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Psychische Gesundheit

Wieso die Werbung zu den neuen "Unhappy Meals" von Burger King nicht (nur) schlecht ist

Der neue Spot dürfte mehr Menschen ansprechen als andere Kampagnen. Aber nicht jeder ist glücklich damit.

von Johanna Senn
03 Mai 2019, 12:10pm

Screenshot von Facebook aus dem Video von Burger King

Die meisten Menschen, die in der Werbung Essen zu sich nehmen, sehen unglaublich glücklich aus: Junge Frauen, die sich fröhlich einen verdauungsfördernden Joghurt gönnen, verliebte Pärchen, die sich gegenseitig mit Käse und Tiefkühlpizza füttern, als wäre es das schönste Vorspiel der Welt. Ohne jetzt Kinkshaming betreiben zu wollen: So richtig findet sich niemand in dieser Werbung wieder.

Burger King dreht den Spieß jetzt um. Die neueste Werbung des Fastfood-Riesen zeigt gleich zu Beginn einen jungen Mann, der auf dem Bett sitzt und sagt: "Nicht jeder wacht glücklich auf. Manchmal fühlst du dich traurig, ängstlich und beschissen." Die Kamera schwenkt weiter zu einem jungen Mädchen, das in der Schule gemobbt wird, und zu einem Mann, der nicht weiss, wie er seine Studienschulden bezahlen soll. Der abschließende Slogan der Werbung: "Niemand fühlt sich die ganze Zeit gut. Und das ist OK."

Damit bewirbt Burger King die neuen "Unhappy Meals", wie die Foodboxen bereits im Netz genannt werden. Quasi als Gegentrend zu McDonald's "Happy Meals" tragen Burger Kings Essensboxen Namen wie: "Blue Meal" und "Pissed Meal". Seit Donnerstag läuft der neue Werbespot in den USA und ist eine Kollaboration von Burger King und der gemeinnützigen Organisation Mental Health America. Pünktlich zum Mai, dem Mental Health Awareness Monat in den USA, zeigt Burger King seine Unterstützung für die Entstigmatisierung psychischer Krankheiten.


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Das passiert natürlich nicht ganz uneigennützig und Burger King ist bei weitem nicht die erste Firma, die ein soziales Problem dazu nutzt, ihre Ware an den Konsumenten zu bringen. Dass die Firma mit dieser Werbung Geld mit dem psychischen Zustand ihrer Kunden machen möchte, etwa mit Depressionen, stößt im Netz teilweise auf Kritik und Hohn.

Dass die Message "Es ist OK, sich nicht OK zu fühlen", von einer Fastfood-Kette in einem Werbeslogan aufgenommen wird, die nicht für die allerbeste Ernährung steht, ist tatsächlich schräg. Und welche Emotion mit einem "Yaas Meal" oder einem "DGAF Meal" angesprochen werden soll, ist auch nicht ganz klar. Und wäre es schön und wichtig gewesen, Burger King hätte eine Nummer oder eine Adresse vermerkt, wo sich Menschen, die mit psychischen Problemen zu kämpfen haben, melden können? Auf jeden Fall.

Immerhin hat Burger King amerikanischen Medien zufolge für die Kampagne eine "nicht näher angegebene Spende" an Mental Health America überwiesen.

Was man Burger King zu gute halten kann: Als zweitgrößte Burger-Fast-Food-Kette der Welt, die natürlich auch viele junge Menschen erreicht, liegt bei der Marke eine gewisse Verantwortung, die sie mit dieser Werbung wahrnimmt.

Burger King ist damit eine von wenigen großen Firmen, die einen klaren Standpunkt zu einem sozialen Problem bezieht. Vor zwei Jahren machte das etwa auch die Firma Airbnb neun Tage nach Trumps temporärer Schließung der Grenze zu Mexiko: Sie zeigten am Superbowl einen Werbespot, der daran erinnerte, dass Toleranz alle etwas angeht.

Die Werbung von Burger King ist ein Schritt in die richtige Richtung. Denn von einem tiefen Seufzer auf der Couch fühlt sich wohl jeder von uns besser abgeholt, als von einer Person, die glücklich ihren Joghurt löffelt.

Du leidest an Depressionen oder sorgst dich um einen nahestehenden Menschen? Die Nummer der Telefonseelsorge in Deutschland ist 0800 111 0 111. In dieser Liste sind bundesweite Anlaufstellen für Menschen mit Depressionen aufgeführt. Die Nummer der Telefonseelsorge in der Schweiz ist 143. Die Nummer der Telefonseelsorge in Österreich ist 142. Den Notfallpsychologischen Dienst erreichst du hier unter 0699 18 85 54 00.

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