First Dates

Das erste Date mit … Emo-Ikone Pete Wentz von Fall Out Boy

Am Ende fragt Pete nach einem zweiten Treffen und entschuldigt sich unter anderem dafür, ein schlechtes Date gewesen zu sein.

von Marianne Eloise; Fotos von Chris Bethell
05 Juli 2018, 12:45pm

Mitte der 2000er Jahre war ich wie jede andere traurige Teenagerin mit schwarzgefärbter Pony-Frisur ein wenig in Pete Wentz verknallt. Nach der Veröffentlichung des Durchbruchalbums From Under the Cork Tree im Jahr 2005 wurde der Bassist von Fall Out Boy quasi über Nacht nicht nur zum Gesicht der Band, sondern auch zum Aushängeschild der Emo-Eyeliner-Herzschmerz-Fraktion.

2005 liegt inzwischen 13 Jahre zurück und der Emo-Sound von damals ist tot. Dennoch sind Fall Out Boy nach sieben Studioalben und einigen kontroversen Soundwechseln heute größer denn je. Die Band hat sich in der Musikindustrie behauptet – obwohl die mit der damaligen Bewegung schon längst abgeschlossen hat – und gleichzeitig ihre riesige, fast schon obsessive Fangemeinde erhalten.

Ich persönlich hatte noch nie ein richtiges Date, das mehr war als nur "Komm, wir sitzen so lange nebeneinander im Park, bis wir uns langweiligen und rumknutschen" war. So gesehen war mein erstes Date mit Pete Wentz also auch meins erstes Date überhaupt. Schon cool, wenn man dabei gleichzeitig jedermanns Teenie-Traum erfüllen kann.

Ich treffe Pete im Nobel-Restaurant Nobu im Osten Londons. Als ich mit meinem Schwarm von damals etwas unbeholfen und ein wenig beschämt am Tisch sitze, stellt sich heraus, dass der Musiker nicht nur süß und talentiert ist, sondern auch extrem nett und verständnisvoll. Er entschuldigt sich für das "übertriebene" Restaurant und bietet mir an, einen Ort zu finden, an dem wir Tischtennis spielen können. Er bittet die Kellnerin, darauf zu achten, dass mein Essen wirklich vegan ist, und versichert mir, dass es ohne kleckern nicht gehe, als ich in meinen Taco beiße und sich ein Großteil der Füllung auf meinen Händen und meinem Kinn verteilt. Außerdem kann man gut mit ihm über Beziehungen, Ruhm und coole Väter reden.

Noisey: Hey Pete Wentz von Fall Out Boy. Wo findet für dich ein perfektes erstes Date statt?
Pete Wentz: Ein richtiges erstes Date, bei dem man die andere Person noch gar nicht kennt? Wahrscheinlich zuerst in einem Restaurant und dann im Kino. Es muss aber ein Film laufen, der nur halbwegs gut ist. Sonst muss man die ganze Zeit aufpassen und kann sich nicht unterhalten. Im Kino wird es während einer Gesprächspause aber auch nicht direkt unangenehm und es herrscht kein Druck, irgendetwas sagen zu müssen. Mein Albtraum wäre, beim ersten Date im Flugzeug zu sitzen. Wie sieht denn dein perfektes erstes Date aus?

Idealerweise treffen wir uns in einer Arcade-Spielhalle, denn da muss man nicht unbedingt viel reden, ist beschäftigt und sitzt nicht nur herum und starrt sich an.
Ich und Andy [Hurley, Schlagzeuger von Fall Out Boy] waren vor Kurzem bei Topgolf, kennst du das? Das ist eine Art Abschlagsübungsplatz inklusive Bar. Man versucht, bestimmte Ziele zu treffen und bekommt dafür Punkte. So etwas wäre für ein erstes Date doch cool.

Kannst du dich noch an dein allererstes Date erinnern?
Ich muss 15 oder 16 gewesen sein. Wir sind in ein arabisches Restaurant gegangen, zu dem uns unsere Eltern gefahren haben. Ich glaube, es lief nicht so gut.

Ich habe das Gefühl, dass man sich heutzutage nur noch so als Freunde trifft, sich betrinkt und dann schaut, wo das Ganze hinführt. Ich kenne niemanden, der Dates noch zum Abendessen ausführt.
Ich glaube auch, dass dieses ganze "Erstes Date"-Ding der Vergangenheit angehört. Inzwischen hängt man meistens in einer größeren Gruppe ab und wenn man jemanden gut findet, dann nabelt man sich etwas von den anderen Leuten ab.

Was ist dein größtes No-Go in einer Beziehung?
Gemeinsame Interessen. Jeder muss sein eigenes Ding machen. Es darf aber auch nicht so weit gehen, dass man über gar nichts mehr reden kann oder dass die Interessen das komplette Gegenteil voneinander sind – zum Beispiel gegensätzliche Meinungen zu Donald Trump. Das erste Date ist da immer sehr knifflig, weil man auf einen Schlag ganz viel über die andere Person erfährt.

Da kommt inzwischen ja auch das Internet ins Spiel. Jetzt kann man schon vor dem ersten Treffen richtig viel über einen anderen Menschen herausfinden.
Das Internet ist aber nicht immer zuverlässig.

Du bist ja sehr berühmt. Werden Dates dadurch komisch?
Es ist schon komisch, wenn ich mit einer anderen Person abhänge und mich dann frage, ob diese Person eine gewisse vorgefasste Meinung von mir hat. Dann überlege ich, ob diese Meinung positiv oder negativ sein könnte. Und ob ich mich jetzt anders oder nicht authentisch verhalte, um besser dazustehen – so nach dem Motto "Ich bin jetzt viel netter als sonst". Dabei sollte ich einfach ich selbst sein, egal ob das nun passt oder nicht.

Mir ist vor allem wichtig, dass man meine Interessen respektiert. Wenn ich einen Typen date, der zwar auch auf Filme und Musik steht, meinen Geschmack aber runtermacht, dann wäre das sofort wieder vorbei.
Jaden Smith und ich haben uns mal für einen Artikel gegenseitig interviewt. Ich habe ihn dann nach seinem Lieblingsfilm gefragt und weiß schon gar nicht mehr, was er als erstes gesagt hat. Danach meinte er auf jeden Fall schnell: "Am allerliebsten mag ich aber die Twilight-Reihe." Das fand ich super, weil er mit seiner Antwort nicht cool wirken wollte. Es war richtig erfrischend, mit einem so jungen Menschen zu reden, der selbstsicher auftritt und einfach er selbst ist.

Ich habe zwei Studienabschlüssen in Filmwissenschaften und habe am Anfang des Studiums immer so getan, als ob ich die "richtigen" Filme gut finde. Am Ende war ich deswegen so frustriert, dass ich alle meine Hausarbeiten darüber geschrieben habe, wie egal Geschmack überhaupt ist.
Ich glaube, so ähnlich ist es bei Fall Out Boy auch. Als Teenager steht man auf das, was man wirklich cool findet. Dann zieht man für das Studium weg, lernt so viele neue Leute kennen und denkt deswegen, dass man diese und jene Musik mögen muss, um reinzupassen. Nach dem Abschluss wird einem in der echten Welt aber klar, dass man nichts vorgeben braucht. Warum sollte man nicht einfach das mögen dürfen, was man wirklich gut findet, wenn es einen doch glücklich macht?

Erzähle mir von deinem bisher beschissensten Date. Hoffentlich ist es nicht das hier.
Ich hatte mal ein Date und meine damalige Freundin machte direkt am Anfang mit mir Schluss und wir aßen danach noch fertig. Das war echt unangenehm. Im Grunde habe ich – genau wie du – noch nie ein erstes Date mit einem Menschen gehabt, den ich gar nicht kannte. Das stelle ich mir auch nicht schön vor.

Bei Freunden ist es ja genauso: Wenn es nicht passt, ist es scheiße.
Stimmt. Ich kenne das auch, wenn mein Kind sich mit anderen Kindern zum Spielen verabredet. Dann muss ich mit den anderen Vätern abhängen, was sich oft wie ein erstes Date anfühlt. Man weiß schnell nicht mehr, über was man reden soll, und dann labern sie mich mit MMA- oder Autorennen-Geschichten voll. Ich höre dann zwar zu, habe aber keine Ahnung, um was es eigentlich geht.

Kennst du überhaupt irgendwelche coolen Väter?
Wenn ich mit Joel Madden [von Good Charlotte] unterwegs bin, ist es immer cool. Er versteht meinen Lifestyle und wir können auch mal drei Minuten schweigen, ohne dass es direkt peinlich wird.

Ich hoffe, das hier hat dir mehr Spaß gemacht als ein erzwungenes Treffen mit irgendeinem Vater. Vielen Dank, Pete!

Nachdem unser Treffen vorbei ist, fragt Pete nach einem zweiten (mehr spaßigen) Date und twittert mich später an. Er entschuldigt sich für seine Magenschmerzen und dafür, ein schlechtes Date gewesen zu sein. Weil wir einen wirklich schönen Nachmittag miteinander verbracht haben, frage ich mich, was genau für Pete Wentz ein gutes Date ausmacht. Vielleicht finde ich das ja noch heraus.

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