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Follower kaufen: Wir haben unseren Bürohund zum Influencer gemacht

Wie viel Instagram-Fame kriegt man für 100 Euro, wenn man alle faulen Tricks probiert?

von Sebastian Meineck
05 Dezember 2019, 10:33am

Foto & Bearbeitung: VICE 

Sein Name ist Henri, und sein Instagram-Fame ist das Ergebnis eines Experiments: ein Hund, ein Monat, 100 Euro.

Wir haben Henris Account aus dem Nichts aufgebaut, mit allen dreckigen Mitteln, die das Internet zu bieten hat. Wir wollten erleben, wie die Industrie für gekaufte Likes und Follower wirklich funktioniert. Wie bläst man mit faulen Tricks die eigenen Zahlen auf? Wo kauft man Fame, wer kontrolliert die Shops? Und wie weit können wir die Schummelei mit 100 Euro treiben?

Für das Experiment suchten wir ein unbekanntes Gesicht aus der VICE-Redaktion. Jemanden, der noch nie öffentlich in Erscheinung getreten ist, aber trotzdem gern vor der Kamera posiert. Die Wahl fiel auf Henri, den Hund eines Kollegen, ein Mischling aus Jack Russell und Schäferhund.

So wurde Henri zu unserem Fake-Influencer: ein echter Hund mit falschen Fans. Wie viele Followerinnen und Follower kriegen wir zusammen? Und würden wir damit etwas verdienen können, würde Henri also Werbedeals für Tierzubehör ergattern?

Einen Monat später wissen wir: Henri hat es weit gebracht. Instagram lässt sich immer noch leicht manipulieren. Mit etwas Taschengeld kann dort jeder faken und tricksen. All das kostet aber auch Zeit, die man besser in aufrichtige Arbeit stecken könnte. Und am Ende haben wir zwar viele Follower und Followerinnen, aber keinen Erfolg – wir scheitern an der Überprüfung von echten Menschen.

Ein Dogfluencer wird geboren

Instagram-Post von Henri
Zuerst das Mäuerchen erklimmen, dann die ganze Welt | Screenshot: Instagram

Ein gepflegter Hund braucht einen gepflegten Instagram-Account, deshalb bekommt Henri ein schickes Profilbild, in dem er aufgeweckt die Öhrchen reckt. In seine Kurzbio schreiben wir: "Follow me if you like dogs!" Die bei einem Gratis-Anbieter angelegte E-Mail-Adresse bezeichnen wir dreist als "Business Contact". Fake it till you make it. Zum Einstieg folgen wir wahllos zehn anderen Instagram-Hunden, vier davon folgen sofort zurück. Sehr gut, an Henris tierischer Authentizität scheint keiner zu zweifeln.

Von nun an veröffentlichen wir einen Monat lang mindestens ein neues Henri-Foto pro Tag. In die Bildbeschreibung kommen Hashtags aus einem Hashtag-Generator sowie jeweils ein flink gegoogeltes Zitat aus einem Popsong. Der Aufwand ist minimal, trotzdem würden unsere Beiträge in der Marketing-Sprache wohl als "unique content" durchgehen.

Um an die ersten Followerinnen zu kommen, melden wir uns bei dem Tauschnetzwerk "Get Super Folllowers for Instagram" an. Diese Android-App ist absolut unseriös, war aber leicht zu finden, und zwar im Google Play Store. Mittlerweile ist sie dort nicht mehr verfügbar. Als Mitglied im Tauschnetzwerk muss Henri anderen Mitgliedern folgen und ihnen Likes schenken. Dafür bekommt er virtuelle Coins gutgeschrieben. Diese Coins wiederum lassen sich gegen eigene Follower eintauschen. Gut 150 Follower erschummeln wir Henri so, ohne auch nur einen Cent zu zahlen.

Allerdings verlangt die App im Gegenzug nach Henris Instagram-Passwort, und sein Passwort sollte man nicht herausgeben, niemals. Wir machen es trotzdem – um zu lernen.

Die Arbeit im Tauschnetzwerk ist mühsam. Wir müssen jedes Mal auf einen blauen Button drücken, damit Henri einen Like verteilt und eine Coin verdient. Immer wieder friert der blaue Button ein, weil es gerade nichts zu liken gibt. Dann müssen wir ein paar Minuten warten. Es vergeht eine knappe Stunde, bis wir genug Coins beisammen haben, um sie gegen 20 Follower einzulösen. Die Klickerei ist stupide, aber wirksam. Wir fragen uns, warum diese Methode nicht noch bekannter ist, als Instagram uns plötzlich eine Verwarnung schickt: Wir wurden erwischt.

Instagram droht, Henris Account zu sperren

Screenshots aus dem Instagram-Pod
Im Instagram-Pod ist immer was los | Screenshots: Telegram

Kaum haben wir mit dem Schummeln angefangen, schon geht es nicht weiter. "Dein Konto wurde kompromittiert", heißt es in einer Warnmeldung in der Instagram-App. "Offensichtlich hast du dein Passwort weitergegeben, um so an mehr 'Gefällt mir'-Angaben bzw. Abonnenten zu gelangen. Dies verstößt gegen unsere Gemeinschaftsrichtlinien." Instagram ist sauer, da hilft auch kein Hundeblick. Wir müssen Henris Passwort ändern, heißt es weiter, und falls wir das Passwort erneut weitergeben, könnte Henris Account eingefroren werden. Dann dürfte er nichts mehr abonnieren, kommentieren und liken. Das wäre unser Aus.

Also suchen wir Kontakt zu anderen Schummlerinnen: Wir treten einem sogenannten Pod bei. Ein Pod ist eine Chat-Gruppe aus Instagram-Nutzerinnen, die ihre Beiträge in aufwendiger Handarbeit gegenseitig liken. Solche Pods findet man zum Beispiel auf Telegram. Die Idee hinter einem Pod ist simpel: Wer keine echten Fans hat, tut sich eben mit anderen Nutzern zusammen, die ebenso keine echten Fans haben. Wenn sich alle Mitglieder im Pod gegenseitig liken und folgen, vermitteln sie nach außen immerhin einen guten Eindruck.

Henris neuer Telegram-Pod hat mehr als 1.500 Mitglieder. Der Chatverlauf ist eine endlose Reihe von Instagram-Links, manchmal unterbrochen von den scharfen Verwarnungen der Chat-Moderatoren.

Die Regeln sind streng: Bevor wir auch nur selbst einen Link posten dürfen, müssen wir die zehn zuvor verlinkten Instagram-Fotos liken und kommentieren. Der Kommentar soll mehr als drei Worte haben, und wir sollen darin unbedingt auf das jeweilige Foto eingehen. Erst das macht ihn "unique". In Stichproben überprüfen die Chat-Moderatoren unsere Klickarbeit, heißt es. Wer schludert, fliegt raus.

"Hier würde ich auch gerne spazieren!", kommentiert Henri das Foto einer Nutzerin, die vor einer Brücke posiert. Einen Fitnessguru, der sich beim Gewichtestemmen zeigt, fragt Henri: "Darf ich um dich herumrennen und dich mit Gebell motivieren?" Henri kann halt gut mit Menschen. Andere Haustiere gibt es hier nicht, dafür unter anderem Urlaubs-Influencer, CBD-Shops und Wellness-Hotels.

Mehrere Tage lang erfüllt Henri vorbildlich alle Regeln des Pods. Nur um festzustellen, dass er offenbar zu den Strebern gehört. Mehr als die Hälfte der anderen Pod-Mitglieder ist offensichtlich nicht mit Disziplin bei der Sache. Die ersehnten Likes für Henri bleiben größtenteils aus. Schriftliche Kommentare verfasst kaum einer. Und wenn doch, ignorieren sie eiskalt die Regel, mehr als drei Worte zu schreiben:

"So cute"
"What a cutie"
"Awww so cute"

Wo sind die strengen Moderatoren, wenn man sie braucht? Die Solidarität unter Instagram-Schummlern geht anscheinend gegen null. Ohne Geld kommen wir nicht weiter. Es wird Zeit, das Budget anzupacken.

Henri bekommt 25 Luxus-Follower

Screenshot aus Henris Instagram-Account
Dieser Hund ist unschuldig – wir nicht | Screenshot: Instagram

Im Internet gibt es Hunderte Shops für Likes und Follower. Die Preise schwanken enorm. Wie viel ist uns eine Followerin wert? Wir wollen es zuerst mit einem teuren Angebot probieren, das angeblich auf Qualität setzt: Der Shop preist Dienstleistungen "Made in Germany" an. Es gibt sogar ein Impressum mit Postadresse, Telefon-Service und Stellenangebote – wenn das nicht seriös ist. Wir kaufen 25 Follower aus dem deutschsprachigen Raum, Kosten: 5,90 Euro. Der Einkauf ist so einfach wie eine Amazon-Bestellung, bezahlt wird per Kreditkarte.

Am nächsten Morgen sind die Follower da. Jetzt sehen wir auch, warum sie so teuer waren: Sie haben vernünftige Vor- und Nachnamen und Profilfotos mit Gesicht. Leider war's das auch schon mit der Qualität, denn wie Fake-Accounts wirken sie trotzdem. Viele Accounts sind auf "privat" gestellt, andere haben nur ein paar Uploads. Und selbstverständlich reagieren sie nicht auf Henris Fotos.

Kosten-Nutzen-Verhältnis: erbärmlich. Allein um auf 1.000 Follower zu kommen, müssten wir in diesem Shop mehr als 200 Euro ausgeben. Wir müssen härtere Maßnahmen ergreifen.

Zeit für dreckige Einkäufe

Screenshots von Henris Followern
Was soll Henri mit diesen Fake-Followern anfangen? | Screenshot: Instagram

Am zehnten Tag des Experiments dümpelt Henri immer noch unter der 200-Follower-Marke. Aber das können wir ändern, dank eines Netzwerks aus Online-Shops ohne Impressum, die sich dem Suchbegriff "SMM panel" offen im Netz finden lassen. Den Hinweis dafür erhielten wir vom Medienforscher Patrick Vonderau von der Uni Halle-Wittenberg, der den Markt für gekaufte Follower erforscht.

Außerhalb des Experiments hätten wir bei einem solchen Shop niemals einen Account angelegt, geschweige denn Zahlungsdaten hinterlassen. Wer weiß, ob die anonymen Händler uns nicht einfach abzocken? Für Henri gehen wir das Risiko ein. Das Angebot ist zu gut: 1.000 Follower für nur 3,61 Euro. Das ist rund 66 Mal billiger als die Luxus-Follower "made in Germany".

Geliefert wird innerhalb eines Tages, heißt es auf der Website. Aber erstmal passiert nichts. Immerhin, der dubiose Shop mit anonymen Betreibern hat einen Kundensupport. Mehrmals beschweren wir uns per Chatnachricht, mehrmals werden wir vertröstet: technische Probleme.

Zwei Tage später sind die 1.000 Followerinnen plötzlich da. Was hat da so lange gedauert? Hatten die Dealer versucht, uns über den Tisch zu ziehen?

Wir suchen nach Antworten in Insider-Foren, dort, wo sich die Betreiber von Follower-Shops über ihre Probleme austauschen, und finden heraus: die Produzenten von Likes und Followern werden permanent von Instagram gejagt. Ständig findet Instagram neue Wege, die Fake-Accounts zu löschen, ständig entwickeln die Produzenten neue Tricks, das zu umgehen. Entsprechend verzögern sich die Lieferungen. Man solle mehrere Shops durchprobieren, irgendwann hätte man Erfolg.

Henris erster Werbedeal

Screenshot von Henris Instagram-Account
Seht ihr, wie gut Henri mit Photoshop umgehen kann? | Screenshot: Instagram

Henri hat noch nicht einmal 2.000 Follower, schon bekommt er erste Kooperationen angeboten. Ein Shop für Hundezubehör namens Aki-Oka kommentiert unter einem seiner Fotos, wir sollten uns per Privatnachricht melden. Klar tun wir das, Henri kennt da keine Scheu.

Die Person im Chat stellt sich als Rhea vor. Sie schreibt, Henri bekomme lebenslänglich 50 Prozent Rabatt, wenn er den Shop auf Instagram promotet. Wir sollen Henris Fans einen Promo-Code andrehen, mit dem sie Hundeleinen und Spielzeug shoppen können. Sobald jemand wirklich mit dem Promo-Code etwas kauft, bekomme Henri 15 Prozent Gewinnbeteiligung.

In den nächsten Tagen bekommt Henri zwei weitere solcher zweifelhaften Angebote. Eines davon nehmen wir schließlich an, einfach weil Werbung in einem Influencer-Leben dazugehört. Der Kooperationspartner – ein Shop für vegane Shirts – bezeichnet Henri als "Pet Ambassador", Tierbotschafter. Klingt auch viel schöner als Werbefigur.

Auch über Henris "Business"-Mailadresse kommen Angebote für Kooperationen rein, allerdings erst nach Ablauf der vier Wochen, die wir für das Experiment eingeplant haben. Online-Shop-Betreiber fragen, ob Henri ihre Armbänder (für Menschen) und Zahnpflege-Tropfen (für Tiere) bewerben möchte, auch ein kostenloser Videokurs für Hundetraining wird uns angeboten.

Henri springt über die 10.000er-Marke

Henris Follower-Wachstum in einer Grafik
Das Gegenteil von organischem Wachstum | Screenshot: Google Spreadsheets

Wir sind dank unserer Recherchen in Insider-Foren mittlerweile auf einen spottbilligen Shop gestoßen, in dem die Likes und Follower bei unseren Testkäufen nur so fließen. Den Namen des Shops behalten wir lieber für uns, um keine falschen Anreize zu setzen. Er wirbt mit einer besonderen Garantie: Sobald die gekauften Follower und Followerinnen verschwinden, werden sie auf Wunsch kostenlos wieder aufgefüllt, "Refill" nennt sich das im Schummler-Jargon.

Das klingt super, denn der größte Nachteil bei Fake-Followern ist, dass Instagram sie aufspürt und löscht. Von unseren 1.000 gekauften Billo-Followern waren nach einigen Tagen schon mehrere hundert verschwunden.

Die Refill-Garantie gelte "ein Leben lang", heißt es auf der Website, die selbstverständlich kein Impressum hat. Wir hoffen auf ein langes Leben und bestellten beherzt 12.000 Follower für 60 Euro. Oben drauf ein paar hundert Likes – 100 Likes kosten nur 35 Cent –, die wir großzügig über Henris Uploads verteilen. Doch auch dieser Shop hat plötzlich Lieferengpässe, technische Gründe, wir kennen das ja schon. Nach ein paar Tagen kommt die Lieferung doch, und unser Hund hat plötzlich eine fünfstellige Anzahl Followerinnen.

Henri ist damit zum Mikro-Influencer geworden. So bezeichnen Marketing-Menschen Influencer mit einer kleinen Community und einem nischigen Thema. In der Branche gelten Mikro-Influencer inzwischen als besonders authentische Geheimtipps.

Glückwunsch, Henri!

Wer es geschickt anstellt, kann die Schummelei auf Instagram sogar noch einfacher machen. Längst müssen Schummlerinnen nicht mehr für jedes hochgeladene Foto einzeln Likes kaufen. Die Likes lassen sich im Voraus bezahlen. Kunden können genau festlegen, für wie viele künftige Posts sie wie viele Likes haben möchten. Einmal bezahlt, schon kommen die Likes nach jedem Upload von alleine. Ein ähnliches Angebot gibt es für künstlich generierte Kommentare – doch das hat zumindest während unseres Experiments nicht funktioniert.

Kurz vorm Durchbruch scheitert Henri

Screenshots aus Henris Analytics
In Istanbul ist Henri besonders beliebt | Screenshot: Instagram

Mehr als 10.000 Followerinnen und Follower hat Henri nach einem Monat. Die perfekte Zahl, um sich Werbedeals zu sichern. Aber Fake wird von Firmen immer häufiger erkannt.

Bevor eine professionelle Marketing-Abteilung einen Influencer oder eine Influencerin bezahlt, fragt sie nach internen Statistiken: Dort wird genau aufgeschlüsselt, wie die Followerschaft gewachsen ist, aus welchen Ländern sie stammt und wie aktiv sie ist.

Die meisten von Henris gekauften Follower und Followerinnen kommen nicht aus seiner Heimatstadt Berlin, sondern aus Istanbul, Delhi, Baku und Mumbai. Auch die heftigen Sprünge in der Anzahl Followerinnen sind höchst verdächtig.

Auch ein Blick in die Follower-Liste zeigt: Hier kann etwas nicht stimmen. Viele haben kein Profilfoto und seltsame Namen wie "brbennnoo00". Sie folgen extrem vielen Accounts und haben kaum eigene Uploads und Follower.

Immerhin ist Henris Engagement-Rate nicht so übel. Sie ist ein wichtiger Kennwert im Influencer-Marketing, da sie das Verhältnis zwischen aktiven und toten Followern anzeigt. Deshalb ist es Influencern auch so wichtig, dass ihre Fans fleißig liken und kommentieren: damit die Engagement-Rate oben bleibt. Dass Instagram seit Kurzem die Likes im Newsfeed testweise ausblendet, ändert daran übrigens nichts. Eine gute Rate beginnt bei 3 Prozent. Durch unsere gekauften Likes haben wir Henris Engagement-Rate auf genau diesen Wert gepusht.

Wir melden Henri bei mehreren Online-Plattformen an, die Influencer und Werbepartner miteinander verkuppeln, Reachhero zum Beispiel. Die Aufnahmebedingungen sind streng: Ein Account braucht meist eine Mindestanzahl Follower (die hat Henri), eine akzeptable Engagement-Rate (die hat er auch) – doch der Account muss auch der Überprüfung eines Mitarbeiters standhalten. Das schafft Henri nicht.

Henri ist gleich bei mehreren Anbietern durchgefallen. Offenbar hat die Branche inzwischen dazugelernt. Noch vor ein paar Jahren kam ein vom WDR erschaffener Fake-Influencer deutlich leichter an Angebote.

Screenshot von Henris Instagram-Account
Ein Leben ohne Henri ist sinnlos, aber denkbar | Screenshot: Instagram

Wenn Fakes inzwischen schneller auffliegen – warum geht das Geschäft mit Likes und Followern trotzdem weiter? Darauf gibt es mehrere Antworten. Erst einmal können Influencer mit gekauften Likes und Followern ein bisschen nachhelfen, wenn es ansonsten ganz gut läuft. In kleinen Dosen fällt der Schmu nicht so leicht auf, und investiertes Geld lässt sich durch bessere Werbedeals eventuell wieder reinholen. Dann sind da noch all die Instagram-Nutzenden, die bloß ihre Freunde und Freundinnen blenden wollen und nicht auf Werbedeals aus sind.

Außerdem sind noch nicht alle Firmen da draußen Social-Media-Profis. Schlecht informierte Unternehmen könnten auf so einen Fake immer noch reinfallen – vor allem in Ländern und Branchen, in denen Influencer-Marketing weniger professionalisiert ist.

So viel ist Henri auf dem Schwarzmarkt wert

Schummelei kann auf Instagram also funktionieren, dahinter steckt aber kein Zauber, sondern Arbeit, Frust und Geduld. Bleibt noch eine Sache, die wir wissen wollen: Ließe sich der von uns hochgezogene Instagram-Account eigentlich wieder zu Geld machen?

Um das zu beantworten, öffnen wir die Chat-App Telegram, dort gibt es einen Schwarzmarkt für Instagram-Accounts. In Telegram-Gruppen verhökern Dealer Login-Daten. Für hohe Followerzahlen und gute Engagement-Raten gibt es bessere Preise. Natürlich möchten wir wissen, wie viel uns dort für Henris Instagram-Account geboten wird.


Auch auf VICE: Totalüberwachung für 150 Euro


Wir fragen einen Telegram-Händler, Amrit, den wir in einer Chat-Gruppe kennengelernt haben. Amrit hatte uns mehrere Wochen lang bereitwillig alle Fragen zu seinen Geschäften beantwortet. Er bezeichnet sich als Teenager aus Dubai, will seinen echten Namen aber nicht verraten.

Ein Account mit 12.000 Followern sei um die 100 Dollar wert, schreib Amrit zunächst. Wie passend: In etwa so viel haben wir ja investiert. Doch dann korrigiert sich der Telegram-Dealer. "Der Account ist gebottet", schreibt Amrit, und meint damit Henris gekaufte Follower. In diesem Fall würden wir höchstens 30 Dollar dafür bekommen.

Immerhin. Die Verwertungsindustrie für Social-Media-Betrug zieht offenbar aus allem Profit. Nur was würde der Käufer mit dem Account anstellen? Es gibt sicher noch einige Tricks in der Branche, die uns entgangen sind.

Natürlich verkaufen wir Henri nicht, aber wir beenden seine Influencer-Karriere. Raus aus dem Internet, zurück ins Körbchen. Am Ende braucht ein Henri ja auch nicht Tausende Likes, sondern nur unsere Streicheleinheiten.

Mitarbeit: Theresa Locker

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