Jüngere Brüder sind eher schwul – und wir wissen jetzt warum

Neue Forschungen klären uns über biologische Faktoren auf, die die sexuelle Orientierung beeinflussen.

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Dez. 12 2017, 11:23am

Foto: Shutterstock

Schon seit vielen Jahrzehnten versuchen Wissenschaftler herauszufinden, welche biologischen Faktoren die sexuelle Orientierung bestimmen. Manchmal ist es nämlich ganz praktisch, engstirnigen Idioten, die Homosexualität als etwas Unnormales oder Falsches ansehen, mit wissenschaftlichen Fakten begegnen zu können. Eine sehr außergewöhnliche Entdeckung auf diesem Gebiet ist: Männer mit älteren Brüdern sind häufiger homosexuell. Bisher wusste man aber noch nicht, warum das so ist.

Jetzt deuten neue Forschungen der kanadischen Brock University darauf hin, dass Frauen, die mehrmals mit Jungen schwanger werden, mit der Zeit immer mehr Antikörper aufbauen, die das Kind im Bauch beeinflussen. Diese Antikörper werden als Reaktion auf Proteine im männlichen Gehirn gebildet und können Veränderungen in der Hirnentwicklung auslösen, die sich auch auf die sexuelle Orientierung auswirken.

"Es hat den Anschein, als ob die Körper mancher Frauen während oder nach der ersten Schwangerschaft mit einem Jungen das NLGN4Y-Protein entdecken – und damit einen Fremdkörper. Das führt dazu, dass das Immunsystem Antikörper bildet. Später kann der hohe Antikörper-Anteil bei weiteren Schwangerschaften mit Jungen zu einer veränderten Hirnentwicklung bei den Säuglingen führen", begründet der Forschungsleiter Anthony Bogaert in einer Pressemitteilung.

Diese Erkenntnis ist deswegen so bahnbrechend, weil sie darauf hindeutet, dass Homosexualität nicht ausschließlich durch die Gene bedingt ist.


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Die Studie sei extrem bedeutend – vor allem, wenn sie von einem unabhängigem Forscherteam wiederholt und bestätigt werden könne, erklärt Bogaert. "Wir verstehen jetzt nicht nur besser, woher der Effekt der brüderlichen Geburtsfolge herrührt, sondern können nun auch mit größerer Sicherheit sagen, dass die sexuelle Orientierung zumindest bei Männern stark biologisch veranlagt ist", so der Wissenschaftler weiter.

Dieses Ergebnis komme nach mehr als 20 Jahren Forschung zum Einfluss der brüderlichen Geburtsreihenfolge, so Bogaert. "Die aktuelle Studie bestärkt den wachsenden wissenschaftlichen Konsens, dass Homosexualität keine Wahl, sondern eher eine angeborene Veranlagung ist."

Wenn du dich jetzt fragst, warum dein jüngerer Brüder glücklich mit einer Frau zusammen ist: Der Älterer-Bruder-Effekt des älteren Bruders kommt nur relativ selten vor. Die große Mehrheit von Männern mit älteren Brüdern wird immer noch heterosexuell geboren.

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