säuberlich, um ihn zu fotografieren.

"Die zum Teil vergammelten und stinkenden Produkte in einem abgeschlossenen Raum zu komponieren, hat mehrfach unsere Grenzen getestet", erzählen die drei Künstler. Auch habe sie interessiert, was hinter den Mauern geschieht, durch die wir nicht blicken können. Der Müll lässt erahnen, was dort gegessen, getrunken, geraucht und gebraucht wird.

Aus welcher Gegend die Säcke stammen, bleibt das Geheimnis der Fotografen – und somit der Spekulation des Betrachters überlassen. Ob Schweiz-Kenner erraten können, welcher Sack aus Züri-West, Altstadt, Langstrasse, Zürichberg, Wollishofen, Seefeld oder Höngg stammt?

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