Problem-Fans von RB Leipzig unterzeichnen Ehrenkodex

Beim Auswärtsspiel in Frankfurt kam es zur Rangelei unter den RB-Fans, nachdem jemand ein Kind angerempelt hatte. Die "Pöbler" trafen sich nun mit der Fanbetreuung.

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07 Juni 2017, 10:05am

Foto: Imago | Picture Point LE

"Gewalt auszuweichen ist Stärke" oder "RBL-Fussball für Familien" standen in bunten Buchstaben auf dutzenden Bannern im Leipziger Fanblock. Das war im Februar. Mit dieser Aktion wollten die RB-Fans ein Zeichen setzen, nachdem es gewaltsame Übergriffe gegen sie in Dortmund gab. Fans und Verein wollten zeigen, dass bei RB eine gewaltfreie Fankultur gelebt wird. Aber dass das schon untereinander nicht immer klappt, zeigten Konflikte unter den Leipziger Fans in Frankfurt.

Dort kam es am 34. Spieltag zu einer Rangelei im Auswärtsblock, die erst von Polizei und Security geschlichtet werden konnte. Auslöser war ein weinendes Kind, das zuvor mit einem Mitglied der RB-Gruppierung "L. E. United" zusammengestoßen sein soll, wie die Mitteldeutsche Zeitung berichtete. Statt einer Entschuldigung folgte eine aggressive Reaktion aus der Gruppe heraus. Auch der Satz "Kinder haben beim Fußball nichts zu suchen" soll gefallen sein, wie die Zeitung unter Berufung eigener Quellen im Block schildert. Nun reagierte die Fanbetreuung von RB Leipzig.

Bei einem Treffen kam es zu einer Aussprache zwischen dem Klub und einigen Vertretern der Gruppe "L.E. United", die ein loser Zusammenschluss einiger Fans sein soll. Anschließend unterzeichneten die vom Boulevard "Frankfurt-Pöbler" getauften Randalierer den Ehrenkodex, zu dem sich reguläre Fanclubs von RB Leipzig auch bekennen müssen. Unter anderem steht dort drin:

"Im Bewusstsein der gesellschaftlichen Verantwortung des Sports und für den guten Ruf des Fußballs hat Rasenballsport Leipzig für sich diese Werte und Verhaltensweisen festgelegt: Wir respektieren unseren Gegner und deren Fans, unsere Spieler, Trainer und Funktionäre, Schiedsrichter, Zuschauer und alle am Spiel beteiligten Personen. Wir lehnen Diskriminierung und Gewalt ab. Wir respektieren alle Menschen unabhängig von Geschlecht, Abstammung, Hautfarbe, Herkunft, Glauben, sozialer Stellung oder sexueller Identität. Wir setzen uns dafür ein, dass keine Gewalt von Fans von Rasenballsport Leipzig ausgeht. Wir akzeptieren die für das Stadion geltenden Regeln. Wir wissen, dass Verstöße gegen die oben genannten Punkte zu Stadionverboten führen können."

Die Gruppierung soll bis zu zwanzig Mitglieder haben und ihr werden "schwarze Fischermützen" als Erkennungsmerkmal zugeschrieben. Ihr wird von Leipziger Medien "aggressiv-gewalttätiges Potenzial" und "Alt-Hauer-Erfahrung" nachgesagt. RB Leipzig wiederum erklärte, dass eine solche Beschreibung "überzogen" und das Problem gelöst sei. Dass die Red Bull Arena jedoch kein gewaltfreier Ort ist, zeigten nicht erst die schweren Prügel-Vorwürfe einiger HSV-Fans gegen den Leipziger Sicherheitsdienst. Auch in der Fanszene sammeln sich gewaltbereite Anhänger: Nach Angaben des sächsischen Innenministeriums wurden 40 Anhänger von RB Leipzig der Kategorie B zugeordnet: gewaltbereit, gewaltgeneigt. Und das war im Jahr 2015, als RB noch nicht mal in der Bundesliga spielte.