Beziehung

Betrogen zu werden ruiniert nicht nur dein Leben, sondern auch deine Gesundheit

Anscheinend ist Liebeskummer allein einfach noch nicht schrecklich genug.
Foto: Naomi August | Unsplash | CC0

Als ich 21 war, machte mein damaliger Verlobter am Telefon mit mir Schluss. Ich kann mich auch heute noch an diesen Abend erinnern, als wäre es gestern gewesen. Es war Spätsommer. Ich saß draußen in der Einfahrt meiner Eltern und hockte hinter dem Auto meiner Mutter, abgeschirmt von der Straße. Er beichtete mir, dass er eine andere hatte und sagte dann ganz ruhig: "Ich liebe dich nicht mehr, Kim." Nachdem wir aufgelegt hatten, ging ich rein und nahm mir von meinem Vater eine Zigarette.

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Das war meine allererste Zigarette. Im Gegensatz zu vielen anderen habe ich die Schulzeit und das Studium hinter mich gebracht, ohne zu rauchen oder zu trinken – es hat mich einfach nie groß interessiert. Als mich aber der Mann verließ, den ich als meine erste große Liebe bezeichnen würde, der mir einen Ring an den Finger steckte und das große Happy End versprach, überkam mich das dringende Bedürfnis zu rauchen. Wenig später habe ich dann die heilende Wirkung von Long Island Ice Tea entdeckt.

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Egal ob Tabak, Alkohol oder in manchen Fällen sogar Drogen – selbstzerstörerisches Verhalten nach einer Beziehungskrise ist nichts Ungewöhnliches. Das stellte eine Studie fest, die vor Kurzem im Journal of Social and Personal Relationships erschien.

"Untreue ist eine der schmerzlichsten und toxischsten Erfahrungen, mit der Paare konfrontiert werden", erklärte die führende Autorin der Studie, M. Rosie Shrout, gegenüber PsyPost. Die oder der Betrogene würde nach so einer Erfahrung in ein Loch fallen. Im Rahmen der Studie wollten ihr Team und sie herausfinden, "ob diese emotionale und psychologische Verzweiflung auch dazu führt, dass sie sich an gesundheitlich riskanten Verhaltensweisen beteiligen – beispielsweise ungeschütztem Sex, Drogen- oder Alkoholmissbrauch, Bing-Eating oder Hungern."


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Dafür haben die Forscher 232 Universitätsstudierende untersucht, die in den vergangenen drei Monaten betrogen wurden. Im Schnitt waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer 1,76 Jahre mit ihren Partner_innen zusammen. Zusätzlich analysierten die Forscher, wem oder was sie die Schuld an der Untreue des Partners gaben: sich selbst, dem Betrügenden oder den Umständen. Außerdem sollten sie ihren Gemütszustand bewerten.

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Abschließend wurden sie gefragt, ob sich bei ihnen seither bestimmte Verhaltensweisen verändert haben, die ihre Gesundheit negativ beeinflussen könnten. Sei das nun Konsum von Alkohol und Drogen, ihre Einstellung zu Safer Sex oder ihr Ess- und Bewegungsverhalten.

Das Ergebnis: Betrogen zu werden scheint einen klaren Einfluss darauf zu haben, wie wir mit uns selbst umgehen. Die meisten der Teilnehmer_innen aßen weniger oder überhaupt nicht (45 Prozent), tranken Alkohol (44 Prozent), machten übermäßig viel Sport (29 Prozent), hatten betrunken oder high Sex (27 Prozent) oder rauchten Gras (19 Prozent).

"Diese Formen von gesundheitsschädigendem Verhalten könnten dadurch erklärt werden, dass die Betroffenen versuchen, die Untreue zu verarbeiten, indem sie negative Emotionen reduzieren und positiven Emotionen fördern", heißt es in der Studie.

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Besonders interessant ist dabei, dass auch das Geschlecht der Befragten eine Rolle zu spielen scheint: "Die erwähnten Folgen für die psychische Gesundheit traten bei Frauen stärker in Erscheinung als bei Männern", schreiben die Autoren. "Frauen litten infolge der Untreue auch unter starken psychischen Problemen, was wiederum zu einem noch stärkeren gesundheitsschädigenden Verhalten führte. Egal, ob sie sich selbst oder ihrem Partner die Schuld gaben."

Dieser Geschlechterunterschied könnte laut Shrout dadurch erklärt werden, dass Frauen Beziehungen normalerweise mehr Bedeutung beimessen und auch als stärker identitätsstiftend betrachten. Folglich hätten viele Frauen, nachdem sie betrogen wurden, den Eindruck, dass ihr Selbstbild beschädigt worden wäre. Die Folge: Sie leiden häufiger unter psychischen Problemen und tun Dinge, die ihnen nicht gut tun.

Als Frau, die schon mehrmals betrogen wurde, kann ich das leider nur bestätigen.

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