Twin Peaks

Ein 'Twin Peaks'-Superfan hat ein Kochbuch zur Serie geschrieben

Mit einem Kirschkuchen-Rezept, da legst du dich lang.

von Daisy Meager
01 Juni 2017, 12:49pm

Alle Fotos von Addie Chinn

Letzte Woche kehrte David Lynchs Kultserie Twin Peaks 26 Jahre später auf die Bildschirme zurück. Wenn du die Serie nicht kennst oder sie geguckt hast, aber immer noch keine Ahnung hast, was da verdammt noch mal passierte: Alles dreht sich um die Bewohner einer abgeschiedenen amerikanischen Kleinstadt nach dem Mord an der Highschool-Schülerin Laura Palmer. Eine abgefahrene, typisch lyncheske Serie, doch neben den sonderbaren Figuren, der surrealen Stimmung und übernatürlichen Elementen spielt auch Essen eine wichtige Rolle: Special Agent Dale Coopers Liebe zu "verdammt gutem Kaffee", der berüchtigte Kirschkuchen im Double R Diner und die Donutberge im Sheriff-Büro.

Während echte Twin Peaks-Fans wahrscheinlich schon wissen, wie man Dale-Cooper-Style Kaffee trinkt, ist ein Superfan noch einen Schritt weiter gegangen.


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Damn Fine Cherry Pie ist das (inoffizielle) Twin Peaks-Kochbuch von Lindsey Bowden aus London, die das jährliche "Twin Peaks UK Festival" ins Leben gerufen hat. Ihr Buch, das letzten November auf Englisch erschien, enthält Rezepte angelehnt an die Show, wie Coopers Pfannkuchen mit Schinken und Ahornsirup oder Cocktails aus dem One-Eyed Jack's oder Tipps für Dinner-Partys im Stil der Schwarzen oder Weißen Hütte.

Anlässlich der neuen Staffel von Twin Peaks haben wir uns mit Lindsey über die Rolle, die Essen in der Serie einnimmt, und warum die Menschheit wissen sollte, wie man den den Schokoholzscheit der Log Lady backen kann.

MUNCHIES: Hi Lindsey. Was hat dich an Twin Peaks so fasziniert?
Lindsey Bowden: Die Serie war einfach Teil meiner Kindheit. Mit 14 habe ich angefangen, sie zu gucken, und irgendwie hat sie mich berührt. Ich hatte als Teenager wohl einfach so viele Ängste, das war ein sicherer Ort für mich. Das ist wohl immer so geblieben. Ich war schon sehr früh ziemlich kreativ und dieser Surrealismus in der Serie hat mir auch gefallen.

Die Donuts von Sheriff Truman aus Damn Fine Cherry Pie von Lindsey Bowden, erschienen bei Mitchell Beazley. Alle Fotos von Addie Chinn

Welche Rolle spielen Essen und Getränke in der Serie?
Man könnte fast sagen, dass sie eine eigene Rolle in Twin Peaks haben. Es gibt Orte, wo das Essen bedeutende Rolle spielt, im Double R Diner und im Great Northern Hotel zum Beispiel. Donuts sieht man immer nur Zusammenhang mit dem Sheriff-Büro, in anderen Szenen nur, wenn einer aus dem Team des Sheriffs oder Special Agent Cooper welche isst. Das Essen ist fast genauso berühmt wie die Charaktere.

Da schien es nur logisch, ein Kochbuch mit diesem tollen Essen herauszubringen.

Gibt es irgendein Essen oder Getränk, das besonders symbolbehaftet ist?
Kirschkuchen und Donuts gehören natürlich zu den Grundnahrungsmitteln in Twin Peaks. Sieht man genauer hin, kann man feststellen, dass es auf verschiedene Art benutzt wird. Wie redet Dale Cooper über seine Pfannkuchen mit Schinken und Ahornsirup? Wie möchte er sein Frühstück?

Pfannkuchen mit Schinken und Ahornsirup

Getränke sind auch eine große Sache. Im One-Eyed Jack gibt es eine Bar und Cocktails. Und was mich richtig aufgeregt hat, war, dass Maddy Ferguson mit James und Donna im Diner sitzt, sich eine Cherry-Cola bestellt und keinen Schluck davon trinkt.

Du hast bereits ein Twin Peaks-Festival begründet, warum hast du ein Kochbuch geschrieben?
Das Twin Peaks-Festival habe ich 2010 gegründet und mache es immer noch. Mittlerweile gibt es die achte Auflage, es ein echt erfolgreiches Festival. Dieses Jahr kommen Sherilyn Fenn, die Audrey Horne spielt, und Kenneth Welsh, der Windom Earle spielt. Da kann man richtig eintauchen: Wir bauen die Sets nach, die Serie wird gezeigt und es gibt verschiedene Veranstaltungen.

Damn Fine Cherry Pie von Lindsey Bowden

Das Buch sollte jedoch eine Art Erinnerungsstück für die Fans werden. Um ehrlich zu sein, ist man auf mich zugekommen. Diese Chance hatte ich nicht erwartet, also habe ich mein Herzblut da reingesteckt. Es sollte nicht nur ein Kochbuch sein, ich wollte auch, dass einen Art Nachschlagewerk für die Fans ist, deshalb gibt es auch Abschnitte, wo erklärt wird, wie man sich wie sein Lieblingscharakter aus Twin Peaks kleidet, wie man ein Twin Peaks-Dinner-Party veranstaltet und wie man eine Origami-Eule faltet.

Wie hast du die Gerichte und Getränke ausgewählt und dann in Rezepte umgewandelt?
Es gibt natürlich die Twin Peaks-Klassiker wie Kirschkuchen, Donuts, Pancakes und das Essen aus dem Diner. Dann bin ich ein bisschen tiefer in die Serie eingetaucht – ein guter Vorwand, um sie noch mal komplett anzugucken – und habe mir angeschaut, was im Hintergrund oder bei anderen Charakteren so passiert.

Der Kirschcola-Schinken von Maddy Ferguson

Dann habe ich mich auch an ein paar Zitaten bedient. Berühmt ist zum Beispiel das von Special Agent Cooper, als er das erste Mal nach Twin Peaks kommt und Enten auf dem See sieht und meint "Sehen Sie nur: Enten auf einem See!", weil er an eine große Stadt gewöhnt ist. Deshalb gibt es auch ein "Enten auf dem See"-Rezept [marinierte Ente auf gerösteten Kartoffelscheiben mit Birnensalat].

Für die Kapitel habe ich mich auch von verschiedenen Locations inspirieren lassen. Das Buch sollte eine kulinarische Reise durch einen Tag in Twin Peaks sein. Man startet im Great Northern Hotel mit Frühstück in den Tag, dann gibt es Donuts und Gebäck und zum Mittag ein Essen im Diner. Dann gibt es noch das Kapitel der Weißen Hütte, hier geht es um gutes, nahrhaftes Essen, Familienessen – im Gegensatz dazu gibt es in der Schwarzen Hütte verlockendere, dekadentere Rezepte. Am Ende gibt es Desserts und Cocktails.

Wie hast du die Rezepte entwickelt?
Ich habe eigentlich keine richtige Kocherfahrung, ich mag Essen nur einfach total und mag es, zu experimentieren. Also habe ich Geschmackskombinationen genommen, von denen ich wusste, dass sie funktionieren würde, habe das mit den Charakteren und den Locations kombiniert und viel recherchiert. Außerdem habe ich mit einem ganzen Team zusammengearbeitet, die darauf geachtet haben, dass ich auch niemanden vergifte.

Der in Bier marinierte Schweinebauch von Windom Earle

Hast du "offizielle" Twin Peaks-Rezepte gefunden, die für das Essen am Set benutzt wurden?
Im Buch gibt es keine Rezepte, die direkt aus der Serie stammen. In unserem Kirschkuchen ist Bourbon, das gibt einen ordentlichen Kick. Viele meinten zu mir, dass ich ihn "Audrey Hornes Kirschkuchen" hätte nennen sollen, aber ich wollte ihn eher wie Shelly Johnson, denn in der Serie wird er im Double R Diner gemacht. Außerdem hat Mädchen Amick, die die Shelly spielt, hat außerdem einen "O-Ton" zum Buch beigesteuert. Andere Schauspieler wie Kimmy Robertson, die Lucy Moran spielt, hat etwas geschrieben und Al Strobel, der den Mike, den Mann mit einem Arm, spielt, hat auch ein Rezept beigesteuert.

Wie würde für dich die perfekte Twin Peaks-Dinner-Party aussehen?
Es sind die kleinen Sachen, die es besonders machen. Man sollte darauf achten, dass die Deko stimmt – Platzdeckchen mit einem schwarz-weißes Zickzackmuster, eine schöne rote Tischdecke, ein paar rote Vorhänge, Holzscheite überall, Kaffeeduft in der Luft.

Kokoskäsekuchen mit Schokoladenzickzackmuster

In diesem Buch sind so viele Gerichte, die ich oft koche und esse. Ich liebe den Schweinebauch von Windom Earle und der James Hurley Burger mit Blauschimmelkäse ist mein persönlicher Favorit. Die Knoblauchpommes sind auch großartig. Und ich stehe absolut auf den Kokoskäsekuchen mit Schokoladenzickzackmuster.

Machst du die Gerichte, wenn du die Serie guckst?
Twin Peaks ist gerade mein Leben. Immer wenn ich arbeite, läuft die Show im Hintergrund. Die neuen Folgen, die schon liefen, habe ich schon drei mal gesehen. Viele der Gerichte koche ich, weil es einfach schönes, gutes Essen ist. Und möchte, dass das auch die Fans wissen: Das ist nicht einfach nur ein Buch, das bin ich. Auf diesem Buch steht nicht einfach nur mein Name, ich habe unglaublich viel Liebe reingesteckt.

Vielen Dank für das Gespräch.