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Urlaub

So dreist will uns Airbnb Pauschalreisen als exklusive Abenteuer andrehen

Slow-Food-Safari auf den Galapagosinseln? Für schlappe 3.200 Euro bist du bei diesem "Airbnb Adventure" dabei. Wir haben via Glaskugel Einblicke in künftige Bewertungen erhalten.

von Eike Kühl
14 Juni 2019, 1:31pm

Foto: Fernglas: imago images | Galoppfoto || Savanne: imago images | Steffen Schellhorn || Collage: VICE

Die Zeiten ändern sich. Bei McDonald's gibt es vegane Burger und Airbnb bietet ab sofort Pauschalreisen an. "Airbnb Adventures" heißt die am Donnerstag vorgestellte, neue Sparte der Plattform, bei der Reisende mit wenigen Klicks komplette Rundtouren buchen können, inklusive Unterkunft, Verpflegung und Aktivitäten vor Ort. Früher wurden eure Großeltern einmal im Jahr vom Busunternehmen aus dem Nachbardorf an den Gardasee gekarrt, jetzt kannst du dank Airbnb mit Adlern in der Mongolei jagen. Du weißt nicht, wo die Mongolei überhaupt liegt und welche Währung es dort gibt? Kein Problem, Airbnb kümmert sich um alles, sodass du nur noch in der App auf "Buchen" klicken musst.

"Perfekte Trips ohne viel Planung" nennt Airbnb das. Die Trips werden von lokalen Guides angeboten, viele Angebote sind ökobewusst, die Erlöse werden teilweise in lokale Projekte oder Forschungsinstitute gesteckt. Es gibt viele Sport- und Outdoor-Aktivitäten und natürlich soll alles hochgradig instagrammable sein.


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Natürlich hat das wenig mit der ursprünglichen Idee von Airbnb zu tun, wonach Privatmenschen ihre Couch oder ihr Gästezimmer an preisbewusste, vorwiegend junge Reisende vermieten. Wer heute Airbnb nutzt, trifft statt seiner Vermieter immer häufiger nur einen Schlüsseltresor am Hauseingang an – zum Leid der von Touristen und Touristinnen überquellenden Innenstädte.

Mit "Airbnb Adventures" vollzieht die US-Firma ihre Entwicklung zum kompletten Reiseanbieter. Dabei pauschalisiert sie Individualreisen, denn jeder Trip kann von bis zu zwölf Personen gleichzeitig gebucht werden. Die dürfen sich dann, wie früher in der Jugendherberge, gemeinsam zum Frühstück treffen, bevor es in das durchgetaktete Abenteuer geht.

Es handelt sich also vor allem um eine Illusion von Exklusivität, die Airbnb mit farbenfrohen Bildern, blumigen Beschreibungen von "einmaligen Erlebnissen" und einem ethnografisch maximal diversen Trailer seinen 150 Millionen Nutzerinnen und Nutzern vorgaukelt. Ein Erfolg werden die "Airbnb Adventures" vermutlich trotzdem. Wir haben schon einmal in die Glaskugel geschaut und dort mögliche Bewertungen für künftige Abenteuer auf der Plattform gesehen.

Melanie · Juli 2019 · Lama-Reiten in den Anden

★★★★★
Das dreitägige Lama-Reiten in den Anden war fantastisch! Unsere beiden Guides Eduardo und Rodrigo haben uns nach unserer 40-stündigen Anreise sehr herzlich aus ihrem Jeep heraus begrüßt und auf unsere Hütten gezeigt. Auch wenn sie kein Englisch und wir kein Spanisch sprachen, war die Kommunikation während des gesamten Trips kein Problem, denn wir haben nicht viel mit ihnen gesprochen und uns stattdessen lieber in der Gruppe untereinander auf Englisch verständigt.

Einige der Tiere waren am ersten Tag noch etwas müde vom letzten Trip, aber die erste vierstündige Tour klappte trotzdem gut, auch wenn ein Lama dabei gestorben ist und wir zu zweit auf ein anderes ausweichen mussten.

Die Verpflegung war sehr reichhaltig, es gab Bohnen und Quinoa zum Frühstück und Quinoa und Bohnen zum Abendessen. Kein Obst, aber ich wollte während des Trips ohnehin nicht aufs Klo gehen. Die Hütten waren rustikal, aber charmant ausgestattet und man konnte riechen, dass in den Wolldecken schon einige Lamas geboren wurden – ein einmaliges Erlebnis, das ich für keinen Sonnenbrand der Welt vermissen würde! Gracias!

Johanna · September 2019 · Surfcamp in Oregon

★★★★★
Unglaubliches Abenteuer! Tiere, Meer, Natur! Überall ausgelassene Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern, sodass es auch nachts nie zu still wurde! Unser Surflehrer Brandon war einfach mal super cute und freundlich und ich werde nie vergessen, als er mich vor der Abreise beiseite nahm und mir sanft ins Ohr flüsterte: "Lass das Zelt einfach so stehen, die nächste Gruppe kommt gleich."

Emil · August 2019 · Mit dem Tesla durch Südtirol

★★★★
Es war schon immer mein Traum, die unberührte Natur am Pragser Wildsee und der Seiser Alm selbst zu sehen, nachdem ich schon Millionen von Fotos davon auf Instagram bewundern durfte. Wir waren eine Zwölfergruppe und nach der Ankunft in Bozen bekamen jeweils zwei von uns einen Tesla zugeteilt. Weil mein Partner keinen Führerschein hatte, durfte ich die ganze Zeit am Steuer sitzen, sehr geil!

Die Unterkünfte waren alle sehr sauber und komfortabel, einmal gab es auch Schinken und selbstgebrannten Obstler, der uns noch am nächsten Morgen im Blut lag. Hat uns aber keiner angehalten.

Das Highlight war natürlich der Lago di Braies, wie die Locals ihn nennen. Wir waren schon um 4 Uhr vor Ort und hatten Glück, das erst 38 andere Touristen mit Profi-Fotoausrüstung da waren. So konnten wir bequem unsere Stative dazwischenquetschen und pünktlich zum Sonnenaufgang alle das gleiche Motiv aufnehmen.

Auf der Seiser Alm hatten wir leider nur Regen. Wir blieben den Nachmittag über im Auto sitzen und haben die Bilder bearbeitet, aber das mobile Internet war sehr langsam. Dank der fetten Klimaanlage war es aber nicht so schwül. Am Ende des fünftägigen Trips hatte ich 30 Instagram-Follower mehr, das war die 2.000 Euro definitiv wert.

Benjamin · Juli 2019 · Hai-Watching vor Kapstadt

★★★★
Erst dachten meine Freundin und ich, dass es schon etwas komisch sei, für ein Eco-Adventure nach Südafrika zu fliegen und dort eine Woche lang mit SUVs durch die Nationalparks zu fahren. Aber die Bedenken waren schnell weg, als wir zum ersten Mal das Meer vor Kapstadt sahen. Wir waren ein bisschen neidisch auf Nelson Mandela, der hier 18 Jahre lang leben durfte.

Ludwig · Oktober 2019 · Ökofarm in Thailand

★★★
Ich habe bisher immer bei Lidl-Reisen gebucht, mein Sohn hat mir jetzt aber Airbnb empfohlen, seit es dort Komplettpakete gibt. Ich war schon mehrfach in Thailand, aber ich wollte mal etwas anderes als Bangkok sehen. In Phuket sind mir zu viele Junkies, deshalb fand ich die Ökofarm im Landesinneren sehr interessant. Wir bekamen Kokosnuss-Saft zur Begrüßung und durften dann eine traditionelle thailändische Bauerntracht anziehen, die mir aber etwas zu eng war. Aber der Bambushut hat sehr gut gepasst! Wir konnten Bäume pflanzen und Bananen ernten.

Das Essen war sehr lecker, aber ein bisschen wenig. Nachschlag gab es nicht. Auch die Betten in der Holzhütte sind wohl eher etwas für Jüngere. Zum Abschluss konnten wir alle in der Benjarong Porcelain Village selbst eine Porzellantasse bemalen. Das war nicht leicht, aber ich habe das FC-Bayern-Logo sehr gut hinbekommen.

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